Extinction Rebellion Vorarlberg: „Sind die kleine, radikalere Schwester von Fridays for Future“

Vorarlberg / 30.12.2019 • 12:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">ER</span>Extinction Rebellion will Bürger über Klimapolitik entscheiden lassen. Die erste Aktion der Vorarlberger Gruppe ging in Dornbirn über die Bühne.
ERExtinction Rebellion will Bürger über Klimapolitik entscheiden lassen. Die erste Aktion der Vorarlberger Gruppe ging in Dornbirn über die Bühne.

Seit Kurzem gibt es mit Extinction Rebellion eine weitere Klimabewegung in Vorarlberg.

Schwarzach Fridays for Future dürfte mittlerweile überall bekannt sein. In diesem Jahr brachte die Umweltschutzbewegung Tausende überwiegende junge Vorarlberger auf die Straße, um fürs Klima zu demonstrieren. Das gleiche Ziel verfolgt Extinction Rebellion (übersetzt so viel wie „Rebellion gegen das Aussterben“), nur eben auf eine radikalere Art und Weise. Seit Oktober gibt es eine Ortsgruppe auch in Vorarlberg: „Wir sind momentan zehn Mitglieder, die sich wöchentlich treffen und verschiedene Aktionen vorbereiten“, erklärt Nele Tschaikner. Die 18-jährige Dornbirnerin ist eines der Gründungsmitglieder der Vorarlberger Gruppe.

Gewaltfrei und kooperativ

Die Gruppierung, die 2015 in Großbritannien gegründet wurde, hat sich auf die Fahnen geschrieben, mit zivilem Ungehorsam auf den drohenden Klimakollaps und das Artensterben aufmerksam zu machen. „Viele bezeichnen Extinction Rebellion als die kleine, radikalere Schwester von Fridays for Future“, erklärt Tschaikner. „Unsere Aktionen sollen unangekündigt kommen und Menschen stören“, erklärt die 18-jährige Schülerin. Das heißt, dass in manchen Fällen bewusst Grenzen überschritten werden sollen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Extinction Rebellion machte in anderen europäischen Städten etwa mit spontanen Straßenblockaden, die den Verkehr teils über Stunden hinweg lähmten, von sich reden.

Nele Tschaikner engagiert sich bei Extinction Vorarlberg. VN/Sams

Mit den Aktionen wollen sie einerseits informieren, andererseits aber auch provozieren: „Das soll aber alles friedlich, kooperativ und gewaltfrei ablaufen“, betont die Schülerin des BORG Lauterach. Historisch berufen sich Extinction Rebellion ganz bewusst auf erfolgreiche soziale Bewegungen der vergangenen 100 Jahre, die von Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi, Rosa Parks oder Martin Luther King geprägt wurden.

Zuletzt sorgte die Bewegung allerdings für Kritik, als Gründer Roger Hallam in einem Interview relativierende Aussagen zum Holocaust tätigte: „Extinction Rebellion Austria distanziert sich klar von solchen Kommentaren“, betont die Schülerin.

Drei Forderungen

Das Symbol der Gruppe steht für das Artensterben: Ein Kreis, der den Planeten symbolisiert, im Inneren eine Sanduhr, die für den Wettlauf mit der Zeit steht. Wie jede Ortsgruppe hält Extinction Rebellion Vorarlberg an den allgemeinen drei Forderungen der Bewegung fest: Mit „Sagt die Wahrheit!“ ist gemeint, dass der Klimanotstand ausgerufen werden und offen über die aktuelle Lage diskutiert werden soll. Der Aufruf „Handelt jetzt!“ soll verdeutlichen, dass politische Entscheidungen keine negativen Auswirkungen mehr auf die Umwelt und das Klima haben sollen. „Gesetze sollen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen umgesetzt werden.“ Mit „Politik neu leben!“ fordert Extinction Rebellion eine Bürgerversammlung: „In Irland gibt es eine solche Versammlung bereits. Die Mehrheit der in einem solchem Gremium vertretenen Bürger sind keine Politiker, sondern werden per Los gezogen und sind repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung.“

Für Aufsehen sorgte Extinction Rebellion, als die Gruppe die Zürcher Limmat grün einfärbten.<span class="copyright"> afp</span>
Für Aufsehen sorgte Extinction Rebellion, als die Gruppe die Zürcher Limmat grün einfärbten. afp

Ein Café fürs Klima

Die erste Aktion, die kürzlich in der Dornbirner Innenstadt über die Bühne ging, war für die Umweltbewegung ein Erfolg, sagt Tschaikner. Aktivisten legten sich in der Dornbirner Innenstadt wie tot zu Boden und symbolisierten damit Klimatote, die an den Folgen der Klimakrise gestorben sind und sterben werden. „Wir kamen mit vielen Menschen in Kontakt und konnten Außenstehende aller gesellschaftlichen Schichten auf uns aufmerksam machen.“

Wie weitere Aktionen aussehen sollen, will Nele Tschaikner nicht verraten. Das sei Teil des Konzepts: „Wir wollen weiterwachsen“, wünscht sich Tschaikner. Ein Ziel steht aber schon fest: „Im kommenden Jahr soll ein Extinction-Rebellion-Café gegründet werden, in dem Menschen über den Klimawandel diskutieren können.“