Anna Drexel: Mit dem eigenen Unternehmen einen Traum erfüllt

Vorarlberg / 28.12.2019 • 19:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Trotz internationaler Ausrichtung geht es bei Drexels Arbeit in der Werkstatt traditionell zu. 

Schmuckdesignerin Anna Drexel hat „Equiv Jewelry“ auf die Beine gestellt.

dornbirn Goldschmiedin – das ist für Anna Drexel mehr Berufung als Beruf. Denn eine Karriere ohne Kreativität und künstlerischen Anspruch kam für die junge Dornbirnerin niemals infrage. Kein Wunder, dass sie sich mit ihrem Unternehmen „Equiv Jewelry“ einen lange gehegten Traum erfüllt hat. Erst vor Kurzem, im Herbst, lud die 30-Jährige zur großen Eröffnungsfeier ihres eigenen Geschäfts mitten in Dornbirn. Nun ist die Jungunternehmerin fast rund um die Uhr im Einsatz. Steht sie nicht gerade selbst am Verkaufstisch, feilt sie in der Werkstatt an neuen Schmuckstücken.

Sobald Drexel erzählt, merkt man, dass ihr ganzes Herzblut in „Equiv“ steckt. „Ich mag das Vielseitige“, schildert die 30-Jährige. „Da ist einerseits der Umgang mit Menschen, den ich sehr schätze. Und andererseits kann ich meine Kreativität voll ausleben.“ Dass Letzteres zu kurz kommt, ist nicht zu befürchten. „Ich habe so viele Ideen. Ich könnte sie in einem Jahr gar nicht alle umsetzen.“

„Equiv“ wie „Equilibrium“

In ihrem Geschäft bemüht sich die Goldschmiedin um eine große Bandbreite: Neben besonderen und kreativen Arbeiten sollen auch die Klassiker nicht zu kurz kommen. Deshalb gibt es nicht nur Drexels eigenen Schmuck, sondern ausgewählte Produkte anderer Designer. Dabei ist der 30-Jährigen wichtig zu betonen: „Jedes einzelne Stück wurde von mir ausgesucht.“ Viele der Künstler kenne sie persönlich. Auf die Frage, wie sie denn ihren eigenen Stil beschreiben würde, kommt die Antwort sofort: „Es geht um Gleichgewicht.“ Das Streben nach Balance aus organischen Formen und geometrischen Mustern spiegle sich in jedem einzelnen Ring, in jeder Kette, jedem Armband wider. Daher kommt auch der Name: „Equiv“ leitet sich von den englischen Worten „Equilibrium“ und „live“ ab. Drexel zufolge soll es bedeuten: „Lebe dein Gleichgewicht.“

Ihren Stil hat die Designerin mit den Jahren immer weiter verfeinert und perfektioniert. Gefunden hat sie ihn in ihren Ausbildungsjahren. Diese begannen in Wien, wo Drexel die Goldschmiede-Akademie besuchte. „Dort konnte ich die klassischen Grundlagen erlernen“, erzählt sie. „Ich wollte mich dann aber noch etwas mehr in die Kunst- und Designrichtung entwickeln.“ Für das Bachelorstudium ging es nach Florenz an die Alchimia Contemporary Jewellery School. Darauf aufbauend sollte ein weiteres Studium folgen. Es führte die Dornbirnerin noch weiter weg, nämlich über den Atlantik. An der State University of New York absolvierte Drexel einen Masterabschluss in Schmuckdesign. Fast wäre sie in New York geblieben. Dort hatte sie einen Job in Aussicht. Der Liebe wegen entschied sich die Schmuckdesignerin aber für die Rückkehr nach Vorarlberg. Ein Beschluss, den sie nie bereut hat. „Ich bin heimatverbunden“, sagt sie, „und sehe meine Erfahrung im Ausland als Chance, internationale Trends nach Dornbirn zu bringen.“

Altes Handwerk

Trotz weltoffener Ausrichtung geht es bei Drexels Arbeit traditionell zu. In der Werkstatt findet man eine Säge, kleine Nagelfeilen, Schmirgelpapier, ein Lötgerät, einen Hammer und einen Ringstock. „Die alten Basics“, wie die Goldschmiedin sagt. „Natürlich gibt es heutzutage viele Hilfsmittel, viele Maschinen, über die man auch froh ist. Aber der Kern der Goldschmiedekunst ist das alte Handwerk.“ Und das solle auch so bleiben, findet Drexel.

Was sie denn jungen kreativen Menschen mit auf den Weg geben würde, die sich, genauso wie sie, selbstständig machen wollen? „Mutig sein, sich etwas trauen“, meint die Dornbirnerin. „Gleichzeitig sollte man sich nicht blind hineinstürzen. Man muss sich informieren, eine Idee und ein Konzept herausarbeiten und einen Budgetplan erstellen.“ Mut trifft solide Grundlage. Gleichgewicht eben.