Diese Gemeinden feiern ihr 1200-jähriges Jubiläum

Vorarlberg / 11.01.2020 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die ersten schriftlichen Benennungen sind niedergeschriebene Rechtsgeschäfte. ARCHIV

Urkunden von Schultheiß Folcwin mit erstmaliger Erwähnung von Schlins, Schnifis, Nüziders, Bürs, Nenzing und Brederis.

Drusental Wir schreiben das Jahr 820. Ludwig der Fromme herrscht im fränkischen Reich, in dessen Gebiet auch das heutige Ländle fällt. Vorarlberg war damals noch keine politische Einheit, vielmehr verlief am Kumma eine kirchliche und teils auch ethnische Trennlinie, welche auch heute noch das Land zwischen Ober- und Unterland trennt. Im Oberland, damals als Vallis Drusiana und heute fälschlicherweise als Vorarlberger Süden bezeichnet, war der Alemanne Folcwin im Namen des rätischen Grafen Hunfrid als Schultheiß tätig, also als Beamter mit richterlichen Befugnissen.

Dieser nutzte seine Befugnisse und sein soziales Prestige, um sich während seiner Amtszeit Besitz, insbesondere in seinem Wohnort Sclene/Scline/Schlins und am Gerichtsort Vinomna/Ranguila/Rankweil anzueignen. Doch was damals (wahrscheinlich) ein Unglück für die größtenteils rätoromanische Bevölkerung war, stellt sich heute als Glücksfall für die Geschichtswissenschaften heraus. Denn der Urkundenfundus von Folcwin wurde nach seinem Tod dem ihm nahestehenden Kloster St. Gallen übergeben, welches den historischen Schatz noch bis heute hütet.

Mehrere Nennungen

In den 27 Urkunden werden mehrere Gemeinden des Walgaus im Zuge von Rechtsgeschäften und Zeugenherkunft erwähnt. Somit ist die älteste schriftliche Nennung der Walgauer Ortschaften Escliene, Nanciengos, Nezudene, Purie und Senobio (Schlins, Nenzing, Nüziders, Bürs und Schnifis) sowie des Vorderländer Brederis das Jahr der Rechtsgeschäfte, 820, und somit vor genau 1200 Jahren. „Natürlich sind alle schriftlich erstmals genannten Orte um einige Generationen älter“, informiert Peter Erhard, Leiter des Stiftsarchivs des Klosters St. Gallen. „Siedlungsspuren auf der Vatlära oder dem Muggastierbühel deuten klar auf eine bronzezeitliche und römische Begehung der Landschaft hin. Einige Ortsnamen wie Nenzing sind aber klar germanischer Herkunft, weshalb wir hier mit einer Neugründung durch alemannische Siedler im 6. Jahrhundert rechnen müssen.“ Nichtsdestotrotz ist eine so frühe Nennung einer Ortschaft beachtlich. Dem Umstand zollt nun das Kloster St. Gallen im Jubiläumsjahr mit der Ausstellung „Folcwins Gedächtnis – Ein Privatarchiv aus dem frühmittelalterlichen Rätien“ in seinen Räumlichkeiten Tribut. Diese beginnt mit Freitag, 10. Jänner, und kann bis zum 6. Jänner 2021 betrachtet werden; die Vernissage hierzu findet am 13. Jänner um 17 Uhr statt.

Veranstaltungen in Gemeinden

„Schwerpunkte sind die 27 Urkunden aus dem Dossier von Folcwin. Auch zeigen wir die Urkunde Hunfrid und das Verbrüderungsbuch mit dem Eintrag der beiden samt ihren Frauen“, informiert Erhart und ergänzt: „Damit präsentieren wir die ältesten schriftlichen Dokumente aus dem Gebiet des heutigen Vorarlberger Oberlands und öffnen ein Fenster in eine meist völlig unbekannte Epoche.“ Auch in den Gemeinden sind Veranstaltungen geplant, unter anderem Vorträge, Workshops sowie Fahrten nach St. Gallen. Nähere Infos hierzu folgen noch.