„Lobbying für Eigeninteressen“

Vorarlberg / 09.01.2020 • 19:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Für MRT-Untersuchungen braucht es keine Bewilligung mehr.Matthias Rauch
Für MRT-Untersuchungen braucht es keine Bewilligung mehr.Matthias Rauch

Landesstelle der neuen Gesundheitskasse (ÖGK) hat ihre Arbeit aufgenommen.

Dornbirn „Heute ist ein historischer Tag, und es ist ein guter Tag für die Vorarlberger Beitragszahler.“ Mit diesen Worten eröffnete Jürgen Kessler seine erste Amtszeit als Vorsitzender des Landesstellenausschusses der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Der Direktor des Wirtschaftsbundes sitzt als Arbeitgebervertreter im Gremium der insgesamt neu aufgestellten Sozialversicherung.

Einstimmige Beschlüsse

Hervorgehoben wurde, dass sämtliche personellen Entscheidungen bei der konstituierenden Sitzung, die am Donnerstag in den Räumlichkeiten der ehemaligen VGKK stattfand, einstimmig erfolgten. Ebenso waren alle Beteiligten bemüht, das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen. Offene Kritik an der Kassenzusammenlegung übte indes der stellvertretende ÖGK-Obmann und Arbeitnehmervertreter Andreas Huss. Er sieht die Fusion nach wie vor skeptisch, ihm fehlt der Mehrwert für die Versicherten, aber: „Jetzt müssen wir damit leben.“

Versorgungsmodelle

Gleichzeitig warnte er davor, regionale Netzwerke zu zerstören. Gesundheitsversorgung finde vor Ort statt, die dort Verantwortlichen müssten weiterhin Entscheidungen treffen dürfen. Erfolgreiche Versorgungsmodelle wie etwa die in Vorarlberg etablierte Darmkrebsvorsorge müssten ausgebaut werden und dürften nicht einer zentralen Verwaltung in Wien zum Opfer fallen. In diesem Zusammenhang hält Manfred Brunner, der im Juli den Landesstellenvorsitz übernimmt, „das Lobbying für eine wichtige Aufgabe, um Vorarlberger Interessen in Wien durchzubringen.“

Jürgen Kessler skizzierte als Schwerpunkte der künftigen Arbeit die Einrichtung von Primärversorgungszentren, den Einsatz neuer E-Tools sowie die Optimierung zwischen spitals- und niedergelassenem Bereich. Was die Primärversorgungszentren betrifft, sollen laut Kessler rasch Gespräche mit der Ärztekammer und dem Land aufgenommen werden. Manfred Brunner nannte die Umsetzung von Gesundheitsreformvorhaben als vordringliches Ziel. Innovative Projekte, wie sie schon bisher im Land initiiert wurden, sollen über den Innovationsfonds auch künftig möglich sein. „Wir wollen dort federführend mitmischen“, kündigte Jürgen Kessler an. Wie bereits berichtet, wird der mit gut 200 Millionen Euro dotierte Fonds von Ulrich Tumler, dem stellvertretenden Landesstellenleiter, betreut. VN-MM

Zum Auskurieren eines Leidens bleibt kranken Arbeitnehmern mehr Zeit. dpa
Zum Auskurieren eines Leidens bleibt kranken Arbeitnehmern mehr Zeit. dpa

Zahlen und Fakten zur ÖGK

7,2 Millionen Versicherte hat die neue Österreichische Gesundsheitskasse.

15,3 Milliarden Euro sind die Versicherungsleistungen.

400 Mitarbeiter hat die ÖGK in Vorarlberg,

österreichweit sind es insgesamt12.000 Beschäftigte.