Bezirksgericht Dornbirn: Ein Ex-Offizier und kein Gentleman

Vorarlberg / 13.01.2020 • 13:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wer schnappte sich nun wirklich das „verspätete“ Geld aus dem Schlitz des Bankomaten? Die Frage konnte vor Gericht nicht geklärt werden. SYMBOL/VN

70-jähriger Deutscher soll fremdes Geld aus Bankomaten „stibitzt“ haben: Freispruch im Zweifel.

Dornbirn Die Anschuldigung vor dem Bezirksgericht Dornbirn ruft blankes Entsetzen beim Senior aus ostdeutschen Landen aus. Wie bitte? Ihm, einem ehemaligen Offizier der nationalen Volksarmee, wird schnöde Diebeshand vorgeworfen? Er, ehemals Leiter einer Spezialeinheit in Afghanistan und Mosambique, soll sich bei einem Bankomaten in Hohenems an fremdem Geld vergriffen haben? Der stolze Preuße schäumt vor Wut und ist aufgeladen wie eine Kalaschnikow. „Ach! Das regt mich so auf, dass ich eine Gegenanzeige gegen diese Frau erstatte!“

„Klemmte“ der Bankomat?

Diese Frau, eine 58-jährige Vorarlbergerin, sagt als angeblich geschädigte Zeugin wie folgt aus: „Ich gab meinen Code am Bankomaten ein, um mir 300 Euro auszahlen zu lassen.“ Doch aus dem Geldautomaten seien keine Scheine geflattert. Zumindest nicht sofort. So ging sie von dannen. Um kurz darauf bei der Beschwerde im Geldinstitut gar böse überrascht zu werden: Tatsächlich fehlten auf dem Kontoauszug 300 Euro.

Dafür konnte es ihrer Meinung nach nur eine Erklärung geben. Nachdem der Geldautomat die Euro schließlich doch ausgespuckt hatte, wurden sie von dem 70-jährigen Deutschen aus dem offenen Schlitz entnommen und eingesteckt. Denn laut Aufzeichnung der Videokamera am Bankomaten war der Beschuldigte tatsächlich der unmittelbar nächste Kunde am Automaten gewesen.

Ominöse Jugendliche

Da schäumt der Beschuldigte in Richtung der Zeugin: „Sich so dumm anstellen und dann auch noch andere Leute beschuldigen!? Und die Polizei hätte auch besser recherchieren sollen und nicht mit dem halben A . . .! Ich hingegen war Offizier und weiß, wie man aufklärt.“ Als er, der Angeklagte, damals zum Bankomaten vorgefahren sei, hätten sich dort mehrere Jugendliche aufgehalten. „Die haben erst laut rumgealbert. Als sie mich sahen, begannen sie zu tuscheln. Wenn, dann haben die das Geld gestohlen.“

Richter Frank Plasinger will von der Zeugin wissen, ob auch ihr damals Jugendliche aufgefallen seien. „Kein Mensch und keine Seele“, beteuert sie. Doch der 70-Jährige bleibt dabei: „Ich habe nur mein Geld genommen. Und ich will österreichischer Staatsbürger werden. Da werde ich mich doch nicht wegen 300 Euro in die Nesseln setzen.“

Die Beweislage ist schlussendlich zu dünn. Richter Plasinger fällt einen Freispruch im Zweifel. Der Preuße scheint zwar erleichtert, doch nicht wirklich zufrieden. Mahnend hebt er den Zeigefinger und sagt abschließend: „Das ist diskriminierend. Nein, das geht wirklich nicht!“