Rätselhafter Tod nach Unfall mit Fahrrad

Vorarlberg / 10.01.2020 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nachdem sie vom Pkw einer Lenkerin erfasst und verletzt worden war, starb eine Radfahrerin später im Krankenhaus. Doch woran konnte nicht geklärt werden. SYMBOL: VN/HB

35-jährige Frau, angeklagt wegen fahrlässiger Tötung, bleibt straffrei.

Dornbirn „Und wie geht’s Ihnen heute?“, fragt Richter Frank Plasinger die Beschuldigte gleich zu Beginn der Verhandlung am Bezirksgericht Dornbirn. „Besser“, antwortet die 35-Jährige. Schließlich war ihr Gemütszustand nicht immer so. Denn seit dem 5. Oktober 2018 überschatten schreckliche Schuldgefühle die Seele der Frau. Damals, es war in Lustenau, erfasste sie mit ihrem Pkw eine Radfahrerin. Das schwer verletzte Unfallopfer verstarb später im Krankenhaus.

Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung, schildert die auch ansonsten schwer belastete dreifache Mutter das tragische Geschehen: „Ich stand mit dem Auto erst vor der Stopptafel und fuhr dann los. Und dann war plötzlich die Radfahrerin da!“

Sie habe die Frau schlicht und einfach übersehen. Das Gericht glaubt ihr das auch. Unklar ist zudem, ob das Opfer damals tatsächlich den Verletzungen des Unfalls erlegen war. Die Frau erkrankte im Spital an einer Lungenentzündung. Auch das hätte die Ursache ihres Todes sein können.

Keine Obduktion

Es wurde damals keine gerichtliche Obduktion des Leichnams angeordnet. Der Innsbrucker Gerichtsmediziner Walter Rabl stellte dazu fest: „Sind keine Obduktionsergebnisse vorhanden, liegt die Fehlerquote bei der Einschätzung der Todesursache bei 30 bis über 50 Prozent.“

Unmöglich also, bei der ursprünglichen Anklage der fahrlässigen Tötung durch einen Unfall zu bleiben. „Jetzt reden wir von einer einfachen Fahrlässigkeit“, stellt Richter Plasinger fest. Ein Faktum also, das mit einem außergerichtlichen Tatausgleich ohne Verurteilung (Diversion) behandelt werden könnte. Etwa mit einer Geldbuße. Doch die beschuldigte Mutter befindet sich derzeit in Betreuung einer gemeinnützigen Organisation. Sie hat zudem 58 (!) anhängige Exekutionsverfahren im Nacken. Es ist also wohl kaum auch nur ein Cent bei ihr zu holen.

Diversion auf Probezeit

Gemeinnützige Arbeit vielleicht? Doch Rechtsanwalt Rainer Welte als Erwachsenenvertreter der Angeklagten wirft ein: „Ich weiß nicht, ob meine Mandantin physisch oder psychisch überhaupt in der Lage ist, zu putzen oder etwa Kühe zu melken.“ Der Fall ist außergewöhnlich – und so auch seine rechtliche Konsequenz. Der Richter spricht eine Diversion aus, die jedoch nur dann in Kraft tritt, wenn innerhalb einer Probezeit von einem Jahr nichts mehr geschieht. Ein vertagtes Verfahren also. Und somit keine Verurteilung und auch keine Strafe.