„Es ist nicht schön, wenn Mama trinkt“

Vorarlberg / 07.01.2020 • 15:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Trampolin gehört bei der Trampolingruppe dazu. Im Rahmen der Gruppe hilft die Caritas Kindern, deren Eltern von Sucht betroffen sind. CARITAS

In der Trampolingruppe kümmert sich die Caritas um die Kinder suchtkranker Eltern.

Feldkirch Das Leben ist wie ein Trampolin, einfach immer weiter springen“ – so lautet das Motto der letzten Trampolin-Gruppenstunde für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Im Jänner startet die Caritas mit einem neuen monatlichen Trampolin-Treff für Kinder, die viel zu früh mit dem Thema Alkohol und Sucht in Berührung gekommen sind und hier Unterstützung und Begleitung finden.

Im Gruppenraum im Caritascenter in Feldkirch ist alles für die sechs Kinder zwischen sechs und elf Jahren vorbereitet, die in den vergangenen Wochen zu einem Team zusammengewachsen sind. Ein Tisch zum Malen und Zeichnen, ein Stuhlkreis, Sitzpolster auf dem Boden und natürlich ein kleines Trampolin, das gleich in Beschlag genommen wurde. Die Stimmung ist gut, die Kinder lachen und sind fröhlich, nichts scheint ihr Leben zu trüben. Doch der Schein trügt, wie kurz darauf die obligatorische Runde mit den Wetterkarten zeigt. Die Bilder von Sturm, Regen, Bewölkung oder Sonnenschein liegen auf dem Boden und jedes Kind stellt sich zu dem Symbol, das am ehesten seiner derzeitigen Stimmung entspricht. Fast alle spürten Wolken in ihrem Leben, vor allem weil dieses Treffen das letzte für längere Zeit sein wird.

Später im Stuhlkreis erzählen die Kinder, wie es ihnen in den vergangenen Monaten in der Trampolingruppe gefallen hat, blicken zurück, aber auch nach vorne in die Zukunft.

 Sara Schild von der Caritas-Suchtfachstelle Feldkirch leitet die Trampolingruppe mit viel Verständnis und Professionalität.  <span class="copyright">Caritas </span>
Sara Schild von der Caritas-Suchtfachstelle Feldkirch leitet die Trampolingruppe mit viel Verständnis und Professionalität.  Caritas

Spiele, das gute Essen, die Rollenspiele, all´ das blieb den Kindern ebenso im Gedächtnis wie die Gespräche zum Thema Sucht und alles, was damit zusammenhängt. „Uns geht es vor allem darum, ein Vertrauensverhältnis mit den Kindern aufzubauen, ihnen zu helfen, mit dieser schwierigen Familiensituation umzugehen, Lösungsvorschläge für sie aufzuzeigen und natürlich auch Präventionsarbeit zu leisten, damit diese Kinder nicht in die selbe Suchtfalle rutschen wie ihre Eltern“, erklärt Sara Schild, Leiterin der Trampolingruppe.

Offenheit in der Gruppe

Erstaunlich offen erzählen einige der Kinder, wie sie sich in dieser schwierigen Situation fühlen, ein Zeichen dafür, wie wohl und sicher sie sich in dieser Gruppe fühlen. So erzählen zwei Geschwister, dass ihr Papa seit einem Jahr keinen Alkohol mehr trinkt, weil er damals Job und Führerschein verloren hat. „Wir leben wieder alle zusammen und es ist jetzt viel schöner als früher, weil Papa nicht mehr so laut ist. Früher haben unsere Eltern viel gestritten.“ Hier haben sie gelernt, dass es nichts mit ihnen zu tun hat, wenn ein Elternteil trinkt oder wenn sich Eltern streiten oder gar trennen.  

Auch eine Siebenjährige erzählt von ihrer Mutter, die alkoholkrank ist. „Es ist nicht schön, wenn Mama trinkt. Aber sie sagt, dass der Alkohol fein für sie ist, damit sie nicht so gestresst ist. Meine Mama weiß, dass ich es nicht mag, wenn sie trinkt, aber sie macht es trotzdem. Ich kann hier immer mit Sara reden, und ich weiß jetzt, dass  ich nicht die einzige mit diesem Problem bin.“

Trampolin ist ein Gruppenangebot für Kinder aus suchtbelasteten Familien zwischen acht und 12 Jahren. Bei Trampolin lernen Kinder, besser mit schwierigen Situationen in der Familie umzugehen, das Thema Sucht besser zu verstehen, und sie lernen Kinder kennen, denen es ähnlich geht.
Kontakt: Sara Schild, Suchtfachstelle Feldkirch 05522-200 1700,

sara.schild@caritas.at
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