Weihnachten mal zwei

Vorarlberg / 24.12.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Weihnachtsstimmung gibt es auch im Jugendwohnen des SOS-Kinderdorfs. <span class="copyright">SOS-Kinderdorf</span>
Weihnachtsstimmung gibt es auch im Jugendwohnen des SOS-Kinderdorfs. SOS-Kinderdorf

Im Jugendwohnen des SOS-Kinderdorfs kommt das Christkind für manche gleich doppelt.

Dornbirn Im Wohnzimmer steht ein bunt dekorierter Baum, auf einem Tisch aus Holzpaletten ein Adventkranz, und auf dem Sofa drum herum chillen Jugendliche in den Abend. Zu ihnen gehört auch Angelina. Im Februar kam sie in das Jugendwohnen des SOS-Kinderdorfs in Dornbirn. Für die 14-Jährige ist die Einrichtung zu einem zweiten Zuhause geworden. Weihnachten gibt es dort mitunter gleich zweimal. Für alle kommt das Christkind eine Woche vor Heiligabend, für andere, bei denen es möglich ist, dann noch einmal zu Hause.

Wenig Öffentlichkeit

Angelina wird das Fest bei ihrer Mutter verbringen. Sie freut sich darauf. Gleichermaßen begeistert berichtet das Mädchen auch von Weihnachten im Jugendwohnheim. „Die Betreuer schmücken den Baum und kochen gemeinsam für uns ein Festmenü“, erzählt Angelina. Geschenke gehören ebenfalls dazu. Doch zuerst wird gewichtelt. „Das ist immer ein besonderer Spaß“, sagt die Jugendliche. Danach folgt die Bescherung durch die sogenannten Primärbetreuer. Das sind spezielle Bezugspersonen, an die sich die jungen Leute jederzeit wenden können. Geldgeschenke sind jedoch nicht gestattet. Dafür sollen die Präsente nach Möglichkeit überraschen. Bei Angelina scheint Letzteres gelungen zu sein. Ihr legte das Christkind ein Fellkissen, einen Pyjama, eine Kette, Ohrringe und einen Radiowecker unter den Weihnachtsbaum. Sie strahlt bei der Aufzählung. „Es ist immer schön zu sehen, wie sich die Jugendlichen freuen“, sagt die pädagogische Leiterin des Jugendwohnens, Sabine Moosbrugger. Sie bedauert ein bisschen, dass die Jugendlichen aufgrund restriktiver rechtlicher Vorgaben kaum eine Öffentlichkeit haben. „Sie würden hin und wieder auch gerne zeigen, dass sie da sind und was sie können.“

Seit der Schließung des SOS-Kinderdorfs vor fünf Jahren stellt sich tatsächlich zuweilen die Frage, ob die Organisation im Land noch tätig ist. Sie ist. Derzeit werden 48 Jugendliche beiderlei Geschlechts rund um die Uhr in Wohngruppen und Kleinwohnungen betreut. Im Jugendwohnen und betreuten Außenwohnen sind 20 Mädchen und Burschen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren untergebracht. Mit der Volljährigkeit endet die Betreuung. „Bei Bedarf ist in Absprache mit der Kinder- und Jugendhilfe ein Aufenthalt bis 21 möglich“, erläutert Moosbrugger. Die Jugendlichen bleiben unterschiedlich lange. Die einen gehen zurück in die Herkunftsfamilie, andere machen den Schritt ins betreute Außenwohnen, für das zwei Trainingswohnungen zur Verfügung stehen.

Eine Lehrstelle als Ziel

Das SOS-Jugendwohnen unterstützt die Jugendlichen auf dem Weg in die Selbstständigkeit, bei der Alltagsbewältigung, bei der beruflichen und sozialen Integration sowie bei der Entwicklung psychosozialer Kompetenzen. Dafür setzt sich tagtäglich ein multiprofessionelles Team ein. Wohin der Weg für Angelina führt, ist noch unklar. Ihr Ziel ist es, eine Lehrstelle zu finden, entweder im Einzelhandel oder als Kosmetikerin. Jetzt freut sich der Teenager aber erst einmal auf Weihnachten zu Hause. „Mit den Jugendlichen, die bei uns bleiben, werden wir einen schönen Abend verbringen“, ergänzt Sabine Moosbrugger.