Fünf Monate bedingte Haft für Baldauf

Vorarlberg / 14.01.2020 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Blutdoping-Sünder Dominik Baldauf wurde am Dienstag am Landesgericht Innsbruck wegen schwerem Sportbetrug zu bedingter Haftstrafe verurteilt.APA
Blutdoping-Sünder Dominik Baldauf wurde am Dienstag am Landesgericht Innsbruck wegen schwerem Sportbetrug zu bedingter Haftstrafe verurteilt.APA

Ex-Langläufer in Innsbruck wegen schwerem Sportbetrug schuldig gesprochen. Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Innsbruck 10.000 Euro hat der ehemalige Sulzberger Langläufer Dominik Baldauf jedes Jahr dafür bezahlt, dass man ihm in irgendeinem Hotelzimmer regelmäßig Blut abzapfte und ihm irgendwann später wieder zuführte. Dazu verpasste er sich ab dem Zeitraum vom Herbst 2017 bis kurz vor seiner Verhaftung mehrere sogenannte „Pens“ – das sind Spritzen mit Wachstumshormonen. 300 Euro zahlte er für jede dieser Spritzen.

Von April 2016 bis zu seinem Auffliegen im Jahre 2019, zur Zeit der Nordischen Ski-WM in Seefeld, bediente sich der Olympionike und mehrfache österreichische Meister illegaler Methoden der Leistungssteigerung, ehe die Ermittler in der als „Operation Aderlass“ bezeichneten spektakulären Aktion während der WM zuschlugen. Selbst die Cobra war im Einsatz, als Baldauf und sein Kollege Max Hauke verhaftet wurden. Gleichzeitig klickten für den Arzt Mark S., der mutmaßlich ein weit verzweigtes Dopingnetzwerk leitete, die Handschellen. Von Hauke wurde von einem Polizisten das aufsehenerregende Foto gemacht, wie noch die Infusionsnadel in seinem Arm steckte.

„Gedopt und getäuscht“

„Ich bekenne mich teilweise schuldig. Ans Geld habe ich bei meinen Handlungen nicht gedacht. Ich wollte bei der Heim-WM in Seefeld mein Potenzial zeigen“, rechtfertigte sich der Vorarlberger. Schließlich wurde ihm beim Urteil des Schöffengerichts unter Führung von Richterin Andrea Wegscheider das „gewerbsmäßig“ beim Schuldspruch, der auf „schweren Betrug“ lautete, gestrichen. „Sie haben gedopt und getäuscht“, war die Kommentierung der Vorsitzenden jedoch deutlich. Strafmildernd wirkten sich die Unbescholtenheit des Beschuldigten sowie sein Geständnis aus. Als erschwerend wurde vor allem der lange Zeitraum von drei Jahren sowie das volle Programm, bestehend aus Blutdoping plus Einnahme von Wachstumshormonen, bewertet.

Der Firma Fischersport wurde eine Schadenssumme von 8000 Euro zugesprochen, dem ÖSV als Geschädigtem 960 Euro. Zivilrechtliche Forderungen, unter anderem von der Vorarlberger Landesregierung, werden noch hinzukommen.

Dem Arzt vertraut

Bei seiner Einvernahme schilderte Baldauf, wie er in den Dopingsumpf geschlittert war. Begonnen hatte alles im Frühjahr 2016, als der schon als Dopingsünder bekannte Kollege Johannes Dürr Möglichkeiten für illegale Leistungssteigerungen aufzeigte.

Er war es auch, der Kontakt zum Erfurter Arzt Mark S. knüpfte. Ende April, Anfang Mai ließ der Sulzberger das erste Blutdoping über sich ergehen. Es folgten regelmäßige Behandlungen dieser Art, ehe ab Herbst 2017 auch Wachstumshormone in Form von Spritzen hinzukamen. „Und sie haben das einfach eingenommen, ohne zu wissen, was es ist?“, fragte ihn Staatsanwalt Dieter Albrecht eindringlich. „Ich habe dem Arzt vertraut“, antwortete Baldauf.

Nicht rechtskräftig

Sowohl Baldauf-Verteidiger Andreas Mauhart, der auch dessen Kollegen Max Hauke vertrat, als auch Staatsanwalt Dieter Albert meldeten Nichtigkeit und Berufung gegen die Strafhöhe an. Die Urteile sind daher noch nicht rechtskräftig.

„Ich bekenne mich teilweise schuldig. Ans Geld habe ich dabei nicht gedacht.“