Er war ein Urgestein im Walgau

Vorarlberg / 12.01.2020 • 17:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Guntram Jussel: „Wichtig ist die Gelassenheit.“
Guntram Jussel: „Wichtig ist die Gelassenheit.“

Dkfm. Dr. Guntram Jussel (91) gestorben.

BLUDESCH Am 4. Jänner 2020 verstarb im 91. Lebensjahr Dkfm. Dr. Guntram Jussel. Er war durch 40 Jahre bis 1993 Unternehmer, der die Mühle und das Mischfutterwerk A. Jussel & Söhne in Bludesch betrieben hat. Für ihn als Dorfchronisten von Bludesch war die Befassung mit Geschichte sein Lebensinhalt.

Der Verstorbene war Ehrenringträger der Gemeinde Bludesch und über viele Jahre Mitglied der Gemeindevertretung und des Gemeindevorstandes. Er war auch Gründungsmitglied der Agrargemeinschaft Bludesch und von 1963 bis 1999 deren Obmann sowie der Regionalplanungsgemeinschaft Walgau.

„Ich bin voll beschäftigt. Geschichtsforschung ist seit 20 Jahren mein Lebensinhalt. Langeweile kenne ich nicht. Die habe ich übrigens mein ganzes Leben nicht gekannt“, bekräftigte Dr. Jussel 2015 in einem Gespräch mit mir. Er wurde 1929 in Klaus/Vorarlberg geboren und maturierte nach einem Kriegseinsatz an der damaligen Handelsakademie in Bregenz/Mehrerau. Anschließend studierte er an der Hochschule für Welthandel (der heutigen Wirtschaftsuniversität) in Wien, wo er 1950 zum Diplomkaufmann graduierte und 1952 zum Doktor der Handelswissenschaften promoviert wurde. Seine Dissertation war auch seine erste größere geschriebene Arbeit. Sie trug den Titel „Bestimmungsgründe der Betriebsgröße und Ursachen der Kapazitätserweiterung in der österreichischen Mühlenwirtschaft“. Guntram Jussel legte aber auch zusätzlich die Gesellen- und Meisterprüfung im Müllerhandwerk ab und wurde bereits 1955 Innungsmeister. Im Rahmen der Wirtschaftskammer Vorarlberg war er u. a. auch Kammerrat, Sektionsobmannstellvertreter, Gremialvorsteher, Bundeskammerrat und Kurator des Wifi Vorarlberg.

Als Dorfchronist von Bludesch sammelte, katalogisierte, ordnete und schrieb Guntram Jussel unermüdlich geschichtliche Schriften und Bücher. Sein Haupt- und Lebenswerk ist die im November 2013 fertiggestellte vierbändige Gemeindechronik von Bludesch mit zwei Dorfbüchern 1995 und 2006. Bis 2009 war er auch im Österreichischen Alpenverein (ÖAV) aktiv und hat u. a. intensiv am Vorarlberger Landeswegekonzept mitgearbeitet. Bis 2007 war er Redakteur der Alpinzeitschrift „Bergfreund“. Von ihm stammen auch zahlreiche Beiträge zur Alpenvereinsgeschichte. Neben dem Ehrenring der Gemeinde Bludesch wurde Jussel mit dem Ehrenring der Bundesinnung der Müller ausgezeichnet. Alle anderen Auszeichnungen lehnte er strikt ab. 1970 war Guntram Jussel mit Pfarrer Fridolin Walser und Bruno Oberhammer als künstlerischem Leiter Mitbegründer der Internationalen Bludescher Orgelkonzerte. Jahre später hat er dann den Bergöntzle-Verein ins Leben gerufen und diesen durch viele Jahre als Obmann geleitet. Guntram Jussel hat in mehreren Publikationen die „Infrastruktur“ der Bludescher Konzerte herausgestrichen, am eindrücklichsten in seinem 2008 veröffentlichten Buch „Denkmäler und Kirchen – Bludesch“, in welchem er die St. Nikolauskirche, die St. Jakobskirche und die Silbermann-Bergöntzle-Orgel beschreibt.

Interesse an Kunst

Bruno Oberhammer führt dazu gegenüber den VN aus: „Bis vor zwei Jahren war Guntram Jussel ständiger Besucher der Bludescher Konzerte. Ihm war klar, dass die großartigen drei Bludescher Kunstdenkmäler nur über die Konzerte als solche im Bewusstsein der Menschen bleiben werden. Deshalb war ihm deren Bestand enorm wichtig, um nicht zu sagen: Teil seines Vermächtnisses. Im Grunde also ein klarer Auftrag an seine Nachwelt.“

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