Auch Bischof Benno ist auf Hashems Seite

Vorarlberg / 02.01.2020 • 18:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Initiatoren der Sonntagsdemo machen sich für den Iraner Hashem Arefi stark. VN/Stiplovsek
Die Initiatoren der Sonntagsdemo machen sich für den Iraner Hashem Arefi stark. VN/Stiplovsek

33-jähriger Iraner soll abgeschoben werden. Seine Vorarlberger Freunde nehmen das nicht hin.

Feldkirch Hashem Arefi ist nicht allein. Zumindest nicht in Kopf und Herz. Während er seit einem Monat im Erstaufnahmezentrum Thalham (OÖ) sitzt, bewegt sich sein Gemütszustand zwischen Hoffnung und Verzweiflung. „Ich muss Tabletten nehmen, damit ich das aushalte“, berichtet er in einem Telefonat mit den VN. Sein Antrag auf Asyl wurde vom Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) schon mehrfach abgelehnt. Laut seiner Einschätzung und jener seiner zahlreichen Freunde in Vorarlberg droht Hashem im Iran der Tod. Grund: Er hat sich vom Islam abgewendet und ist jetzt Christ. Für kommenden Sonntag ist um 10.15 Uhr auf dem Kirchplatz in Feldkirch-Tisis eine Solidaritätskundgebung für den Asylwerber geplant.

Flucht 2015

Hashem floh 2015 aus seiner iranischen Heimat nach Österreich. Er habe sich bereits im Iran vom Islam abgewendet und eine Bibelrunde besucht. Nachdem er von der Polizei bedroht wurde, entschloss sich Hashem Arefi zur Flucht.

In Feldkirch suchte der 33-Jährige bald wieder Kontakt zum Christentum. Er wurde getauft und später dann von Bischof Benno Elbs auch katholisch gefirmt. Er nahm aktiv am Leben der Pfarrgemeinde Feldkirch-Tisis teil, gestaltete Messfeiern musikalisch mit und gilt als sozial gut integriert. „Hashem hat in unserem Verein ‚Spiel-Sport-Integration‘ regelmäßig Volleyball und Fußball gespielt, wir haben zusammen gekocht, er hat für seine Integration wirklich alles getan“, beschreibt Raphael Feistenauer (26) jenen Mann, der schon längst zu seinem Freund wurde. Den er nun auch im Aufnahmezentrum Thalham in Oberösterreich regelmäßig besucht. „Die Atmosphäre dort ist wirklich beklemmend. Es sind dort auf engem Raum lauter Menschen untergebracht, die Angst haben, jederzeit abgeschoben zu werden.“

Jobzusage

Was Hashems zahlreiche Unterstützer in Vorarlberg massiv stört: Ihm wird eine Scheinkonversion unterstellt. Und das obwohl hohe Kirchenvertreter genau das Gegenteil bezeugen. Zu diesen zählt auch Bischof Benno Elbs. Nicht nachvollziehbar sind für den Asylwerber und seine Freunde auch die Erwähnung einer Heiratsurkunde durch das BFA. „Hashem ist nicht verheiratet“, beteuern seine Freunde.

Der Iraner verfügt zudem über eine Jobzusage von einem Bregenzer Unternehmen. „Ich bin gelernter Automechaniker. Ich bin handwerklich allgemein geschickt und kann auch andere Dinge“, verweist Hashem auf seine Fähigkeiten.

Nicht weniger als 30 Empfehlungsschreiben hat der 33-jährige mittlerweile in seinem Besitz. Vor abschlägigen Asylbescheiden konnten sie ihn nicht bewahren.

Was sich Hashem in Österreich zuschulden hat kommen lassen? „Er war einen Monat illegal im Land und hat sich wegen Schwarzarbeit selbst angezeigt“, sagt Raphael Feistenauer.

Leben in Angst

„Ich habe große Angst und versuche dennoch, ruhig zu bleiben“, beschreibt Hashem seinen Gemütszustand. Der Kontakt mit seiner Heimat beschränkt sich auf seine Schwester. „Meine Familie im Iran steht unter Druck. Sie sollte nicht mit mir in Verbindung treten.“

Dass ihn die Vertreter der Sonntagsdemos und andere Menschen in Vorarlberg unterstützen, gibt Hashem Kraft. Am Sonntag werden sie das auf dem Kirchplatz in Tisis für ihn und einen anderen Asylwerber gut sicht- und hörbar tun.

„Ich habe große Angst.Trotzdem versuche ich, so gut es geht ruhig zu bleiben.“