Knochen brechen, Bänder reißen

Vorarlberg / 06.01.2020 • 19:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Endstation Krankenhaus. Für nicht wenige Wintersportler endet ein Skitag mit einer schweren Verletzung.  VN/Steurer
Endstation Krankenhaus. Für nicht wenige Wintersportler endet ein Skitag mit einer schweren Verletzung.  VN/Steurer

Der schneearme Winter fordert bei den Wintersportlern seine Opfer.

Dornbirn, Feldkirch, Bludenz „Es tut mir leid. Ich muss wieder an die Arbeit. Die Ambulanz ist knallvoll.“ Dr. Martin Handle hat nachvollziehbare Gründe, warum er als diensthabender Arzt auf der Unfallchirurgie am Landeskrankenhaus Feldkirch nicht viel Zeit für ein Gespräch über die Problematik von Wintersportverletzungen hat. Es ist ein Feiertag. Die heimischen Wintersportorte sind voll mit Skifahrern, Snowboardern, Rodlern und Spaziergängern. Eine Kurzinfo bringt der vielbeschäftigte Arzt dennoch an. „Ich kann Ihnen sagen: Wir haben es mit Verletzungen aller Art zu tun. Mit schweren Skiverletzungen ebenso wie mit Verletzungen nach Rodelunfällen. Die Kollegen und ich sind durchgehend beschäftigt.“

Am LKH Feldkirch landen vor allem jene, die es nicht mehr in eine Ambulanz schaffen. Sportler, die sich ganz schwer verletzen, womöglich lebensgefährlich, sind im bestens ausgestatteten Feldkircher Spital am besten aufgehoben.

Ärzte im Stress

Beste ärztliche Betreuung erfahren alle Patienten natürlich auch in den anderen Krankenhäusern des Landes. Das kann Dr. Dominik Anger (29), Ausbildungsarzt am LKH Bludenz, für seinen Arbeitsplatz mit ruhigem Gewissen bestätigen. Die Bludenzer werden an Wintertagen wie den vergangenen von Verletzten geradezu gestürmt. „Kreuzbandverletzungen, Schienbeinkopffrakturen, Rippenbrüche und und und: Wir haben es mit der gesamten Palette von Wintersportverletzungen zu tun“, berichtet Angerer. Die Kundschaft des LKH Bludenz kommt von fast überall her. „Sie kommen vom Montafon, vom Klostertal, vom Arlberg: Aufgrund unseres Standorts sind wir natürlich das Sammelbecken für viele Menschen, die sich in besagten Regionen eine Verletzung zuziehen“, hält der junge Arzt fest. Auch Angerer ist im Stress und eilt auch schon zum nächsten Patienten. In Bludenz stehen zwei Fachärzte, ein Tagesdienstler und mehrere Ärzte in Bereitschaft für die Unfallchirurgie zur Verfügung.

Viele Hubschrauber in Dornbirn

Etwas mehr Zeit für eine eingehendere Analyse der diesjährigen Wintersportverletzungen hat Dr. Richard Schnetzer (62), Chef der Traumatologie (=Unfallchirurgie) im Stadtspital. Er hat einen seiner seltenen freien Feiertage während der Wintersaison. An Dr. Schnetzers Wirkungsstätte werden auch sehr viele Verletzte aus weiter weg gelegenen Wintersportgebieten gebracht. „Mir ist heuer aufgefallen, dass sehr viele Hubschrauber bei uns gelandet sind“, berichtet der erfahrene Chirurg. Dabei konnten die Helikopter Dornbirn aufgrund von Nebel oft gar nicht anfliegen. „Sie flogen dann aufs Bödele. Von dort wurden die Patienten mit der Rettung zu uns gebracht.“

Harte Pisten fordern Tribut

Was Dr. Schnetzer im bisherigen Unfallwinter auffällt: „Wir verzeichnen bisher überdurchschnittlich viele Oberschenkelhalsbrüche. Das passiert vor allem dann, wenn Skifahrer auf eine harte Piste knallen.“ Betroffen von dieser schweren Verletzung sind speziell ältere Menschen. „Oder Junge, die viel zu schnell fahren und dann im vollen Karacho mit einem harten Untergrund Bekanntschaft machen“, weiß Schnetzer.

Typisch für schneearme Winter mit harten Pisten sind auch Schulterverletzungen. Die Betroffenen fallen dann eben nicht auf weichen Schnee. Warum sich heuer zu den erklärbaren Verletzungen auch die Häufung von nicht erklärbaren Verletzungen, wie etwa Unterschenkelbrüche am Schuhrand, gesellen, weiß selbst Dr. Schnetzer nicht so genau. Sein Versuch einer Erklärung: „Mag sein, dass einige Skifahrer ihre Skischuhe zu eng schnallen. Und wenn sie dann plötzlich in ein Loch geraten, kommt es zu solchen Brüchen.“

„Wir verzeichnen bisher überdurchschnittlich viele Oberschenkelhalsbrüche.“