Modell mit Ablaufdatum

Vorarlberg / 03.01.2020 • 21:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ärztinnen und Ärzte, die Job-Sharing betreiben, berichten von guten Erfahrungen, die allen Beteiligten zum Wohl gereichen. apa
Ärztinnen und Ärzte, die Job-Sharing betreiben, berichten von guten Erfahrungen, die allen Beteiligten zum Wohl gereichen. apa

Einfache Variante des Job-Sharings läuft aus. Ärztekammer um Lösung bemüht.

nenzing, schlins Achim Schneeberger ist Hautfacharzt in Nenzing, Iris Jäger als Allgemeinmedizinerin in Schlins tätig. Trotz unterschiedlicher Disziplinen gibt es eine Gemeinsamkeit: Beide praktizieren das Job-Sharing. Schneeberger war 2013 der erste im Land, der die neugeschaffene Möglichkeit nützte, Jäger teilt sich den Kassenvertrag seit 2014 mit ihrer Freundin Kathrin Berchtold-Auer. Beide Mediziner berichten von guten Erfahrungen. Das von ihnen gewählte Modell hat nur einen Haken, es läuft nach acht Jahren aus. Für Achim Schneeberger wäre 2021 Schluss mit Job-Sharing, für Iris Jäger ein Jahr später. „Ich würde mir wünschen, dass diese Form der Kooperation von Ärzten weiterlaufen kann, denn es bietet Vorteile für alle Beteiligten“, sagt Schneeberger. Jäger, die derzeit in Karenz ist, sieht es ähnlich. „Es wird eine Lösung geben“, zeigt sich die zweifache Mutter überzeugt. An einer Fortsetzung sind auch Ärztekammer und ÖGK-Landesstelle interessiert.

Verschiedene Varianten

Derzeit gibt es 25 Praxen im Land, die mit Job-Sharing arbeiten. Der Großteil hat sich für das Modell entschieden, bei dem ein Kassenvertrag mit einem frei wählbaren Partner vorübergehend geteilt wird. Diese Teilung ist mit acht Jahren befristet. Es gibt aber auch die Möglichkeit einer dauerhaften Vertragsteilung. Sie bleibt so lange bestehen, bis die Vertragspartner von sich aus beschließen, das Job-Sharing zu beenden. „Hier gibt es die 8-Jahre-Regel nicht, allerdings kann der Partner nicht selbst ausgewählt werden“ erklärt Kammeramtsdirektor Jürgen Heinzle. Die Besetzung erfolgt über eine Ausschreibung, und letztlich entscheiden die Reihungsrichtlinien für Kassenverträge, wer mit wem zusammenarbeitet. Gleiches gilt, wenn sich zwei Ärzte gleichzeitig auf einen Einzelvertrag bewerben. Eine andere Variante stellt das erweiterte Job-Sharing dar. Dabei kann die Versorgungskapazität eines bestehenden Einzelvertrags um maximal 90 Prozent erweitert werden. Hier besteht ebenfalls die Möglichkeit, sich seinen Vertragspartner selbst auszuwählen, jedoch mit zeitlicher Einschränkung.

Auf Anpassung pochen

Dieses erweiterte Job-Sharing ist nur möglich, wenn eine Kassenarztstelle zweimal ohne Erfolg ausgeschrieben wurde oder ein Versorgungsengpass festgestellt wird. Danach gibt es zwei Optionen, die Kooperation zu verlängern: die Gründung einer Gruppenpraxis als GmbH oder OG sowie ein erweitertes Job-Sharing auf Basis einer dauerhaften Vertragsteilung. „Sollten dafür keine Bewerbungen eingehen, ist mit Zustimmung der Kasse und der Kammer eine Verlängerung der bestehenden vorübergehenden erweiterten Vertragsteilung oder eine neuerliche erweiterte vorübergehende Vertragsteilung mit Befristung möglich“, führt Heinzle aus. . Während also für die weniger genutzten Varianten bereits Nachfolgemöglichkeiten bestehen, gibt es für das „einfache“ Job-Sharing-Modell noch keine Lösung. „Die Ärztekammer strebt jedoch eine solche an“, versichert Jürgen Heinzle. Im Rahmen der Verhandlungen mit der ÖGK werde man zeitnah auf die Anpassung der bestehenden Vereinbarungen pochen.

Achim Schneeberger hofft auf eine positive Erledigung. „Es ist schön, neben der Patientenversorgung noch Zeit für andere Dinge zu haben und dabei zu wissen, dass die Patienten jederzeit beim Kollegen gut aufgehoben sind.“ Iris Jäger führte ihre Praxis fünf Jahre allein. Dann kam das erste Kind, und sie entschied sich für ein Job-Sharing. „Damit lässt sich die Arbeit flexibel aufteilen“, erzählt Jäger, die wieder in  Karenz ist. Die Vertretung hat ein junger Arzt übernommen. Später möchte Iris Jäger wieder voll in die Praxis einsteigen.

„Wir werden zeitnah auf die Anpassung der bestehenden Vereinbarungen pochen.“