Gericht: Sechs Jahre Haft für Tankstellenräuber

Vorarlberg / 15.01.2020 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte vor dem Schöffensenat: „Als ich die vielen Scheine sah, hat es bei mir ‚klick‘ gemacht.“ ECKERT

Der 51-Jährige trank am Tattag 14 Bier und etliche Schnäpse, dann griff er in die Kasse.

Christiane Eckert

Feldkirch Der Mann bringt es auf zwölf Vorstrafen, alle sind einschlägig. In Haft saß er bereits mehrfach, mit dem Alkohol hat er ein massives Problem. Am Tattag, dem 12. November vergangenen Jahres, trank er bereits seit sieben Uhr morgens, begonnen hat er zuhause in seinem Partykeller. Später zog er durch mehrere Lokale, bis er schlussendlich abends in der Eni-Tankstelle in der Lustenauerstraße in Dornbirn landete. Auch dort trank er noch einige Bier. „Ich saß mit Blick auf die Kasse und als die Angestellte diese aufmachte und ich die vielen Scheine sah, hat es bei mir ‚klick‘ gemacht“, erinnert sich der Mann bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch bruchstückhaft. Dass er ihr sein Taschenmesser, das er hin und wieder für die Jause benutzt, vorgehalten hat, kann er sich nur noch dunkel erinnern. Auch dass er sagte „Dir passiert nix, Geld her“, habe ihm die Polizei im Nachhinein erzählt. Die Beute: 1405 Euro. Zunächst konnte der Unmaskierte fliehen, am nächsten Tag wurde er jedoch verhaftet.

Längere Geschichte                                                                               

Als der vorsitzende Richter Georg Furtschegger den U-Häftling nach dem Motiv fragt, seufzt der gebürtige Kärntner und sagt: „Das ist eine längere Geschichte.“ Die Lebensgefährtin des Mannes hat ein krankes Kind. Dieses musste operiert werden, ein Selbstbehalt von ein paar Tausend Euro war zu bezahlen. Die Frau arbeitet hart und bemüht sich, das Geld ist dennoch knapp. Sie lieh es von einem früheren Lebensgefährten, dem sie es aber in Raten zurückzahlen muss. Das wollte der Alkoholiker und jetzige Lebensgefährte nicht so einfach auf sich sitzen lassen. Er wollte der Frau helfen. „Dass das der falsche Weg war, weiß mein Mandant auch. Doch darf man nicht vergessen, er hat auch ein starkes Alkoholproblem, das ihn viele Dinge nicht klar erkennen lässt, und er hat auch seinen Stolz“, setzt sich Verteidiger Horst Lumper für seinen Klienten ein.

Kein schlechter Mensch

Die Lebensgefährtin sagt als Zeugin aus. „Er ist kein gewalttätiger Mensch, er wollte mir wirklich nur helfen“, bestätigt sie. Doch für den Senat ist es schwierig, der Strafrahmen für bewaffneten Raub reicht bis zu 15 Jahren. „Ein edles Motiv können wir nicht als mildernd anrechnen“, heißt es bei der Urteilsbegründung. Somit werden es sechs Jahre Gefängnis. Dem Opfer werden 500 Euro Teilschmerzensgeld zugesprochen. Der Verurteilte erbittet Bedenkzeit, Staatsanwalt Simon Mathis kündigt bereits Berufung wegen zu niedriger Strafe an.  „Tankstellen geraten immer häufiger in das Visier von Räubern, das darf nicht sein“, hatte Mathis vor der Beratung noch eine angemessene Strafe gefordert.