Langläufer Baldauf am Dienstag wegen Dopings vor Gericht

Vorarlberg / 11.01.2020 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dominik Baldauf bei den olympischen Spielen in Pyeongchang. Ein Jahr später flog der Sulzberger bei der WM in Seefeld auf. <span class="copyright">REUTERS</span>
Dominik Baldauf bei den olympischen Spielen in Pyeongchang. Ein Jahr später flog der Sulzberger bei der WM in Seefeld auf. REUTERS

Dem 27-jährigen Sulzberger drohen Haft- und Geldstrafe. Das Land hat noch keine Rückforderung erhoben.

Innsbruck Es geht für den ehemaligen Langläufer Dominik Baldauf ans Eingemachte. Am Innsbrucker Landesgericht muss sich der ehemalige Olympionike und WM-Teilnehmer wegen des Verbrechens des gewerbsmäßigen schweren Betrugs verantworten. Er habe sich im Zeitraum von Anfang 2016 bis Anfang 2019 verbotene Wirkstoffe zur Leistungssteigerung injiziert. Zudem habe er im genannten Zeitraum für denselben Zweck Blutdoping vorgenommen. Dadurch habe er Veranstalter, Dienstgeber, Sponsoren und Unterstützer getäuscht. Der berechnete Schaden beläuft sich auf knapp 40.000 Euro. Baldauf ist weitestgehend geständig.

Fast 30.000 Euro vom Land

Wie die VN recherchierten, erhielt Dominik Baldauf im Laufe seiner Langläuferkarriere vom Land Vorarlberg insgesamt 26.900 Euro. Diese Zuwendungen erstreckten sich über einen Zeitraum von 2012 bis Anfang 2019. Wie viel Baldauf davon rückerstatten muss, wurde noch nicht festgelegt. Dazu die neue Sportlandesrätin Martina Rüscher (47): „Wir werden von ihm die volle Summe der Förderung, die er während des belegten Dopingzeitraums vom Land erhalten hat, zurückfordern. So steht es ja auch im Vertrag, den er unterschrieben hat. Aber wir tun das auf Basis eines rechtmäßigen Urteils. Auch wollen wir mit Dominik Baldauf Rückzahlungsmodalitäten vereinbaren, die für ihn machbar sind. Wir wollen ihn ja nicht vernichten.“

„Wir wollen mit ihm machbare Rückzahlunsmodalitäten vereinbaren.“

Martina Rüscher, Sportlandesrätin

In Seefeld verhaftet

Dominik Baldauf wurde während der Nordischen Ski-WM in Seefeld am 27. Februar des Vorjahres zusammen mit seinem Kollegen Max Hauke im Zuge der Operation Aderlass praktisch in flagranti ertappt und verhaftet. Baldauf war Teil eines Dopingnetzwerks, das vermutlich vom deutschen Arzt Mark S. (41) gesteuert wurde. Der Arzt aus Erfurt wurde ebenfalls festgenommen. Er soll insgesamt 23 Sportler aus acht Ländern „betreut“ haben und an diesen entweder persönlich oder mittels seiner Helfer Blutdoping vorgenommen sowie sie mit leistungssteigernden Mitteln versorgt haben. Eine zentrale Rolle im Dopingsystem des Mark S. spielte auch der ehemalige österreichische Langläufer Johannes Dürr. Er soll Baldauf und Hauke Blutdoping schmackhaft gemacht haben.

Laut dem deutschen Nachrichtenmagazin „Spiegel“ kannten die meisten Dopingkundschaften den Erfurter Arzt nur unter dem Namen „David“ oder „David Novak“. Nur Dürr, Hauke und Baldauf hätten seinen richtigen Namen gewusst.

Baldauf hofft auf mildes Urteil

Bei seinem Prozess Ende Oktober vorigen Jahres kam Max Hauke mit fünf Monaten bedingter Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 480 Euro davon. Zivilrechtlich dürfte er mit weiteren Rückzahlungsforderungen konfrontiert werden.

Ein ähnliches Urteil ist auch für Dominik Baldauf zu erwarten. Der Sulzberger hat laut VN-Informationen zwischenzeitlich mit einem Studium in Innsbruck begonnen. In der Tiroler Landeshauptstadt wird er sich am Dienstag vor Richterin Andrea Wegscheider zu verantworten haben. Die Anklage führt Staatsanwalt Dieter Albert.

Landesförderung Dominik Baldauf

2012/2013 3200 Euro

2013/2014 3200 Euro
2014/2015 4000 Euro
2015/2016 4500 Euro
2016/2017 4000 Euro
2017/2018 6000 Euro
2018/2019 2000 Euro
Insgesamt 26.900 Euro