Faszination für Archäologie

Vorarlberg / 09.01.2020 • 17:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sarah Leib hat im vergangenen Jahr ein neues Buch publiziert. leib
Sarah Leib hat im vergangenen Jahr ein neues Buch publiziert. leib

Sarah Leib veröffentlichte ein Buch über Höhlenforschung.

Bludenz, St. Gallen Sarah Leib ist in Bludenz geboren und aufgewachsen. Schon früh interessierte sie sich für geschichtliche Zusammenhänge. Es folgte ein Studium der Archäologie in Wien und Innsbruck. Im Rahmen ihrer Tätigkeit setzte sie sich intensiv mit der Höhlenforschung vor hundert Jahren auseinander. Erst im vergangenen Jahr präsentierte sie zusammen mit den Mitherausgebern und Grafikern Laura Prim und Daniel Weber nun ein Buch zu diesem Thema.

 

Haben Sie sich schon in Ihrer Kindheit für Archäologie interessiert?

Leib Das Leben in früheren Zeiten hat mich immer schon fasziniert. Welche Strategien haben sich zum Beispiel die Jäger und Sammler der Steinzeit einfallen lassen, um in einer teilweise harschen Umwelt zurechtzukommen? Die Archäologie bietet optimale Möglichkeiten, um viele offene Fragen zur Geschichte und Entwicklung des Menschen zu beantworten.

 

Wie verlief Ihre bisherige berufliche Laufbahn?

Leib Nach meinem ersten Bildungsweg – Elementarpädagogik – hat es mich zum Studium der Ur- und Frühgeschichte nach Wien gezogen. Nach dem Abschluss des Masterstudiums habe ich dann mein Doktorat an der Universität Innsbruck gemacht und mich auf das Mittelalter und die frühe Neuzeit spezialisiert. Während des Studiums habe ich an Ausgrabungen im In- und Ausland teilgenommen und war als selbstständige Archäologin tätig. Von 2013 bis zum Herbst 2019 war ich Kuratorin im Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen (HVMSG). Seit vier Jahren bin ich zusätzlich wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Amt für Kultur, Abteilung Archäologie, in Liechtenstein.

 

Wie entstand die Idee zu dem Buch über Höhlenforschung?

Leib Die Idee zum Buch kam bei der Recherche zu einer Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum in St. Gallen. Zusammen mit den beiden Grafikern Laura Prim und Daniel Weber sind wir in Ostschweizer Archiven und Sammlungen auf bisher unveröffentlichte „Schätze“ in Form von einzigartigen Fotografien, Tagebüchern und Dokumenten aus der Zeit um 1900 gestoßen. Für uns war klar: Da möchten wir mehr daraus machen.

 

Was war das Ziel Ihres Projekts?

Leib Wir wollten die Zeitdokumente und die Leistungen der Pioniere der Höhlenforschung einem breiten Publikum zugänglich machen. Die beiden Grafiker setzten einen breiten Fokus auf eine ansprechende, künstlerische Umsetzung, was sich wunderbar in der ansprechenden Gestaltung widerspiegelt. Die Höhlen Wildkirchli, Wildenmannlisloch und Drachenloch gelten heute noch als die am höchsten von Menschen der Altsteinzeit aufgesuchten Sommerlager. Menschen haben sie vor rund 50.000 bis 35.000 Jahren aufgesucht und dabei Werkzeuge oder Feuerstellen (in Form von Holzkohle) hinterlassen.

 

Welche Bedeutung hatte die Höhlenforschung damals und heute?

Leib Die Pioniere der Höhlenforschung vor hundert Jahren, wie Emil Bächler, Theophil Nigg und viele weitere, haben große Anstrengungen unternommen, um in den Höhlen, die bis zu 2.447 Meter ü. M. liegen, ihre Forschungen zu betreiben. Ihre Erkenntnisse haben damals internationales Aufsehen erregt: Fachleute aus weiten Teilen Europas sind zu den Ostschweizer Fundstellen gereist. Noch heute bemühen sich Fachstellen wie die Kantonsarchäologie St. Gallen um den Schutz und den Erhalt dieser bedeutenden Fundstellen.

 

Sie haben das Buch über Crowdfunding finanziert, wie war das?

Leib Das Crowdfunding aufzugleisen war zwar aufwendig, aber wir waren sehr erfolgreich. Über hundert Personen haben sich finanziell beteiligt. Mit dem Geld konnten wir die Druckkosten abdecken. Die inhaltlichen und grafischen Arbeiten haben wir ehrenamtlich geleistet. Unterstützt wurden wir auch durch weitere Fachleute, die Beiträge zu Themen aus der Archäologie, Speleologie, Zoologie und Kunstgeschichte verfassten.

 

Welche weiteren Projekte verfolgen Sie?

Leib Ich habe mit 1. Jänner 2020 die Leitung der Archäologie Liechtenstein übernommen. BI

Zur Person

Sarah Leib
Leiterin der Archäologie Liechtenstein

Geboren 5. Oktober 1981

Ausbildung Studium der Ur- und Frühgeschichte in Wien und Innsbruck, Grabungsmitarbeiterin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Innsbruck, Kuratorin am Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen (2013-2019), seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Archäologie Liechtenstein

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