Warum Frauen im Land weniger verdienen

Vorarlberg / 03.01.2020 • 18:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Kinderbetreuung wirft Frauen bei Einkommen und Karriere weit zurück.

SCHWARZACH Gleiche Arbeit, gleicher Lohn? Von wegen: Frauen verdienen weniger als Männer. Das ist bekannt. Spannend ist jedoch eine Auswertung, die die Statistik Austria auf Basis der Lohnsteuerstatistik 2018 für die VN durchgeführt hat: Sie zeigt, dass es hier extrem große Unterschiede nach dem Alter gibt. Und dass Frauen vor allem durch Kinderbetreuung wirklich weit zurückgeworfen werden.

Die Statistik weist die mittleren Jahresnettobezüge ganzjährig beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Vorarlberg aus. Bei bis zu 25-jährigen Frauen betragen sie um rund 15 Prozent weniger als bei Männern dieser Altersgruppe. Bei 26- bis 30-Jährigen sind es um knapp 19 und bei 31- bis 40-Jährigen gar um 44 Prozent weniger. Ja, hier fällt sogar auf, dass es zu einem Einkommensrückgang kommt: Während Männer mit zunehmendem Alter zumindest bis 50 immer mehr verdienen, gibt es bei Frauen ab 30 einen Einbruch, von dem sie sich nie mehr ganz erholen.

Traditionelles Familienbild

Konkret: Erreichen 26- bis 30-jährige Frauen einen Jahresnettobezug von 23.743 Euro, sind es bei 31- bis 40-Jährigen nur noch 18.148 Euro. Dieser Wert steigt in weiterer Folge zwar wieder an, kommt aber nicht einmal bei 56- bis 60-Jährigen über den Ausgangswert hinaus; im Gegenteil, mit 21.858 Euro bleibt er selbst bei ihnen deutlich darunter. Die Erklärung? Marian Fink vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO führt aus, was man sich denken kann: Mutter sein hat viele schöne Seiten, einkommensmäßig ist es jedoch ein Drama. „Wir haben ein sehr traditionelles Familienbild“, analysiert Fink im Gespräch mit den VN: „Nach der Geburt eines Kindes scheiden Frauen typischerweise zunächst aus dem Arbeitsmarkt aus.“ Im Schnitt sind sie dann um die 30 Jahre alt. Nach der Karenz können sie schließlich eher nur noch für eine Teilzeitbeschäftigung zurückkehren. Zu einer Vollzeitbeschäftigung retour geht’s laut Fink allenfalls erst ab dem Schul­alter des jüngsten Kindes.

In Vorarlberg und Tirol sei die Lohnschere zum Nachteil der Frauen größer als in den übrigen Bundesländern. Grund: „Hier sind die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen schlechter mit einer Vollzeiterwerbstätigkeit beider Eltern vereinbar als etwa in Wien. Weniger als vier von zehn Kindertagesheimen haben mindestens neun Stunden täglich geöffnet“, so Fink. „Das führt dazu, dass die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten der Frauen, die zumeist die unbezahlte Betreuungsarbeit übernehmen, begrenzt sind.“

Typische Frauenberufe

Interessant an der Auswertung der Statistik Austria ist außerdem, dass es auch bei Vollzeitbeschäftigten einen Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt. Dieser ergibt sich zum einen jedoch auch aus der Kinderbetreuung; sie unterbricht Karrieren. Zum anderen weist Marian Fink auf eine Ursache hin, die gar nichts mit dem familiären Hintergrund zu tun hat: „Es gibt sehr typische Männer- und Frauenberufe. Und Frauen sind häufig in schlechter entlohnten Sparten und Berufen zu finden.“ Also etwa Verkäuferin, Volksschullehrerin oder Friseurin. JOH

„Nach der Geburt eines Kindes scheiden Frauen zunächst aus dem Arbeitsmarkt aus.“