Task Force zu Kälbertransporten bringt keine Ruhe

Vorarlberg / 22.12.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Seit langer Zeit sorgt der Umstand für Diskussionen, dass Kälber aus Vorarlberg ins Ausland exportiert werden. Die Task Force soll deren Zahl verringern. <span class="copyright">VN/Steurer</span></p>

Seit langer Zeit sorgt der Umstand für Diskussionen, dass Kälber aus Vorarlberg ins Ausland exportiert werden. Die Task Force soll deren Zahl verringern. VN/Steurer

Rechtlich können Kälbertransporte kaum reduziert werden, sagt die Arbeitsgruppe.

Bregenz Eigentlich hätte die Arbeitsgruppe Ruhe bringen sollen. Doch auch kurz vor Weihnachten herrscht Aufregung über das Ergebnis der Task Force, die untersuchen hätte sollen, wie die Zahl der Kälbertransporte minimiert werden kann. Die Arbeitsgruppe kommt zum Ergebnis, dass das zumindest rechtlich nicht möglich ist. Während ÖVP und Landesrat Christian Gantner mit den 18 Empfehlungen zufrieden sind, kritisieren Grüne und der Verein gegen Tierfabriken (VGT) das Ergebnis. Die Leiterin der Task Force, Uni-Professorin Susanne Waiblinger, beruhigt.

Vorarlbergs Landwirtschaft steht vor einem Problem: Wohin mit den männlichen Kälbern? Sie geben keine Milch, Aufzucht lohnt sich nicht; also werden sie ins Ausland verkauft. Als die Diskussion im Frühjahr erneut hochkochte, richtete Gantner die Task Force Tiertransporte ein. Ihr Kernauftrag lautete: „Prüfung der rechtlichen Möglichkeiten, Tiertransporte zu reduzieren und unbedingt erforderliche Transporte unter Einhaltung der Vorschriften durchzuführen.“ Außerdem sollten Empfehlungen erstellt werden, um die Situation zu verbessern. Waiblinger traf sich mit den zehn Mitgliedern dreimal. am Freitag wurde das Ergebnis präsentiert. Mit einer erfreulichen Nachricht: Derzeit werden jährlich rund 4400 Kälber in EU-Staaten exportiert, 2018 waren es noch 5800. Wie viele in andere Bundesländer gebracht werden, ist nicht erwähnt.

Schon vor Präsentation des Berichts sorgte der VGT für Aufsehen. Er trat aus dem Team aus, da er sich nicht mit dem Ergebnis identifizieren konnte (die VN berichteten). Stein des Anstoßes: Die Feststellung, dass es rechlicht kaum Möglichkeiten gibt, Kälbertransporte zu unterbinden. Den Begriff „unbedingt erforderlich“ interpretierte die Task Force mit „ordnungsgemäß angemeldet“.

„Vom VGT kam wenig“

Die erste Empfehlung lautet also, dass auf die EU eingewirkt werden soll. Ansonsten sind bekannte Forderungen dabei: Schlachtmöglichkeit in Vorarlberg, regionale Lebensmittel in Kantinen, stärkere Qualitätsprogramme, Förderungsprogramme, Beratungsprogramme. Task-Force-Leiterin Waiblinger ist überzeugt: „Die Maßnahmen setzen dort an, wo das Problem entsteht.“ Sie bestätigt, dass rechtlich nicht viel möglich sei. „Wir sind es an der Wurzel angegangen.“ Dass der VGT ausgetreten ist, sei sehr enttäuschend. „Die Aktion hat die Stimmungen der Sitzungen überhaupt nicht gespiegelt.“ Nachsatz: „Vom VGT kam sehr wenig.“

Der VGT bleibt dabei: „Die Landwirtschaftskammer und die Veterinärbehörde versuchten, rechtliche Umwege zu konstruieren, die bisher nicht rechtmäßig durchgeführten Transporte zu legitimieren.“ Unterstützung kommt von den Grünen. Klubobmann Daniel Zadra betont: „Meine Befürchtung, dass die Task Force ihren Auftrag nicht erfüllt, wurde leider bestätigt.“ Er fordert: „Wir müssen uns endlich entscheiden. Entweder immer wieder neue Argumentationen finden, um Tiertransporte zu verharmlosen und entschuldigen, oder alle Kälbertransporte auf Null reduzieren.“ ÖVP-Abgeordneter Bernhard Feuerstein ist hingegen erfreut: Der Task-Force-Bericht zeige ein realistisches Bild. „Nur wenn der Konsument bereit ist, dem heimischen Fleisch trotz höheren Preisen den Vorzug gegenüber ausländischen Billigangeboten zu geben, eröffnet sich für die heimische Landwirtschaft die Chance, auf Kälberexporte zu verzichten.“

Aus Tierschutzgründen ist das jedenfalls nötig, wie Susanne Waiblinger bestätigt: „Transporte sind immer eine Belastung und mit Stress verbunden.“

Hier geht’s zum Bericht der Task Force