Eine Meise hat den Schnabel vorn

Vorarlberg / 07.01.2020 • 20:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

„Stunde der Wintervögel“: In Vorarlberg flattert der Haussperling auf Platz 1.

Schwarzach Vom 4. bis 6. Jänner zählte jeder Schnabel: Bei der „Stunde der Wintervögel“ waren zum elften Mal Vogelfans aus ganz Österreich aufgerufen, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, am Balkon oder im Park zu zählen und die Ergebnisse an die Vogelschutzorganisation BirdLife zu melden. Am Dienstag wurde eine erste Hochrechnung präsentiert, und die ist alles andere als erfreulich. „Die Gesamtanzahl aller beobachteten Vögel ging deutlich zurück. Im österreichischen Durchschnitt besuchten mit rund 30 Vögeln pro Garten so wenige wie noch nie die heimischen Futterstellen. Besonders im Westen Österreichs wurden heuer weniger Vögel beobachtet“, resümiert Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich.

202.885 Vögel

Die Ergebnisse im Detail: Bis Dienstag, 16 Uhr, hatten österreichweit 8124 Teilnehmer ihre Beobachtungen online gemeldet. Insgesamt wurden 202.885 Vögel gezählt. Am häufigsten gesichtet wurde demnach die Kohlmeise (34.566 Vögel). Platz zwei ging vorläufig an den Feldsperling (26.795) und Platz drei an den Haussperling bzw. Spatz (25.661). Dahinter landeten die Blaumeise (14.678), die Amsel (13.989) und der Buchfink (11.3679).

In Vorarlberg sieht die Reihenfolge in der einstweiligen Ergebnistabelle etwas anders aus.
Die 282 Teilnehmer meldeten bis Dienstag 6484 Vögel, das entspricht knapp 28 Vögel pro Garten. Auf Platz eins flatterte der Haussperling (1404), auf Platz die Kohlmeise
(989) und auf Platz drei die Amsel (557), gefolgt vom Buchfink (530), der Blaumeise (500) und dem Feldsperling (439). Zum Vergleich: Im Vorjahr zählten die 637 Vorarlberger Teilnehmer 35 Vögel pro Garten, wobei sich der Haussperling vor dem Buchfink und der Kohlmeise zum zweiten Mal hintereinander auf Platz 1 der Wintervogelzählung behauptet.

Weniger Finken

„Obwohl auffallend viele Meisen, Gimpel und Bergfinken im Dezember in Österreich beobachtet wurden, besuchten diese am Zählwochenende die Futterhäuser unserer Gärten nicht. Im Gegenteil: Wesentlich weniger Finken wurden gezählt. Die teils sehr geringen Schneemengen und die milden Temperaturen ließen die Vögel außerhalb der Siedlungsgebiete verweilen, wo sie ausreichend Nahrung fanden“, interpretiert Wichmann das Zwischenergebnis der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“. Federn lassen musste offenbar der Grünfink, der seit 2013 mit der tödlich endenden Parasitenkrankheit Trichomoniasis zu kämpfen habe. „Die diesjährige Zählung meldet die niedrigste Anzahl an Grünfinken pro Garten seit zehn Jahren“, ergänzt der BirdLife-Geschäftsführer. Genaueres wisse man nach Eingang und Auswertung aller Beobachtungen. Das Endergebnis wird am 21. Jänner bekannt gegeben. 

Mehr Erkenntnisse

Laut BirdLife gibt es über die Vögel im Winter erst wenig wissenschaftliche Erkenntnisse. Wie passen sich die Vögel an die kalte und futterarme Jahreszeit an? Welche Arten werden durch Winterfütterung gefördert, welche nicht? Und wie wirkt sich das aktuelle Wetter auf die Wintervögel aus? „Je mehr Vogelfreunde mitmachen und je mehr Beobachtungen an uns weitergegeben werden, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse und desto besser kann sich unsere Vogelschutzorganisation für die heimischen Vögel starkmachen“, unterstreicht Wichmann. VN-ger