„Brot und Süßes vom Vortag schmeckt meiner Familie ebenfalls“

Vorarlberg / 14.01.2020 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ulrike Wurzenberger nimmt das Angebot gerne an. Sie kommt täglich, um eine Jause für die Kollegen und auch Brot für sich persönlich zu kaufen. VN/Paulitsch
Ulrike Wurzenberger nimmt das Angebot gerne an. Sie kommt täglich, um eine Jause für die Kollegen und auch Brot für sich persönlich zu kaufen. VN/Paulitsch

Brot von gestern bekommt in eigener Filiale eine zweite Chance.

Dornbirn Das Wegwerfen von Lebensmitteln wird ein immer größeres Thema. In Vorarlberg landen durchschnittlich jedes Jahr pro Person etwa elf Kilogramm genießbare Lebensmittel im Abfall. Dabei führen Brot, Süß- und Backwaren die Liste der Lebensmittel im Rest- und Bioabfall an. Damit weniger Brot auf dem Abfall landet, gibt es in Dornbirn ein neues Geschäftskonzept im Sinne der Nachhaltigkeit.

Restbrot ist eine gute Sache

Vor knapp einer Woche hat die Bäckerei Mangold eine Filiale unter dem Motto „Gutes von gestern“ eröffnet, in der nur Brot und Mehlspeisen vom Vortag zum halben Preis verkauft werden. „Das finde ich eine gute Idee. Ich komme ab jetzt öfters, da Brot vom Vortag genauso gut schmeckt wie frisches“, verspricht eine Kundin während sie bezahlt. Glücklich über das Angebot ist auch Ulrike Wurzenberger. Die Feldkircherin arbeitet nebenan im „Kauf dir was“, dem Geschäftslokal des Ausbildungszentrums Vorarlberg. „Wir sind froh, wieder eine Bäckerei in unmittelbarer Nachbarschaft zu haben.“ Dass es in dieser Filiale „nur“ Restbrot gibt, findet sie eine gute Sache. „Wir holen hier täglich unsere Jause. Außerdem nutze ich die Möglichkeit und kaufe auch gleich für den Privatgebrauch ein. Brot und Süßes vom Vortag schmeckt meiner Familie“, erklärt Wurzenberger.

Voll ausgestattete Filiale

Umgesetzt haben Egon und Monika Haag ihre Idee in der ehemaligen Mangold-Filiale im Wallenmahd, direkt an der L 190. „Wir konnten die schon vorhandene Infrastruktur verwenden. Wir mussten keine neuen Ressourcen verschwenden. So ist es uns möglich, das Brot vom Vortag appetitlich zu präsentieren“, erklärt Geschäftsführer Egon Haag. In den Regalen und in der Verkaufstheke findet sich täglich ein variierendes Sortiment. Es komme darauf an, was am Vortag übrig geblieben sei, so die Haags. Die Ware stammt aus elf der insgesamt 35 Filialen. Frühmorgens erfolgt die Anlieferung in das neueste Geschäftslokal, das von Dienstag bis Samstag geöffnet hat. Ziel sei es, die Filiale wirtschaftlich zu betreiben. „Zehn Prozent des Umsatzes werden gespendet. Im Jänner und Februar bekommt das HoKi, die Hospizbegleitung für Kinder und Jugendliche das Geld“, erzählt das Unternehmerpaar. Mit der neuen Filiale wollten sie auch eine klare Linie zu den übrigen Filialen ziehen. „Wir wollten keine Geschäftslokale, in denen es beides – frisches und Brot vom Vortag – gibt.“

Bisher wurde die Idee positiv angenommen. Sollte das Konzept weiter ankommen, wäre eine zweite „Gutes von gestern“-Filiale andenkbar. „Wir haben schon eine Anfrage für einen Pop-up-Store in Feldkirch bekommen“, so Monika Haag abschließend. VN-PAG

„Für die neue Filiale konnten wir auf vorhandene Infrastruktur zurückgreifen.“