„Ich bin überzeugt, dass ich es kann“

Vorarlberg / 29.12.2019 • 18:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Das Thema Durchstich am See ist für mich tabu“: Evi Mair. VN/Stiplovsek
„Das Thema Durchstich am See ist für mich tabu“: Evi Mair. VN/Stiplovsek

Gebürtige Dornbirnerin setzt in Hard auf überparteilichen Konsens.

Hard In der Politik können sich Gegebenheiten über Nacht verändern. Davon weiß die bisherige Harder Vizegemeindechefin Eva Mair ein Lied zu singen. Nach dem abrupten Rücktritt von Harald Köhlmeier als Bürgermeister am 6. Dezember  2019 musste sie in die Rolle des Gemeindechefs schlüpfen. Die VN sprachen mit der dreifachen Mutter, die im März 2020 als Spitzenkandidatin der VP in die Bürgermeister-Direktwahl geht.

 

Frau Bürgermeister, Hand aufs Herz: waren Sie vom Rücktritt Harald Köhlmeiers überrascht oder hatten Sie ihn erwartet?

Mair Nein, das hatte niemand erwartet. Ich hatte zwar schon bemerkt, dass er ein wenig angeschlagen ist. Dass Harald aber diesen Schritt setzt, hätte ich nicht gedacht. Ich befand mich mit Freunden auf einem Kurzurlaub in Deutschland und wurde von Harald per Telefon über seinen Rückzug informiert.

 

War die plötzliche Amtsübernahme für Sie ein Sprung ins kalte Wasser und pflegen Sie täglich Kontakt mit Ihrem Vorgänger?

Mair Das was mehr als ein Sprung ins kalte Wasser, ich würde eher von einem Untertauchen sprechen. Ich habe zu keiner Zeit damit gerechnet, Bürgermeisterin zu werden. Jetzt macht es mir Spaß, jeden Tag ins Rathaus zu gehen und ich fühle mich gut in meiner neuen Rolle.

 

Bei der Volksabstimmung zum Durchstich am Seeufer haben mehr als 80 Prozent Nein gesagt. Ist das Thema damit endgültig im Papierkorb?

Mair Wenn Harder Bürger mit einer solchen Mehrheit gegen ein Vorhaben, das übrigens nicht beschlossen war, stimmen, dann ist das zu respektieren. Ich kann mir nicht vorstellen weiter am Durchstich festzuhalten. Der Durchstich ist ein Tabu. Was Uferplanung und Sanierung des Strandbades anbelangt, so wird sich neue Gemeindevertretung, wie immer die auch ausschauen mag, nach der Wahl im März 2020 damit befassen.

 

War das Abstimmungsergebnis aus Ihrer Sicht der Hauptgrund für den Abgang Harald Köhlmeiers?

Mair Dass Harald Köhlmeier persönlich verletzt war und manches nicht gut gelaufen ist, wird bei der Lektüre seines Rücktrittschreibens deutlich. Ausschlaggebend war das Abstimmungsergebnis meiner Meinung nach abernicht.

 

Provokant gefragt: Was hat Sie dazu motiviert, im Alter von 62 Jahren diese Funktion zu übernehmen?

Mair Natürlich ist das Alter ein Thema, keine Frage. Ich habe auch überlegt und mit meinem Mann Gespräche geführt. Würde er nicht hinter meiner Entscheidung stehen, hätte ich das Amt nie angenommen. Letztendlich waren es viele positive Rückmeldungen und die Überzeugung, dass ich es kann, ausschlaggebend. So gesehen habe ich mich selbst motiviert.

 

Wir würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Mair Ich kann gut zuhören, kann mich aber auch genauso gut durchsetzen. Ich pflege einen verbindenden und wertschätzenden Stil. Das heißt aber nicht, dass ich auch ein klares Nein sagen kann.

 

Wo unterscheiden Sie sich von Ihrem Vorgänger und was wird sich unter einer Bürgermeisterin Mair ändern?

Mair Mein Angebot an alle Fraktionen steht. Ich werde alles versuchen, um mit allen eine Gesprächsbasis auf Augenhöhe zu schaffen. Es geht um Hard, das muss allen bewusst sein, dann dafür sind auch alle gewählt worden. Darin sehe ich derzeit meine Hauptaufgabe bis März 2020.

 

Stichwort Gemeindewahl: Welches Wahlziel haben Sie sich gesetzt?

Mair Wir als Partei liegen derzeit bei 17 von 33 Mandaten und haben die Mehrheit. Wenn wir diesen Stand halten können und ich als Bürgermeisterin gewählt werde, bin ich zufrieden. Wobei: Wenn ich nicht Bürgermeisterin werden wollte, würde ich gar nicht antreten.

 

Wie lange gedenken Sie das Amt der Bürgermeisterin von Hard auszuüben?

Mair Ich denke die nächsten fünf Jahre ganz bestimmt. Ob dann definitiv Schluss ist, kann ich derzeit nicht sagen.

Zur Person

Eva Mair

Geboren 5. Februar 1957

Beruf Kaufmännische Angestellte

Familienstand verheiratet, drei erwachsene Kinder

Werdegang seit 2000 Gemeindevertreterin, 2005 Gemeinderätin und seit 2010 Vizebürgermeisterin

Hobbys Wandern und Laufen