„Dann heißt es nur noch abhauen“

Vorarlberg / 30.12.2019 • 19:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Da war die Welt auch für Lisa-Maria Mohr noch in Ordnung.
Da war die Welt auch für Lisa-Maria Mohr noch in Ordnung.

Lisa-Maria Mohr aus Wolfurt erlebt Buschbrände in Australien hautnah mit.

wolfurt, Sydney Weihnachten feierte die Familie noch unbeschwert in ihrem Farmhaus in der Nähe des Küstenstädtchens Merimbola. Nur wenige Tage später musste sie mit Sack und Pack vor den Flammen fliehen. Die seit Oktober im australischen Bundesstaat New South Wales wütenden Buschfeuer hatten sich über Hunderte von Kilometern bis nahe an Merimbola durchgefressen. Augenzeugin des dramatischen Geschehens wurde Lisa-Maria Mohr. Die 29-jährige Wolfurterin ist seit Anfang Dezember in Australien. Sie wohnt bei der betroffenen Familie und erzählt geschockt: „Zuerst ist alles in Ordnung, dann muss plötzlich alles, was geht, innerhalb kürzester Zeit zusammengepackt werden, weil es rundherum zu brennen beginnt und es nur noch darum geht, schnellstmöglich abzuhauen.“ 

Außer Kontrolle

Schon seit September wüten in Australien verheerende Buschbrände, die sich trotz heroischem Kampf der Feuerwehren immer weiter ausbreiten. Allein in New South Wales lodern derzeit 85 Feuer, 40 von ihnen seien außer Kontrolle, sagte der regionale Feuerwehrchef am Sonntag. Tags zuvor hatte die Feuerwehr dort noch von 70 Bränden gesprochen, von denen 30 nicht kontrolliert würden. Mittlerweile haben die Flammen eine Landfläche von der Größe Belgiens zerstört. Fast 1000 Häuser sind in Rauch aufgegangen, neun Menschen kamen ums Leben.

Lange sah es so aus, als ob das Feuer den Landstrich nicht erreichen würde. „Noch sind wir sicher, das Feuer ist gut 200 Kilometer entfernt“, postete Lisa-Maria am 18. Dezember. Sie berichtete jedoch von einer „abartigen Wärme“ und heißem Wind. Drei Tage später übermittelte die Wolfurterin in Video nach Hause, das bereits von Norden einsickernde dicke Rauchschwaden zeigte, die sich über die ausgedörrten Felder legten. Bis Weihnachten hatte sich der Spuk allerdings wieder verzogen. Bewohner und Touristen gingen ihren Alltagsbeschäftigungen nach.

Notfall kam schnell

Am Sonntag waren die Brandherde dann nur noch zwölf Kilometer entfernt. „Die Feuerwehr ist in Alarmbereitschaft. Im Notfall wird man rechtzeitig evakuiert“, richtete Lisa-Maria Mohr ihrer Familie in Vorarlberg aus. Der Weg aus der Feuerfalle führt dann in Richtung Küste. Der Notfall kam schneller als erwartet. Gestern, Montag, stieg über den Bergen eine riesige Rauchsäule auf, die von einer nahenden Feuerwalze kündete. „Wir sind weg“, postete Lisa-Maria noch schnell vor dem Aufbruch. Mittlerweile hatte es auf dem Grundstück rund um das Farmhaus zu brennen begonnen. „Vermutlich ist alles zerstört“, schildert sie die schlimmen Ereignisse. Derzeit ist die Familie samt ihrem Gast aus Österreich bei Verwandten untergebracht. „Jetzt können wir nur abwarten“, beschreibt Lisa-Maria Mohr die aktuelle Situation. Zaghaft ergänzt die Weltenbummlerin: „Eine solche Erfahrung möchte ich nicht mehr machen.“

Auf der Südhalbkugel ist derzeit Sommer. Sengende Hitze droht den Kampf gegen die Buschbrände weiter zu erschweren. Vor allem dem Südosten Australiens stehen Tage mit extrem heißem Wetter bevor. Angesichts erwarteter Temperaturen von deutlich über 40 Grad im Umland von Sydney, der Hauptstadt von New South Wales, rechnen Meteorologen mit nochmals wachsender Brandgefahr. Ungeachtet dessen soll das traditionelle Silvesterfeuerwerk in Sydney durchgeführt werden. VN-MM

„Zuerst ist alles in Ordnung, dann plötzlich beginnt es rundherum zu brennen.“

Die Flammen vernichten alles, was ihnen in die Quere kommt. Die Feuerwehrleute stehen den Bränden fast machtlos gegenüber. ap
Die Flammen vernichten alles, was ihnen in die Quere kommt. Die Feuerwehrleute stehen den Bränden fast machtlos gegenüber. ap