Mehr Frauen für die Gemeindestuben

Vorarlberg / 08.01.2020 • 18:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Land und Frauennetzwerk rühren für Gemeindewahlen die Werbetrommel.

Bregenz Auf höheren Ebenen rühren die Frauen politisch bereits kräftig um. In der neu angelobten türkis-grünen Bundesregierung sind sie mit einem Anteil von 53 Prozent sogar in der Überzahl, und im Nationalrat machen die weiblichen Abgeordneten auch schon fast 40 Prozent aus. Auf Gemeindeebene hapert es allerdings noch gewaltig. Dort beträgt die Frauenquote nach wie vor weniger als ein Viertel. Die im März anstehenden Gemeindewahlen wollen Land und Frauennetzwerk nützen, um mehr Frauen ein politisches Engagement schmackhaft zu machen. Derzeit werden neun der 96 Vorarlberger Gemeinden von Bürgermeisterinnen geführt, drei von ihnen wollen jedoch nicht mehr kandidieren. In 17 Gemeinden gibt es Vizebürgermeisterinnen.

Mitbestimmung gefragt

Dabei wäre gerade in den Gemeindestuben ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis wichtig, weil es um Entscheidungen geht, die den unmittelbaren Lebensraum speziell von Frauen betreffen. Schon deshalb sollten sie mitbestimmen. Diese Überzeugung vertritt Katharina Wöss-Krall, die seit April 2019 als Bürgermeisterin der Marktgemeinde Rankweil vorsteht. Als sie gefragt wurde, ob sie dieses Amt annehmen würde, plagten auch sie Zweifel. „Mit drei kleinen Kindern geht das auf keinen Fall“, sei ihr erster Gedanke gewesen. Dann wollte es Wöss-Krall doch wissen und stellte fest: „Mit guten Rahmenbedingungen lassen sich Politik und Familie sehr wohl vereinbaren.“ Frauenlandesrätin Katharina Wiesflecker betonte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, Frauen würden nicht die bessere Politik machen, es gehe um bessere Ergebnisse in der Politik. „Die Qualität der Entscheidungen steigt aber, wenn die beratenden und beschließenden Gremien möglichst divers besetzt sind“, zitierte Wiesflecker aus der Diversitätsforschung. Im Übrigen seien auch andere Bevölkerungsgruppen wie Migranten, Junge und Menschen mit Beeinträchtigung in der Politik stark unterrepräsentiert, merkte sie noch an.

Hausverstand reicht

Es werde generell schwieriger, Menschen für die Kommunalpolitik zu begeistern, hieß es. Bei Frauen komme neben beruflichen und familiären Verpflichtungen noch die Befürchtung hinzu, sich zu sehr zu exponieren. Das wolle besonders in kleinen Gemeinden niemand. Kiki Karu vom Frauennetzwerk Vorarlberg kennt noch einen anderen Grund: „Viele Frauen glauben, dass ein bestimmtes Fachwissen für eine Kandidatur nötig ist. Das stimmt nicht. Es genügt gesunder Hausverstand.“ Der wird mit Workshops zu politischer Bildung unterstützt. Dieser Lehrgang wurde kürzlich zum 17. Mal abgeschlossen, elf Frauen aus Vorarlberg und sieben aus Liechtenstein erhielten ihre Zertifikate. Insgesamt haben bereits 333 Teilnehmerinnen den Lehrgang abgeschlossen. Am 14. Februar 2020 startet ein neuer. So lange haben am Gemeindegeschehen interessierte Frauen allerdings nicht mehr Zeit. Sie müssen sich bis Ende des Monats für eine Kandidatur entscheiden, denn dann sind die Listen für die Gemeindewahlen einzubringen. VN-MM