Weitere Zeugen in der Causa Harder Grundstücksdeal

Vorarlberg / 10.01.2020 • 15:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Klagsvertreter Karl Schelling (r.) und Beklagtenvertreter Nicolas Stieger am Gerichtsgang vor Prozessbeginn. ECKERT

Laut Sachverständigen war Verkäufer nicht geschäftsfähig, Laien berichten Unterschiedliches.

Christiane Eckert

Feldkirch Wieder einmal ging am Freitag im dritten Rechtsgang eine Zivilverhandlung wegen des Harder Grundstücksdeals bei Richterin Sieglinde Stolz am Landesgericht Feldkirch über die Bühne. Wie berichtet, verkaufte im Jahr 2015 ein damals 96-Jähriger in Hard ein Grundstück um 50.000 Euro. Nach Umwidmung wäre dieses jedoch rund 800.000 Euro wert. Der Gedanke eines illegalen Schnäppchens kam auf, der Sohn des Verkäufers, selbst Rechtsanwalt, klagt auf Unwirksamkeitserklärung des Kaufvertrages. Die Gegenseite glaubt, dass der Hochbetagte sehr wohl wusste, was ihm wichtig war und was er wollte.

Einige Gutachten

Mittlerweile liegen insgesamt fünf Gutachten auf dem Tisch. Das erste wurde ein halbes Jahr nach Vertragserrichtung erstellt. Alle Fachleute kommen zu dem Ergebnis, dass der betagte Mann damals nicht geschäftsfähig war. Zeugen berichteten bislang Unterschiedliches. Das Oberlandesgericht Innsbruck besteht darauf, dass im Beweisverfahren alles getan wird, um Licht in die Sache zu bringen. Somit bleibt der Richterin nichts anderes übrig, als jeden beantragten Zeugen zu vernehmen. Am Freitag entschuldigte sich ein älterer Herr grippebedingt. Im Februar soll nochmals versucht werden, ihn als Zeugen zu befragen. Er habe sich damals mit dem 96-Jährigen über Kühe unterhalten.

Widersprüche erklärlich

Warum Zeugen den damals bereits über 90-Jährigen teilweise für „normal“ hielten, lässt sich nachvollziehen. Wenn er selbstständig sprach, habe er sich gut artikulieren können, alles schien Sinn zu machen und nichts fiel auf. Doch es gibt auch andere Aussagen. So war eine Konversation zeitweise unmöglich, er konnte Dinge überhaupt nicht einordnen, erkannte Bekannte nicht, sprach wirr und unzusammenhängend. „Dass jemand seinen Heimweg genau beschreiben kann, schließt eine Demenz nicht aus“, versucht es ein Neurologe nochmals zu verdeutlichen. Der Prozess wird weitergehen, bis beide Seiten glauben, dass alles gesagt ist.