Helgas Tor in die Welt

Vorarlberg / 23.12.2019 • 19:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Helga Nagel kann wichtige technische Hilfsmittel zur Verständigung nutzen, die über die VN-Sozialaktion „Ma hilft“ finanziert wurden. VN/Paulitsch
Helga Nagel kann wichtige technische Hilfsmittel zur Verständigung nutzen, die über die VN-Sozialaktion „Ma hilft“ finanziert wurden. VN/Paulitsch

„Ma hilft“ finanziert Unterstützungskommunikation. Das ist ein Segen für Helga Nagel.

Lustenau Helga Nagel strahlt übers ganze Gesicht. Sie tippt auf ihr Tablet. „Ich komme aus Höchst“, meldet sich eine technische Stimme aus dem Touchscreen-Computer. Die 75-jährige Frau artikuliert kommentierend. Zu verstehen ist sie für einen Außenstehenden kaum. „Das können nur jene, die regelmäßig mit ihr zu tun haben“, bemerkt Betreuer Reinhard Wohlgenannt (37).

Helgas Mitteilungsbedürfnis ist noch lange nicht gestillt. Unentwegt tippt die geistig behinderte Frau in ihr Tablet. Das spuckt in klarer Sprache aus, dass Helga auf einem Bauernhof aufwuchs, dass sie Coca-Cola mag. Sie lässt zudem wissen, dass sie gerne malt, strickt, näht, fernsieht und badet. Ihr Betreuer kommuniziert verbal, aber auch über Gebärden mit der Frau. Die besondere Verbindung der beiden ist sofort zu spüren.

Small Talk per Tastendruck

Helga wohnt in einem Haus der Lebenshilfe im Lustenau. Neben dem Tablet zum Schreiben hat sie gelegentlich auch eines mit Symbolen zur Verfügung. Das hilft ihr in der Alltagskommunikation mit der Außenwelt fast ebenso gut. „Wir sind so froh über diese digitale Unterstützungskommunikation. Diese und andere Kommunikationsmittel gewährleisten für viele unserer Schützlinge ein Grundrecht: jenes der Kommunikation mit der Außenwelt.“ Helga hätte nicht jene Fröhlichkeit, die sie hat, könnte sie sich nicht mit allen verständigen. Sie könnte nicht einfach ins benachbarte Café König gehen und etwas bestellen. Und dabei auf Tastendruck noch einen simplen Small Talk mit der Kellnerin führen.

Zu Helgas Welt gehören sehr viele andere Menschen. Dank der modernen Kommunikationsmittel wird diese Welt sogar immer größer. Jetzt, zum Christfest, hat sie wieder Weihnachtskarten gestaltet. Es sind viele, denn Helga hat zu vielen Personen ein freundschaftliches Verhältnis und will allen eine Freude bereiten. Das freut Reinhard Wohlgenannt sehr. Die heitere alte Frau ist ihm wie auch die anderen Bewohner des Hauses ans Herz gewachsen. Besonders Helga ist eine, die immer gut drauf ist und die Gemeinschaft belebt. „Es gibt drei Arten von Kommunikationshilfsmitteln: elektronische Geräte, nichtelektronische Hilfsmittel und körpereigene Kommunikationsformen wie gebärdenunterstützte Sprache“, erklärt Wohlgenannt.

Erhöhte Lebensqualität

„Dass wir nun auch dank ‚Ma hilft‘ über Tablets mit den neuesten Programmen verfügen, erleichtert unsere Arbeit und erhöht vor allem die Lebensqualität jener, die diese nützen können“, beschreibt er die Qualität der elektronischen Kommunikationsgeräte. „Wir brauchen diese auch für die Beratung. Damit wir herausfinden können, wer was braucht. Nicht alle noch so guten Geräte sind für jeden das Richtige“, erklärt der Experte.

Zur allerneuesten Technologie zählt ein Gerät für Augensteuerung mit Sprachausgabe. Es ist für schwer behinderte Menschen. Der Nutzer fixiert ein Symbol. Dieses wird aktiviert und spricht aus, was der behinderte Mensch möchte. Das braucht Helga nicht. Ihre lachenden Augen versteht jeder auch ohne digitales Hilfsmittel. Sie ist ein zufriedener Mensch. VN-HK

„Diese Geräte gewährleisten ein Grundrecht: jenes auf Kommunikation.“