Wie sich die Winter ändern

Vorarlberg / 07.01.2020 • 20:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Klimawandel: Tendenziell gibt es in allen Lagen immer weniger Schnee.

Schwarzach Große Niederschlagsmengen und eisige Temperaturen ergeben viel Schnee. Entsprechend spürbar sind die Auswirkungen des Klimawandels. Die Erderwärmung, die damit einhergeht, führt dazu, dass tendenziell auch in Vorarlberg eher immer weniger Schnee liegt. Das bestätigt eine Datenauswertung, die die Zentralanstalt für Geodynamik und Meteorologie (ZAMG) für die VN erstellt hat.

Will man die Geschichte des Winters anhand der Schneelage erzählen, hat man zunächst ein Problem: Es handle sich um einen komplexen Teil der Klimaforschung, erläutert ZAMG-Experte Marc Olefs: „Die Schneelage ist im Alpenraum von Region zu Region sehr unterschiedlich, und die Schneemengen schwanken selbst über mehrere Jahre extrem.“ Ein Forschungsprojekt, das Olefs gemeinsam mit Kollegen von der Uni Graz durchgeführt hat, hat dennoch zu sehr grundsätzlichen Ergebnissen geführt. Konkret: „Die langfristigen Trends zeigen im Großteil Österreichs einen Rückgang der Schneemenge und der Tage mit Schneedecke.“

Niederschlagsmengen

Hängt es mit den Niederschlägen zusammen? Weniger, wie ZAMG-Mitarbeiter Alexander Orlik im Gespräch mit den VN erklärt: In Vorarlberg sind die Niederschlagsmengen in den letzten 70 Jahren kaum zurückgegangen. In Bregenz haben sie leicht zugenommen. Das sei auf den Bodensee zurückzuführen, aber auch nicht signifikant.

„Die Entwicklung der Temperatur hat einen größeren Einfluss als die der Niederschläge“, erläutert Orlik. Sie ist in den vergangenen Jahrzehnten um gut zwei Grad gestiegen. Die Folge: Statt Schneeflocken fallen immer öfter Wassertropfen vom Himmel – und falls Schnee liegt, schmilzt er schneller.

Zum Ausdruck kommt dies etwa durch die Zahl der Tage mit einer Schneedecke von mindestens 20 Zentimetern in den Wintermonaten Dezember, Jänner und Februar. Die Trendlinie seit Beginn der Aufzeichnungen 1947/48 weist hier für Bregenz und Feldkirch zunächst rund zehn Tage aus, um dann im Laufe darunter zu rutschen. In Schröcken und Langen am Arlberg ist sie von mehr auf weniger als 80 Tage zurückgegangen. Orlik: „Früher gab es hier öfter durchgehend mindestens 20 cm Schnee. Heute ist das die Ausnahme.“

Wenn es im Laufe des Winters immer wieder regnet, führt das naturgemäß auch dazu, dass kaum wirklich viel Schnee zusammenkommen kann. Die maximale Schneehöhe seit 1947/48 beträgt in Schröcken 340 cm. Sie wurde zwei Mal in den 1980er-Jahren erreicht (1981/82 und 1987/88). In Langen liegt der Rekordwert von 330 cm noch länger zurück; 1967/68 nämlich. Der Feldkirch-Rekord von 84 cm datiert überhaupt aus dem Winter 1951/52. Bei Bregenz ist er dagegen noch sehr jung: 2012/13 wurden hier 70 cm registriert. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass jederzeit noch Spitzen möglich sind und die Schwankungen extrem sein können – im Jahr darauf lagen in der Landeshauptstadt nur bis zu sieben Zentimeter Schnee. JOH

Ein Wintervergnügen mit richtig viel Schnee gibt es inzwischen immer weniger.vn/Lerch
Ein Wintervergnügen mit richtig viel Schnee gibt es inzwischen immer weniger.vn/Lerch