Lukas, der Superheld

Vorarlberg / 31.12.2019 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Lukas Bilgeri mit seiner Mutter Brigitte und seiner Schwester Julia. Hund Peggy ist der Liebling der Kinder.

Hinter Lukas Bilgeri (15) liegt ein langer Leidensweg. Heute schmiedet der Teenager aus Doren Pläne für die Zukunft.

Doren Superhelden wie Spider-Man, Thor oder Iron Man haben es Lukas Bilgeri (15) angetan. Vielleicht liegt das daran, dass er selbst einer ist: ein Superheld. Seine Mutter Brigitte (45) jedenfalls sieht ihn als solchen an. Denn: „Ich hätte schon längst aufgegeben, wenn ich das erleiden hätte müssen, was mein Sohn erleiden musste.“ Aber selbst Superhelden haben schon ans Aufgeben gedacht. „Lukas sagte ein paar Mal zum mir: ,Mama, jetzt reichts. Ich will nicht mehr. Ich will sterben.“

Sein Schicksal bewegte ganz Vorarlberg. Unzählige Menschen, Einrichtungen und Vereine unterstützten Lukas und seine Familie und halfen ihnen dabei, den Mut nicht zu verlieren. Als Lukas ein Jahr alt war, entdeckte man, dass er an Blutarmut (Anämie) litt. Sein Körper produzierte nicht genügend rote Blutkörperchen. Diese haben eine lebenswichtige Funktion. Sie transportieren Sauerstoff in jeden Winkel des Körpers. Deshalb musste das Bübchen aus Doren alle drei Wochen im Spital eine Bluttransfusion über sich ergehen lassen. Die Prozedur, bei der das Kind ruhig im Bett liegen musste, dauerte mehrere Stunden.

Suche war lange ohne Erfolg

Eine Lösung war diese Therapie langfristig nicht. Um zu überleben und geheilt zu werden, benötigte Lukas gesunde Stammzellen. Die Suche nach einem geeigneten Stammzellenspender nahm im Jahr 2007 ihren Anfang. Damals war Lukas drei Jahre alt. In den nachfolgenden Jahren ließen sich Tausende für ihn typisieren in der Hoffnung, ihm mit ihren gesunden Stammzellen helfen zu können. Die Suche nach einem passenden Spender glich der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Denn: Nur einer von einer halben Million Menschen kam als Spender infrage. Der Verein „Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich“ führte in Vorarlberg mehrere Blutspende-Aktionen zur Knochenmark-Typisierung durch, leider ohne Erfolg für Lukas.

Lukas spielt mit großer Begeisterung Tischfußball. <span class="copyright">VN/Roland Paulitsch (2)  </span>
Lukas spielt mit großer Begeisterung Tischfußball. VN/Roland Paulitsch (2)

Je älter der Bub wurde, umso mehr ging es mit ihm gesundheitlich abwärts. Die vielen Bluttransfusionen hatten seine Organe geschwächt beziehungsweise geschädigt. Lukas wurde zuckerkrank. „Er muss vor jeder Mahlzeit Insulin spritzen“, berichtet seine Mutter. 2015 war ein Katastrophenjahr für Lukas und seine Familie. Nicht nur, dass bei ihm Diabetes festgestellt wurde. Plötzlich drohte auch sein Herz zu versagen. „Es arbeitete nicht mehr richtig. Bei einer Not-OP in Innsbruck wurde ihm ein künstliches Herz implantiert.“ Zu diesem Zeitpunkt wussten die Bilgeris noch nicht, dass das Jahr 2017 abermals gesundheitliche Rückschläge für Lukas mit sich bringen würde. „2017 musste man unserem Sohn das künstliche Herz entfernen, weil es zu wenig zu tun hatte. Während der OP erlitt Lukas eine Hirnblutung“, erzählt seine Mutter mit tief bewegter Stimme. Der Bub überlebte knapp und mit Folgeschäden: Seine linke Körperhälfte war gelähmt. In der Reha lernte Lukas wieder laufen. „Er war sehr zornig und sagte zu mir: ,Mama, ich will nicht mehr leben.“ Brigitte tröstete ihn: „Schatz, jetzt haben wir schon so viel überstanden, jetzt schaffen wir das auch noch.“ Lukas kämpfte wie ein Superheld – und gewann. Heute kann er wieder Fußball spielen. „Das ist meine ganz große Leidenschaft“, sagt der tapfere Bub, während er im Garten mit dem Ball herumtrickst.

„Ich möchte Schauspieler werden und einmal einen Helden spielen.“

Lukas Bilgeri, Transplantierter

Dass er wieder bei Kräften und so beweglich ist, liegt aber nicht nur an seinem Kampfgeist und Durchhaltevermögen. Im Vorjahr unterzog er sich in München einer Knochenmarktransplantation, nachdem in der weltweiten Datenbank endlich ein genetischer Zwilling entdeckt worden war. Dass für Lukas doch noch ein Stammzellenspender gefunden werden konnte, ist nicht zuletzt auch dem Engagement von Russ-Preis-Trägerin Susanne Marosch zu verdanken. Die Obfrau des Vereins „Geben für Leben“ hatte die Knochenmarkspende Bayern in München um Hilfe gebeten, deren Aktionen dann schließlich zum Erfolg führten. Brigitte beobachtet ihren Sohn vom Wohnzimmerfenster aus. Sie wünscht sich für ihr Kind nur eines: dass die Zukunft besser wird als die Vergangenheit. Auch Lukas hofft auf eine schöne Zukunft. Der Teenager hat zwei große Träume. „Ich möchte einmal so viel Geld verdienen, dass ich mir einen Sportwagen leisten kann.“ Dem Autofreak würde es gefallen, wenn er einmal in einem Bugatti- oder Mercedes-Coupé mitfahren könnte. Außerdem träumt der 15-Jährige davon, Schauspieler zu werden. Dann würde er auch einmal einen Helden spielen wollen, einen Superhelden, versteht sich.