Jäger sind im Soll

Vorarlberg / 07.01.2020 • 19:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gernot Heigl lenkt die Geschicke der Vorarlberger Jägerschaft.VN/HB
Gernot Heigl lenkt die Geschicke der Vorarlberger Jägerschaft.VN/HB

Zu wenige Abschüsse: Jägerschafts-GF Gernot Heigl erklärt warum.

HOHENEMS Eine hundertprozentige Erfüllung der angeordneten Abschussquote für Rotwild wird auch für heuer eine Illusion bleiben. Landesweit liegt die Abschuss­quote Anfang Jänner nur bei rund 80 Prozent. Steigender Jagddruck beim Wild, aber auch das sich verändernde Klima sieht Gernot Heigl, Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft, als Hauptgründe für den mangelhaften Jagderfolg. Einmal mehr fällt das Silbertal quotenmäßig negativ auf.

 

Wie steht es mit der geforderten Abschussquote für Rotwild in Vorarlberg?

Heigl Wir liegen hinter den 100 Prozent zurück und werden diese bis zum Ende der verlängerten Schusszeit am 31. Jänner auch nicht mehr erreichen. In den TBC-Risikogebieten gelten andere Schutzzeitregelungen, da darf länger gejagt werden.

 

Was sind die Gründe für das erneute Verfehlen der Quote?

Heigl Einer der Hauptgründe liegt zweifellos im Klimawandel. Den Jägern fehlen mehrere kalte und schneereiche Phasen, in denen das Rotwild weiter herunterkommt. Je länger der Schnee fehlt, desto eher findet man das Wild weit oben, wo es kaum bejagbar ist.

 

Gibt es noch andere Gründe?

Heigl Ja. Der Jagddruck auf das Rotwild, das den TBC-Erreger überträgt, ist mittlerweile sehr groß geworden. Und die Tiere sind sehr intelligent. Sie stellen sich auf die neuen Verhältnisse ein und verlegen ihre Aktivitäten in die Nacht. Dann ist es doppelt schwer, sie zu erlegen.

 

Wie liegen wir mit der heurigen Abschussquote verglichen mit den vergangenen Jahren?

Heigl Wir lagen auch in den beiden vergangenen Jagdsaisonen unter den 100 Prozent. Letztes Jahr war die Quote sogar noch schlechter.

 

Was müssen jene verantwortlichen Jagdpächter, welche die Quote nicht erfüllen, für Konsequenzen fürchten?

Heigl Das entscheidet die Behörde. Da kann es Geldstrafen geben. Sinnvoll finde ich das allerdings nicht. Fix ist: Jene, welche die Quoten nicht erfüllen, müssen die fehlenden Abschüsse in das kommende Jagdjahr mitschleppen.

 

Immer wieder ist von den TBC-Risikogebieten Klostertal und Silbertal die Rede. Im Klostertal wurde quotenmäßig schon sehr viel erreicht, im Silbertal ist es genau umgekehrt. Warum?

Heigl Es wird auch heuer nicht anders sein. Das Klostertal liegt bei der Abschussquote über dem Vorarlberger Durchschnitt, das Silbertal klar darunter. Warum das so ist? Das Silbertal ist weitläufiger, das Rotwild kann sich dort viel besser verstecken. Wir wundern uns oft selber darüber, von wo dort auf einmal so viel Wild zu den Fütterungsstellen kommt. Und trotzdem: Wir müssen uns schon etwas überlegen, um die Situation dort zu verbessern.

 

Warum kann man nicht einfach das ganze Jahr hindurch jagen?

Heigl In den TBC-Risikogebieten geschieht das zum Teil eh schon. Aber grundsätzlich müssen wir dem Wild natürlich eine Schonzeit gewähren. Stellen Sie sich vor: Derzeit sind circa 80 Prozent der weiblichen Rotwildtiere trächtig. Diese dessen ungeachtet zu bejagen, macht man einfach nicht.

 

Was kann man jetzt noch machen, um der geforderten Abschussquote wenigstens so nahe wie möglich zu kommen?

Heigl Wir brauchen jetzt absolute Jagdspezialisten. Entweder Profijäger oder solche mit viel Erfahrung und vor allem Zeit. Denn für eine erfolgreiche Jagd braucht es einfach Zeit. Der beste Tagesabschnitt für die Jagd ist frühmorgens. Dort entsteht die geringste Beunruhigung. Berufstätige Freizeitjäger können zu der Zeit nicht jagen.

Zu viel Rotwild in Vorarlberg. Seit der TBC-Problematik erlassen die Behörden rigorose Abschussquoten. dpa
Zu viel Rotwild in Vorarlberg. Seit der TBC-Problematik erlassen die Behörden rigorose Abschussquoten. dpa