ÖGK-Landesstelle nimmt ihre Arbeit auf

Vorarlberg / 09.01.2020 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jürgen Kessler (l.) und Manfred Brunner leiten abwechselnd die Geschicke der Landesstelle. VN/STIPLOVSEK

Gemeinsamkeit im Sinne der Versicherten betont.

Dornbirn „Heute ist ein historischer Tag, und es ist ein guter Tag für die Vorarlberger Beitragszahler.“ Mit diesen Worten eröffnete Jürgen Kessler seine erste Amtszeit als Vorsitzender des Landesstellenausschusses der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Der Direktor des Wirtschaftsbundes sitzt als Arbeitgebervertreter im Gremium der insgesamt neu aufgestellten Sozialversicherung. Hervorgehoben wurde, dass sämtliche personellen Entscheidungen bei der konstituierenden Sitzung, die gestern in den Räumlichkeiten der ehemaligen VGKK stattfand, einstimmig erfolgten. Ebenso waren alle Beteiligten bemüht, das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen. Offene Kritik an der Kassenzusammenlegung übte der stellvertretende ÖGK-Obmann und Arbeitnehmervertreter Andreas Huss. Er sieht die Fusion nach wie vor skeptisch, ihm fehlt der Mehrwert für die Versicherten, aber: „Jetzt müssen wir damit leben.“ Manfred Brunner der im Juli den Landesstellenvorsitz übernimmt, hält das Lobbying für eine wichtige Aufgabe, um Vorarlberger Interessen in Wien durchzubringen.

Erfolgreiche Modelle ausbauen

Bereits im Vorfeld hatte die ÖGK damit begonnen, Leistungen zu harmonisieren und Bewilligungshürden abzubauen. So sind etwa MRT- und CT-Untersuchungen nicht mehr bewilligungspflichtig, für Krankentransporte ist kein Selbstbehalt mehr zu bezahlen, und die Bezugsdauer für das Krankengeld wird von 52 auf 78 Wochen erhöht. Ebenso wurden Verbesserungen im Bereich Zahnersatz, Kieferorthopädie und Zahnbehandlung beschlossen. „Die Leistungen, auf die Versicherte einen Anspruch haben, wird es also weiterhin geben“, versicherte ÖGK-Obmann Matthias Krenn. Die ÖGK sei auch kein Zentralgestirn, gehandelt werde regional, sagte Krenn.  Andreas Huss warnte davor, diese regionalen Netzwerke zu zerstören. Gesundheitsversorgung finde vor Ort statt, die dort Verantwortlichen müssten weiterhin Entscheidungen treffen dürfen. Erfolgreiche Versorgungsmodelle wie etwa die in Vorarlberg etablierte Darmkrebsvorsorge müssen laut Huss ausgebaut werden und dürfen nicht einer zentralen Verwaltung in Wien zum Opfer fallen.

Neue E-Tools

Jürgen Kessler skizzierte als Schwerpunkte der künftigen Arbeit die Einrichtung von Primärversorgungszentren, den Einsatz neuer E-Tools sowie die Optimierung zwischen spitals- und niedergelassenem Bereich. Was die Primärversorgungszentren betrifft, sollen rasch Gespräche mit der Ärztekammer und dem Land aufgenommen werden. Manfred Brunner nannte die Umsetzung von Gesundheitsreformvorhaben als vordringliches Ziel. Innovative Projekte, wie sie schon bisher im Land initiiert wurden, sollen über den Innovationsfonds auch künftig möglich sein. „Wir wollen dort federführend mitmischen“, kündigte Jürgen Kessler an. Wie berichtet, wird der mit gut 200 Millionen Euro dotierte Fonds von Ulrich Tumler, dem stellvertretenden Landesstellenleiter, betreut.

Daten zur ÖGK

7,2 Millionen Versicherte

15,3 Milliarden machen die Versicherungsleistungen aus

12.000 Mitarbeiter werden beschäftigt, 400 davon in Vorarlberg

12.500 Webseiten mussten im Zuge der Fusionierung umgestellt werden

Jürgen Kessler (l.) und Manfred Brunner beim trauten Austausch von Arbeitsinhalten.
Jürgen Kessler (l.) und Manfred Brunner beim trauten Austausch von Arbeitsinhalten.