Petition gegen Zwang zur Ziffernnote

Vorarlberg / 09.01.2020 • 16:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schule als Arbeits- und Lebenswelt. Die Leistungsbeurteilung an Volksschulen soll alternativ sein dürfen, fordern die Unterzeichner der Petition „Nein zum Notenzwang“. VN/SCHWALD

Volksschullehrerin Simone Flatz startet österreichweite Aktion für Wahlfreiheit bei Notengebung.

Lustenau Simone Flatz ist Lehrerin an der Volksschule Lustenau Kirchdorf und dort für die Montessori-Klassen zuständig. Die alternative Beurteilung der Kinder in den ersten drei Klassen war für sie nicht nur längst gelebte Praxis, sondern die beste Form der Leistungsbeurteilung ihrer Schützlinge. „Ich wende mich nicht gegen jene Kolleginnen und Kollegen, die das nicht so machen und den Schülern Ziffernnoten geben. Aber ich verlange Wahlfreiheit bei der Leistungsbeurteilung. Niemand soll mich bis zur vierten Klasse zwingen, Ziffernnoten zu verteilen“, macht die 43-jährige Pädagogin ihren Standpunkt deutlich.

Ruf nach Autonomie

Als Obfrau des Vereins „Gemeinsam Zukunft Lernen“ startet die engagierte Lehrerin nun eine österreichweite Petition mit dem Ziel, die Schulautonomie gerade auch bei der Notengebung zur Anwendung zu bringen. „Ich stehe für Inklusion, Individualisierung und die alternative Beurteilung. Ich sehe die Umsetzung dieser Forderung auch als Akt der Demokratie und Toleranz. Es sollten verschiedene Haltungen nebeneinander existieren dürfen“, beschreibt Flatz ihr Verständnis von Schule mit verschiedenen pädagogischen Zugängen.

„Für mich ist das, was die vorletzte Regierung im Bereich Bildung und Volksschule beschlossen hat, ein Rückschritt in die Vergangenheit. Wobei ich das überhaupt nicht politisch gewertet haben will“, legt Flatz Wert auf ihre politische Unabhängigkeit. Ihr gehe es rein um die Sache.

„Ich will das Thema Leistungsbeurteilung nicht politisch gewertet haben.“

Simone Flatz, Volksschullehrerin

Dialogischer Prozess

Es brauche eine umfassende und differenzierte Rückmeldung zum Lernfortschritt, meint Flatz. Eine solche sei nur durch die alternative Leistungsbeurteilung möglich. „Fünf Ziffernnoten passen nicht zu unserer pädagogischen Haltung. In einem dialogischen Prozess mit Eltern und Lehrpersonen sind wir zur Überzeugung gekommen, dass die Wahlfreiheit der Beurteilungsform eine wichtige Grundlage für eine gelingende Schulentwicklung ist. Deswegen stellen wir diese Wahlfreiheit in den Mittelpunkt unserer Petition.“ Vor der gesetzlichen Wiedereinführung der Ziffernnoten an Volksschulen hatten sich in Vorarlberg mehr als drei Viertel aller Bildungsstätten im Grundschulbereich für die alternative Beurteilung ausgesprochen.

Erste Unterstützer

Prominente Unterstützung für die Petition ließ nicht lange auf sich warten. Lehrerpersonalvertreter Willi Witzemann unterstützt das Anliegen ebenso wie Vertreter einiger politischer Parteien. Zu diesen zählen Sabine Scheffknecht mit ihrem Neos-Team genauso wie die grüne Lustenauer Gemeinderätin Christine Bösch-Vetter. Die Petition läuft bis zum 20. Februar. „Dann übergeben wir die Unterschriften an Landeshauptmann Wallner, Schullandesrätin Schöbi-Fink und Bildungsminister Faßmann“, kündigt Simone Flatz an.

Petition Wahlfreiheit für Schulen

Der genaue Text der Petition ist unter https://www.openpetition.eu/at/petition/online/nein-zum-notenzwang-ja-zur-wahlfreiheit-der-leistungsbeurteilungsform zu finden.

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