Kein Ende der Austrittswelle

Vorarlberg / 15.01.2020 • 18:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Katholische Kirche verlor im vergangenen Jahr mehr als 3000 Gläubige.

Feldkirch Noch nie gab es in Vorarlberg so wenige Katholiken wie im vergangenen Jahr. Ihre Zahl sank im Vergleich zu 2018 sogar deutlich. 2018 bekannten sich 233.325 Personen zum katholischen Glauben, 2019 waren es nur noch 229.547 Personen. Der Abwärtstrend zeichnete sich allerding schon vor Längerem ab, denn 2017 lautete noch bei 236.101 Vorarlbergern das Glaubensbekenntnis auf „Römisch-Katholisch“. Ebenso wenig scheint sich die Austrittswelle stoppen zu lassen, wie aus den aktuellen Zahlen der Diözese hervorgeht. Denen zufolge haben 2019 nicht weniger als 3218 Menschen der Kirche den Rücken gekehrt. Das entspricht einer Steigerung von 7,9 Prozent. Damit liegt Vorarlberg zwar klar unter dem Bundesschnitt, der fast 15 Prozent ausmacht, allerdings auch über dem Trend der vergangenen Jahre, wie Pastoralamtsleiter Martin Fenkart eingestehen muss. Zurück in den Schoß der Kirche zog es hingegen nur 141 Personen, ebenfalls ein Tiefstwert.

Kirchensteuer schreckt ab

Die vielen Austritte schmerzen, seien aber zu respektieren, heißt es vonseiten der Kirche. Gerade junge Menschen wollen offenbar nichts mehr mit dieser Institution zu tun haben. Davon zeugt das Alter der ausgetretenen Personen. An die 40 Prozent sind jünger als 30 Jahre. „Fehlt der persönliche Bezug und die Beziehung zu aktiven Mitgliedern der Kirche, liegt ein Austritt nahe“, vermutet Martin Fenkart. Befeuert wird dieser Schritt dann häufig noch von der ersten Aufforderung zur Zahlung der Kirchensteuer. Für etwas Geld auslegen, das im Alltag keine Bedeutung hat, wollen viele nicht. Um das zu ändern und jungen Menschen in der Kirche eine Perspektive zu geben, wurden zahlreiche innovative Jugendangebote geschaffen, wie etwa das Theo-Forum, die Pasta Talks, die Pop-up-Church oder die Lehrlings- und Maturawallfahrt. Sie sollen laut Fenkart fortgeführt werden.

Lebenswenden

Was den Pastoralamtsleiter zuversichtlich stimmt: Lebenswenden bewirken sehr oft ein Umdenken. Dann wird die Kirche für viele Menschen wieder wichtig. Zentrale christliche Feste wie Hochzeit, Taufe, Erstkommunion, Firmung und Begräbnis bringen abtrünnige Schäfchen manchmal zurück. Das gilt laut Fenkart vor allem für junge Familien. 2019 waren es 124 Personen. Dazu kamen 17, die von einer anderen Glaubensgemeinschaft zur katholischen Kirche übertraten.

Kraft, Zusammenhalt und Heimat können den Menschen die Gotteshäuser in den Dörfern und Städten schenken, ist der Pastoralamtsleiter überzeugt. „Ohne Kirchen würde so etwas wie die Seele fehlen“, meint er. Deshalb sollen diese Orte für alle erhalten bleiben. Das erfordert oft aufwendige Renovierungsarbeiten. Allein 2012 wurden zwölf Kirchen saniert, heuer sind Sanierungen bei zehn bis 15 Kirchen geplant. Auch personell hat sich in der Kirche einiges getan. 25.000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich, weiters wurden 30 neue Mitarbeiter eingestellt. „Darunter waren auch zahlreiche junge Menschen“, merkt Martin Fenkart hoffnungsfroh an. VN-MM

„Für etwas Geld auslegen, das für sie keine Bedeutung hat, wollen viele nicht.“