Heuer schaffe ich das ganz bestimmt

Vorarlberg / 30.12.2019 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Es gibt Leute, die halten nichts von Neujahrsvorsätzen, und bitte, das ist völlig in Ordnung. Die Idee hat eine zwingende Logik: Man will verhindern, dass man sich am Anfang des Jahres zu viel und zu Großes vornimmt und sich am Ende wie ein jämmerliches Schwammerl fühlt, weil man es nicht geschafft hat. Trotzdem: Mir gefällt die Idee, einen Tag im Jahr als Zäsur zu bestimmen, an dem verabschiedet und frisch begonnen wird, das Glas ausgewaschen, poliert und prickelnd neu angefüllt. Also. Frisch an die Vorsätze, mit dem Über-Plan, sich nicht zu zerfleischen, wenn nicht. Und sich zu freuen, falls doch. Und sich diesmal wenigstens nicht etwas Extra-Deppertes neu anzugewöhnen, dass man dann mühevoll wieder loswerden muss, wie es die Autorin 2019 mit dem Rauchen tat. Schön blöd. Immerhin hab ich‘s ein paar Wochen vor dem Jahreswechsel geschafft, wieder damit aufzuhören und kann das neue Jahr somit mit nagelneuen Vorsätzen beginnen.

Los geht‘s mit dem einen, den ich heuer wohl mit vielen teile: weniger fliegen, wenn möglich gar nicht, überhaupt umweltbewusster leben.

Mehr an die frische Luft, wieder öfter die empfohlenen täglichen 10.000 Schritte anpeilen.

Weniger Brot essen. Schwierig, wenn man einige Monate einen herrlichen Sauerteig füttert. Nein sagen zur ersten Scheibe von einem frischgebackenen, noch zart warmen Brotleib, der innen ganz fluffig und saftig und außen perfekt knusprig ist: Das wird schwer. Na gut, das wird scheitern. Aber den Rest verfüttere ich an die Familie, fix.

Keine Sessel mehr kaufen. Ich weiß nicht, wieviele Stühle ein durchschnittlicher Mensch besitzt, ich besitze mehr. Es gibt auf der Welt so viele schöne, alte Sesseln, um kein Geld, darunter viele fabelhafte Spaghetti-Stühle, solche, wie sie meine Oma selig im Garten stehen hatte, und wenn man einmal anfängt, alte Spaghetti-Stühle für den Garten zu sammeln, vermehren sie sich wie die Hasen. Man bekommt sie geschenkt, der nette Flohmarkt-Händler Ort findet auch überall welche, und man hat ja im Sommer viele Gäste, da braucht man Sitzgelegenheiten. Ich besitze also um die 35 bunte Spaghetti-Stühle, wovon allerdings etwa 20 als zerfetzte Gerüste oben auf dem Tenn darauf warten, dass ich sie endlich neu bespanne, woraus spontan ein neuer Vorsatz fürs neue Jahr erwächst. Endlich diese Sessel herrichten! Und unter keinen Umständen weitere Stühle kaufen!! Auch nicht die wunderschönen, total günstigen honigbraunen Lederschwingsessel auf Will… NEIN.

Dann noch: Weniger böse Schmähs machen. Netter zu den Mitmenschen sein. Viel mehr jassen. Und auf keinen Fall wieder mit dem Rauchen anfangen, hardigatti. Allen ein prächtiges neues Jahr!

„Ich weiß nicht, wieviele Stühle ein durchschnittlicher Mensch besitzt, ich besitze mehr.“

Doris Knecht

doris.knecht@vn.at

Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.