Ein Pfarrer mit Ecken und Kanten

Vorarlberg / 03.01.2020 • 16:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Pfarrer Eberhard Amann sah sich als Rufer in der Wüste.
Pfarrer Eberhard Amann sah sich als Rufer in der Wüste.

Pfarrer i. R. Eberhard Amann von St. Gallenkirch verstarb im 90. Lebensjahr.

ST. GALLENKIRCH Am 23. Dezember 2019 verstarb Pfarrer Eberhard Amann nach einem langen und segensreichen Wirken als Priester. Er war Ehrenringträger der Gemeinde St. Gallenkirch.

Eberhard Amann, der „Alpen-Don-Camillo“, wie ihn die Fernsehjournalistin Vera Russwurm bezeichnete, wurde am 9. April 1930 in Hohenems geboren und studierte in Innsbruck und in Löwen in Belgien Theologie. 1955 wurde er von Bischof Paulus Rusch zum Priester geweiht. Sein Primizspruch lautete „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! (Markus 1, 15)“. Nach seiner Kaplanzeit in Bludenz Hl. Kreuz folgte er dort Prälat Adolf Ammann als Stadtpfarrer und Dekan nach. Anschließend verbrachte er ein Sabbatjahr in Jerusalem, das ihn sein Leben lang prägte. Danach wurde er Pfarrer in Meiningen und kam von dort 1989 nach St. Gallenkirch, Gortipohl und Gargellen.

Pfarrer Eberhard Amann war eine einzigartige Persönlichkeit, getragen von einem starken christlich-politischen Engagement, einer tiefen Sorge um die Kinder, die Kranken und Alten sowie einer großen Liebe zu den Tieren. Für die Pfarrgemeinden des Innermontafons drückte das Pfarrer Lukas Bonner als sein Nachfolger in seiner Traueransprache so aus: „Eberhard hatte keine Scheu vor den Menschen, er war ein Hirt, ohne Angst vor den Schafen.“ Und weiter: „Pfarrer Eberhard war Priester aus Berufung, er war Priester aus Leidenschaft und er war ein Priester, der nicht danach fragte, wann nun endlich Feierabend ist oder der nächste Urlaub ansteht. Er war Priester auf ewig. Er war Rebell und Jünger zugleich.“

Eberhard Amann war aber auch ein Mann mit Ecken und Kanten. Trotzdem wusste jeder, woran man bei ihm war. Er war nicht nachtragend und hat verziehen, wo andere ihm – vielleicht bis heute – Dinge nachtragen. Er sah sich als Rufer in der Wüste, als einer, dem die Wahrheit ganz wichtig war und der für Christus den Weg bereitet hat. Auch wenn seine Leserbriefe in den VN manchmal von einigen belächelt wurden, er hat sich nicht gescheut, zu den heißen Themen Stellung zu beziehen. Eberhard Amann war sicher etwas wie ein Zeigefinger, eine Art moderner Prophet, der aufzeigen wollte, dass es so eben nicht geht.

Pfarrer Lukas Bonner wies auch darauf hin, dass immer wieder gesagt wurde, an Eberhard Amann sei ein Politiker verloren gegangen und er fuhr fort: „Die Politik war sicher auch eine seiner großen Leidenschaften. Nicht nur, dass er selbst politisch aktiv war, damals bei den Grünen der ersten Stunde oder später bei den Christen. Er hat sich auch täglich über die politischen Ereignisse auf Welt-, Landes-, Orts- und Kirchenebene informiert. Und er hat es sich auch nicht nehmen lassen, seine Meinung dazu zu äußern.“ Dabei war er ein durchaus streitbarer Verfechter seiner Überzeugungen, mit dem man bei allem Respekt durchaus kontrovers und unterhaltsam diskutieren konnte.

„Ich bin halt eben ein Amann, ich kann nicht anders“ – mit diesem Ausspruch versuchte Eberhard Amann so manche seiner Worte und Taten zu legitimieren. Schon in der Wiege soll er ein unruhiger Geist gewesen sein, behauptete er. „Sein unruhiger Geist aber brachte Zeit seines Lebens eine Umtriebigkeit mit sich, eine Lebendigkeit und einen Arbeitseifer, denen wir heute Respekt und Dank zu zollen haben“, so Pfarrer Bonner. Eberhard Amann war ein Vorbild gelebter Solidarität mit den Armen und Ausgegrenzten am Rand der Gesellschaft, denen er sich zeitlebens verpflichtet fühlte. Ein Seelsorger mit Leib und Seele.

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