Kopftuch und Kopfzerbrechen

Vorarlberg / 03.01.2020 • 18:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mädchen bis 14 soll künftig das Tragen eines Kopftuches an den österreichischen Schulen verboten werden. apa
Mädchen bis 14 soll künftig das Tragen eines Kopftuches an den österreichischen Schulen verboten werden. apa

Angekündigtes Kopftuchverbot für Schulmädchen bis 14 wird schon jetzt heiß diskutiert.

Schwarzach Bald schon soll es kommen, das Kopftuchverbot für Mädchen bis 14 an österreichischen Schulen. Ging die Verbannung der religiös geprägten Kopfbedeckung an Kindergärten und Volksschulen noch relativ problemlos über die Bühne, so sorgt die Ausweitung des einschlägigen Gesetzes bereits im Vorfeld für rege Diskussionen. „Ich befürchte eine größere Auseinandersetzung, wenn es dann an die Umsetzung geht“, erwartet die Vorarlberger Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP, 58) eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Schöbi-Fink versteht zwar das Anliegen des Gesetzgebers, sieht aber auch die Probleme. „Ich finde es gut, wenn Buben und Mädchen die gleichen Chancen haben sollen und verstehe auch den Gedanken hinter dem Gesetzesvorhaben, wonach Religionsmündigkeit bis 14 nicht gegeben ist.“

Probleme könne es womöglich mit den Sanktionen für jene geben, die sich nicht an die Vorschriften halten. „Bei den wenigen Verstößen im Kindergarten- und Volksschulbereich kamen wir bisher noch ohne Sanktionen aus. Da genügten Gespräche. In der Mittelsstufe wird das wohl schwieriger.“

Andere Probleme

Bernhard Posch (57), Direktor an der Mittelschule Bregenz Stadt, die einen hohen Anteil an Schülern mit migrantischem Hintergrund aufweist, sieht nicht das Kopftuch als Problem in seiner Schule an. „Da bereitet mir das Fehlen von Schülern bei Sport- und Wienwochen oder beim Schwimmunterricht aus religiösen Gründen schon mehr Sorgen. Diese Dinge sollte man angehen.“ An seiner Schule seien derzeit nur sechs Kopftuchträgerinnen. „Ich bemerke zudem eine wachsende Ablehnung des Kopftuches von speziell jungen moslemischen Mädchen.“

„Symbol der Unterdrückung“

Hinter der geplanten Maßnahme der künftigen Bundesregierung steht Lehrervertreter Andreas Hammerer (53). „Es geht hier um den Schutz von Rechten junger Mädchen. Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdrückung von Mädchen und jungen Frauen. Man will nicht, dass sich diese Symbole ausbreiten und den politischen Islam stärker machen“, hat Hammerer eine klare Meinung. Ein großes Problem durch das Kopftuch sieht er in den Schulen derzeit jedoch nicht.

Bei der islamischen Schulaufsicht Vorarlbergs gab man sich auf VN-Anfrage bedeckt. „Ich möchte erst noch den Gesetzestext genau durchlesen und mich mit den juristischen Vertretern der Islamischen Glaubensgemeinschaft absprechen“, meinte Abi Tasdögen, Inspektor der Vorarlberger Religionslehrer. Er könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen, was da auf die Schulen zukomme, und wolle sich seriös mit dem Thema auseinandersetzen.

Mädchen in der Zwickmühle?

Im Gegensatz dazu findet Cemile Sarar, Muslima und Mitglied der Vorarlberger Pflichtschulelternvertretung, deutliche Worte. „Man kann doch nicht ein Verbot gegen ein bestimmtes Aussehen verhängen.“ Ein Kopftuch als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Religion auch in der Schule zu tragen, ist aus ihrer Sicht legitim.

Keine gute Idee findet auch der Sprecher des Pflichtschulelternverbands, Michael Tagger (56), das angekündigte Gesetz. „Das Kopftuch ist ein marginales Problem, das Kopftuchverbot ein unnützes Vorhaben.“ Tagger glaubt, dass moslemische Mädchen in ein Dilemma getrieben werden. „In der Schule dürfen sie kein Kopftuch tragen, zu Hause sollten sie es. Das bringt die Mädchen in eine Zwickmühle.“ Das Verbot des Kopftuches in der Schule sei genauso ein Zwang, wie womöglich der Zwang zu Hause eines tragen zu müssen. „Wir sollten Zwänge beseitigen.“ Dass ein Kopftuchverbot in der Schule dem Miteinander wirklich schadet, glaubt Tagger dennoch nicht.

„Ich bemerke eine wachsende Ablehnung des Kopftuches von jungen Mädchen.“