Man kann so viel falsch machen

Vorarlberg / 13.01.2020 • 18:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Ich bin noch nicht ganz fertig mit den guten Vorsätzen fürs 2020er-Jahr. Mit einem davon habe ich schon letztes Jahr ein bisschen angefangen: etwas planetenschonender zu leben, indem man ein paar Dinge ein bisschen anders, besser oder nicht mehr macht. Unter anderem wollte ich: freundlich sein zu Singvögeln, dabei mithelfen, dass ihre Population nicht schrumpft. Aus einer Ende 2019 hoch emotionalisiert geführten Debatte habe ich dann gelernt, dass ich da eh schon viel leiste, allein durch den Umstand, dass ich keine Katze besitze. Wobei, eine Wiener Wohnungskatze wäre okay. Aber freilaufende Hauskatzen gehören offenbar zu den schlimmsten Feinden der Singvögel: Eine Studie sprach von 200 Millionen jährlich von Katzen getöteten Singvögeln allein in Deutschland. Experten bezweifeln diese Zahl, es wird aber begrüßt, dass ein Bewusstsein dafür geschaffen wurde, dass Hauskatzen nicht nur kuschelige Mitbewohner, sondern auch effiziente Räuber sind, die die Vogelbestände in manchen Gegenden empfindlich dezimieren. Dass KatzenbesitzerInnen diese Diskussion ungern führen, ist verständlich; passiert jetzt auch nicht. Wie gesagt, wir haben keine Katze, wir füttern nur am Land eine Nachbarskatze, und tun damit hoffentlich den Vögeln etwas Gutes. Ich wollte aber auch in der Stadt etwas für die Vögel tun, indem ich sie füttere.

Was einem nicht fremd ist, wenn man in einem Haus am Land aufwuchs: Wir hatten immer ein Vogelhaus, von meinem Vater gebaut und katzenabweisend auf einem hohen Stock platziert. Weshalb natürlich der Bau eines Vogelhauses mein erster Gedanke war: Ich recherchierte sogleich simple Baupläne. Es geschah, was Journalistinnen immer wieder geschieht: Oft macht einem die Recherche die schönste Geschichte zunichte. Denn das Internet sagte: Vogelhäuschen bloß nicht! Denn in den Häuschen hüpfen die Vögel herum, verunreinigen sie mit Ausscheidungen und stecken sich dann beim Fressen mit Infekten und Keimen an. Man kann so viel falsch machen beim Gutes-Tun.

Ich kaufte dann so eine Futtersäule, füllte sie mit exquisiten Körnern und hängte sie erwartungsfroh auf den Balkon. Das war im November. Ich warte immer noch, dass ein Vogel zum Fressen kommt.

Mein geschätzter Falter-Kollege und Tier-Kolumnist Peter Iwaniewicz* lachte mich aus und klärte mich auf. Wer Vögel füttern will, muss früher damit beginnen, möglichst ganzjährig füttern und auch ein paar andere lockende Anreize bieten. Ich hängte ein paar Äpfel an Haken. Sie faulen langsam vor sich hin. Heute setzte sich auf einen davon eine Meise. Glück kann so einfach sein.

*) Peter Iwaniewicz: Menschen, Tiere und andere Dramen. Warum wir Lämmer lieben und Asseln hassen. (Kremayr & Scheriau)

„Ich kaufte dann so eine Futtersäule, füllte sie mit exquisiten Körnern und hängte sie erwartungsfroh auf den Balkon.“

Doris Knecht

doris.knecht@vn.at

Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.