Lebens- und Zukunftsministerien

Vorarlberg / 10.01.2020 • 19:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Eine neue Bundesregierung bringt in den meisten Fällen auch neue Ministerien mit sich. Während man früher auf kurze und prägnante Bezeichnungen setzte, haben in den letzten Jahren ausufernde Ressortnamen um sich gegriffen. Bei manchen Ministerien war eine Modernisierung durchaus nötig. So wurde das seit 1920 bestehende Bundesministerium für soziale Verwaltung 1987 zum Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Ressort für Heereswesen der Ersten Republik ist seit 1956 nach der Landesverteidigung benannt. Manche Ministerien wurden ganz abgeschafft.

Das 1920 und 1945 noch nötige Bundesministerium für Volksernährung ist ebenso Geschichte wie das nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Bundesministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung. Letzteres sollte Industriebetriebe vor dem Zugriff durch die Sowjets sichern. Es wurde aufgelöst, nachdem sich dort ein gewaltiger Korruptionsskandal entsponnen hatte. So mancher hatte sich bei Beschlagnahmungen vor allem selbst bedient.

Spätere Regierungen griffen ins Wörterbuch statt in die Kassa: Lange Ressortnamen sollen alle Interessensgruppen zufriedenstellen. Das Landwirtschaftsressort hieß daher zwischenzeitlich Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. Die monströse Abkürzung BMLFUW hatte zur Folge, dass man für den Alltagsgebrauch einen leichter auszusprechenden Namen suchte. Das Ressort trat öffentlich zunächst als „Lebensministerium“ auf, was einige zu sehr an George Orwells Roman „1984“ erinnerte. Schließlich wurde daraus die Bezeichnung „Ministerium für ein lebenswertes Österreich“, die mittlerweile auch schon wieder verschwunden ist.

Das Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten wiederum wurde 2007 auf Betreiben des scheidenden Kanzlers Wolfgang Schüssel zum Ministerium für europäische und internationale Angelegenheiten. Um die Abkürzung BMEIA nach einer Kompetenzerweiterung 2013 behalten zu können, wurde es in Europa, Integration und Äußeres umgetauft. Den Namen behielt es, obwohl es ab 2017 nicht mehr für die EU-Agenden zuständig war – bald heißt es wieder so wie ab 2007. Auch das Bundesministerium für Justiz wird bald wieder so heißen und den etwas sperrigen Titel Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz (BMVRDJ) ablegen. Dafür kommt ein neuer Rekordhalter nach: Das unter der ersten schwarz-blauen Regierung geschaffene Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie wird reorganisiert und umbenannt. Es bekommt den 89-Zeichen langen Namen Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMKUEMIT). Das schreit geradezu nach einer orwellschen Lösung und einem Marketingauftritt á la „Zukunftsministerium“.

Moritz Moser stammt aus Feldkirch, lebt und arbeitet als Journalist in Wien. Twitter: @moser_at