Früchtchen dealt vor den Augen der Polizei

Vorarlberg / 30.12.2019 • 22:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der 15-jährige Angeklagte mit Verteidiger Rechtsanwalt German Bertsch vor Richterin Sabrina Tagwercher. VN/gs
Der 15-jährige Angeklagte mit Verteidiger Rechtsanwalt German Bertsch vor Richterin Sabrina Tagwercher. VN/gs

Kaum verurteilt, ließ sich Jugendlicher schon wieder erwischen.

Feldkirch Äußerlich erscheint der kleinwüchsige 15-Jährige noch wie ein zartes Kind, doch polizeilich und vor Gericht gilt er bereits als ein recht „schwerer Junge.“ Die vorletzte Verurteilung im November, die schon dritte in seinem jungen Leben, ging mit einer noch bedingten Haftstrafe von fünf Monaten zu seinen Gunsten aus. Diebstähle, Nötigung, Drohung und Suchtgiftmissbrauch lauteten die angeklagten Delikte. Im Railjet hatte der Knirps zudem noch eine Zugbegleiterin geohrfeigt. „Bei der nächsten Kleinigkeit Haft!“ nahm ihn Richter Richard Gschwentner damals eindringlich ins Gebet. Der Junge gelobte mit kindlicher Betroffenheit Reumütigkeit und Besserung.

Treffen am Hotspot

Nur zwei Tage später am Hotspot Bahnhof Dornbirn: Der Jugendliche trifft sich mit einem Bekannten im Foyer. Irgendetwas wird ausgetauscht. Ein Stadtpolizist in Zivil schöpft Verdacht und geht auf die beiden zu. Und was macht der 15-Jährige? Er ergreift die Flucht und schmeißt dabei hastig ein Nylonpäckchen auf den Bahnsteig. Inhalt: Eine Aluminiumfolie, Marihuana und ein zusammengefalteter Zehn-Euro-Schein. Der Ofen ist aus. Für den Jugendlichen heißt die nächste Station nach dem Bahnhof Dornbirn Justizanstalt Feldkirch.

Bei seiner neuerlichen Verhandlung am Landesgericht Feldkirch erscheint der Angeklagte nicht mit seiner Mutter im Saal. Sondern in Begleitung von zwei Justizwachebeamten, direkt aus der Untersuchungshaft. „Extremer geht’s nicht“ spricht ihn Richterin Sabrina Tagwercher auf seine äußerst rasche Rückfälligkeit an. Und will wissen, warum. „Es war ein unüberlegter Fehler“, antwortet der 15-Jährige.

„Da läuft jetzt was“

Doch er ist nur teilgeständig. Er habe seinem Bekannten damals am Bahnhof nur eine Zwei-Euro-Münze für ein Getränk übergeben wollen. Zudem sei er von Letzterem noch darauf aufmerksam gemacht worden, dass Zivilpolizisten im Gelände seien. Doch einer der Beamten sagt als Zeuge: „Ich kannte ihn und habe ihn beobachtet. Ich fragte mich, warum er immer wieder die Hand in seiner Jackentasche hatte und dachte mir, okay, da läuft jetzt was.“

Bewährungshelfer Reinhard Ladenhauf glaubt aber daran, dass die Zukunft seines Klienten noch gerettet werden kann. „Er ist kein klassischer Drogenkonsument, ich empfehle ein Gutachten.“ Der 15-Jährige wird des unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften für schuldig befunden und zu drei Monaten Haft verurteilt.

Eine alte, bedingt ausgesprochene Gefängnisstrafe von fünf Monaten wird widerrufen, insgesamt also rechnen sich acht Monate Freiheitsstrafe zusammen. Aber man einigt sich darauf, dass eine Therapie statt Gefängnis infrage kommen könnte. Ein psychiatrisches Gutachten soll das jetzt einschätzen. Der Verurteilte ist – natürlich – dafür und gelobt einmal mehr: „Mich werden Sie nie mehr vor Gericht sehen . . .“ VN-GS