Kontroverse um Stadtmetzgerei

Vorarlberg / 07.01.2020 • 19:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lesestoff in der Auslage: Derzeit hängt noch die Erklärung zur Schließung, ab heute soll die Korrespondenz mit dem Vermieter ausgestellt werden. VN/Schweigkofler
Lesestoff in der Auslage: Derzeit hängt noch die Erklärung zur Schließung, ab heute soll die Korrespondenz mit dem Vermieter ausgestellt werden. VN/Schweigkofler

Konflikt zwischen Noch-Mieter Spieler und Vermieter kommt ins Schaufenster.

feldkirch Ende Monat läuft der Mietvertrag von Gerhard Spieler, der von 1997 und bis August 2019 die Stadtmetzgerei in der Feldkircher Johannitergasse betrieben hat, aus. Wie es mit dem Geschäft weitergeht, ist weiter unklar. Das Verhältnis zwischen Mieter Spieler und den Stadtwerken Feldkirch als Vermieter ist äußerst angespannt, Gesprächsbasis scheint keine mehr vorhanden zu sein.

Kurz vor Weihnachten haben sich Gerhard Spieler und seine Lebensgefährtin Sabine Lemaire an die VN gewandt. Nachdem sich die Gespräche über eine Ablöse der Metzgerei und auch mit einem potenziellen Nachfolger zerschlagen hätten, weil ihm vonseiten der Stadtwerke die Ausstattung „madig geredet worden sei“, entschloss sich Spieler, die Ausstattung der Metzgerei kostenlos anzubieten. Der Metzger ist überzeugt, dass ein Nachfolger das Geschäft innerhalb weniger Tage wieder eröffnen könnte. Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Trefalt, der sich erst nicht äußern wollte, krisisierte in einem VN-Leserbrief

die „unrealistisch hohen Forderungen“ Spielers.

Spieler

und Lemaire sind erbost. Denn am 30. Dezember

hat ihnen Trefalt eine E-Mail geschrieben, in der sie aufgefordert wurden, sich nicht mehr an die Presse zu wenden. Das würden auch die Stadtwerke so handhaben. Deshalb werde man jetzt die Korrespondenz offenlegen. Auf der Homepage der Metzgerei wurde bereits am Dienstagnachmittag eine Aktennotiz Spielers veröffentlicht, ab heute, Mittwoch, werde man die Korrespondenz mit den Stadtwerken in der Auslage aushängen. „22 Jahre hatten wir das Geschäft offen, jetzt werden wir öffentlich als Lügner hingestellt“, ärgert sich Lemaire.

Die Ablöse-Forderungen seien nicht überzogen, sondern ließen sich gut belegen. Die Ausstattung stamme keinesfalls wie von Trefalt geschrieben aus 1992, sondern vieles sei im Rahmen des Umbaus 2016, bei dem fast 90.000 Euro investiert worden seien, erneuert worden. Die Kühltheke mit Kühlaggregat habe laut Schätzung einen Restwert von 48.000 Euro. Zudem habe man mit dem potentiellen Nachfolger, bereits eine Ablöse-Regelung gefunden gehabt. Dass Trefalt behaupte, an einer Weiterführung interessiert zu sein, stellen sie in Frage. Denn der Ende November geforderte Ausbau der Verkaufstheke würde die Wiederinbetriebnahme der Metzgerei beträchtlich erschweren. Deshalb habe man sich zum Verschenken der Ausstattung entschieden. „Wenn weder die Stadtwerke noch die Stadt Feldkirch bereit sind, für ihre Bürger Investitionen für eine Metzgerei zu tätigen, tun wir das für die Feldkircher. Schon allein als Dank für 22 Jahre Kundentreue“, erklärt Spieler.

Zeitfenster schließt sich

Für eine schnelle Nachfolge wird die Zeit langsam knapp. Denn am 31.1.2020 muss Spieler das Geschäftslokal räumen. „Zwei Wochen davor startet der Ausbau“, erklärt der Metzger. Mit den Stadtwerken redet er nicht mehr, darin sieht er keinen Sinn. Spieler zahlt derzeit auch keine Miete – das Geld werde zurückgestellt, aber nicht überwiesen. Immerhin habe es ja auch eine mündliche Zusage gegeben, dass die Pacht bereits Ende September aufgelöst werde. Dass ein Nachfolger gefunden werden könne, sei immer noch möglich. Auf den VN-Artikel habe sich ein weiterer junger Metzger gemeldet, und auch der ursprüngliche Interessent sei wieder am Nachdenken, erklärt Lemaire.

Manfred Trefalt teilt auf Anfrage mit, dass die Stadtwerke vorläufig keine Stellungnahme abgeben möchten. Er betont aber, dass bisher im Gespräch mit den Stadtwerken nie die Rede von einer kostenlosen Überlassung gewesen sei.