Funkensprühen vor dem Funken

Vorarlberg / 15.01.2020 • 20:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Funken und Feuerwerk: Das ist nicht notwendig, meint Alpenschutzvereinsobmann Franz Ströhle. Burtscher
Funken und Feuerwerk: Das ist nicht notwendig, meint Alpenschutzvereinsobmann Franz Ströhle. Burtscher

Alpenschutzvereinsobmann Franz Ströhle verlangt Stopp von Feuerwerken.

SCHWARZACH Der Funkensonntag hat in Vorarlberg eine lange Tradition. Für die zahlreichen Funkenzünfte im Land ist er der absolute Höhepunkt des Jahres. Nicht selten werden die Funken dabei durch ein Feuerwerk bereichert. Eine Praxis, die Umwelt- und Naturschützern immer mehr sauer aufstößt.

Schadstoffbelastung

In einem Brief an Michel Stocklasa (38), Präsident des Verbandes Vorarlberger Fasnatzünfte, fordert Alpenschutzvereinsobmann Franz Ströhle (67) auf, auf die Verantwortlichen der Funkenzünfte einzuwirken, künftig auf Pyrotechnik bei den Funken zu verzichten. „Wir sind nicht gegen das Hochhalten einer alten Tradition, aber ein Feuerwerk bedeutet eine unnötige Schadstoffbelastung. Die Schadstoffkonzentration in der Luft ist an Silvester und am Funkenwochenende die höchste im Jahr“, formuliert Ströhle seine Bedenken.

Noch will es der Naturschützer, der sich im vergangenen Jahr vehement gegen das Abbrennen des Rekordfunkens in Lustenau in Szene gesetzt hatte, mit einem Appell an die Funkenzünftler bewenden lassen. „Aber sollte dieser Appell nichts nützen, werde ich kommendes Jahr die Politik dazu auffordern, Feuerwerke bei Funkenveranstaltungen per Verordnung zu verbieten.“ Mit Verboten von höherer Stelle hat Michel Stocklasa, der als Präsident des Verbandes Vorarlberger Fasnatzünfte auch 30 Funkenzünfte in seiner Organisation als Mitglieder hat, nichts am Hut. „Ich habe sehr viel Verständnis für dieses Anliegen. Aber es muss eine Diskussion auf Augenhöhe stattfinden. Über Jahrzehnte gepflegtes Brauchtum lässt sich nicht einfach durch Verordnungen verbieten“, argumentiert Stocklasa. Beim Thema Pyrotechnik bei Funken sei eine Bewusstseinsbildung im Gang. „Aber letztlich sollte jede Zunft selber entscheiden dürfen, was sie macht.“

Mit und ohne Pyro

Bewusstseinsbildung findet offensichtlich auch bei jenen statt, die auch heuer noch mit Feuerwerk ihren Funken anzünden. Bei der Brugger Funkenzunft in Höchst etwa ist man sich der wachsenden Zweifel am Feuerwerk durchaus bewusst. „Bei uns gibt es auch heuer ein Feuerwerk. Aber sollte es einmal keines mehr geben, dann werden wir damit sicher auch leben können“, sagt Albert Barth, Funkenmeister bei den Bruggern. Vor 40 Jahren hatten die Brugger erstmals ein Feuerwerk als zusätzliche Attraktion zu ihrem Funken. „Wir haben damals Geld gesammelt“, erinnert sich der heute 60-Jährige. Barth hätte nichts dagegen, würde es das Feuerwerk weiter geben. „Es gibt ja wahrlich schlimmere Umweltsünden.“

Ohne Feuerwerk kommen die Höchster Kollegen von der Dorfer Funkenzunft aus. „Wir haben das  vor zwölf Jahren probiert. Wir glaubten, es kommen dann mehr Leute. Aber dem war nicht so. Seitdem ist das bei uns kein Thema mehr“, erzählt Funkenmeister Marc Schneider.

Franz Ströhle richtet an die Funkenzünftler im Land indes noch einen weiteren Appell. Er würde sich aus ethischen Gründen keine Hexen als Brennmaterial mehr wünschen. „Kinder sollten keine menschlichen Figuren zum Verbrennen bauen.“ Mit einer Verordnung droht er bei diesem Thema nicht. VN-HK

„Beim Thema Pyrotechnik bei Funken ist eine Bewusstseinsbildung im Gang.“