Der Einsamkeit entfliehen

Vorarlberg / 15.01.2020 • 18:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Margret Hämmerle freut sich, dass sie ihre Idee, einen Treffpunkt für alleinstehende Menschen zu initiieren, endlich verwirklichen konnte.    VN/kum
Margret Hämmerle freut sich, dass sie ihre Idee, einen Treffpunkt für alleinstehende Menschen zu initiieren, endlich verwirklichen konnte.    VN/kum

Nach dem Tod ihres Mannes fühlte sich Margret Hämmerle einsam. Nun hat sie eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Lustenau Margret Hämmerle (64) lebte viele Jahre lang geborgen in der eigenen Familie. Mit 19 Jahren heiratete die gebürtige Tirolerin Werner. Drei Töchter krönten ihre Liebe. Dem Paar waren 35 gemeinsame Jahre beschieden. Die letzten sechseinhalb Jahre waren geprägt von Werners Krankheit. Er war an Krebs erkrankt. Margret begleitete und pflegte ihren Mann bis zu seinem Tod im Jahre 2010. „Dabei kam mir zugute, dass ich vom Fach war und viele Jahre als Krankenschwester gearbeitet habe.“

„Lebe dein Leben“

Vor seinem Tod sagte ihr Mann zu ihr: „Lebe dein eigenes Leben und hänge dich nicht an die Kinder und Enkel.“ Margret beherzigte seinen Ratschlag. „Abends ging ich nie zu den Kindern. Da war ich allein.“ Das war ungewohnt für Margret. „Ich hielt es daheim nicht aus. Ich musste raus und ging auf Veranstaltungen. Aber da redete mich niemand an.“ Obwohl die Familie hinter ihr stand, fühlte sich die Witwe allein und einsam. „Ich fing dann zu reisen an. Irgendwie muss man ja überleben.“ Sie bereiste jene Länder in der Gruppe, die ihr Mann noch sehen wollte: Marokko, Südafrika und Israel. Als sie einmal zuhause krank im Bett lag, hatte sie viel Zeit zum Nachdenken. „Da kam mir die Idee, einen Treffpunkt für jene zu initiieren, die allein sind und mit anderen reden wollen.“ Sie bat bei verschiedenen Institutionen um Unterstützung für ihre Idee. „Aber es verlief alles im Sand.“ 2013 besuchte Margret eine Selbsthilfegruppe für Hinterbliebene. Dort lernte sie Josef, ihren jetzigen Partner, kennen. „Josef hat seine Frau verloren und ich meinen Mann. Wir haben viel darüber geredet.“

Ein soziales Netz aufbauen

Margret war jetzt wieder gebunden, aber die Idee einer Selbsthilfegruppe für einsame und alleinstehende Menschen spukte weiter in ihrem Kopf herum. „Im Oktober habe ich in den VN einen Artikel über Einsamkeit gelesen. Da dachte ich mir: ,Jetzt mache ich noch einmal einen Anlauf.‘“ Sie kontaktierte die Selbsthilfe in Dornbirn. Dort begrüßte man ihre Idee und bot ihr die Räume der „Selbsthilfe Vorarlberg“ für die Treffen an. Und nun ist es endlich soweit. Die neue Selbsthilfegruppe „Treffpunkt Gemeinsam“ trifft sich jeden dritten Freitag im Monat um 19 Uhr in der Schlachthausstraße 7 c in Dornbirn. Das nächste Treffen findet morgen Abend statt. Margret freut sich darüber, dass sie ihre Idee endlich realisieren konnte. Denn sie ist überzeugt davon, dass es diese Einrichtung braucht. „Der Mensch benötigt nicht nur Nahrung, sondern auch Kontakt zu Menschen.“ Im Flyer von Treffpunkt Gemeinsam heißt es: „Wir wollen miteinander reden und eine angenehme Zeit verbringen, gemeinsame Ausflüge und Unternehmungen organisieren und ein soziales Netz aufbauen, wenn Lebenspartner nicht mehr bei uns sind, Freunde und Verwandte uns verlassen haben.“ VN-kum

„Der Mensch braucht nicht nur Nahrung, sondern auch Kontakt zu Menschen.“

Kontakt unter Tel. 0664/4349654 oder info@selbsthilfe-vorarlberg.at