Wo in Dornbirn Brot von gestern eine zweite Chance bekommt

Vorarlberg / 15.01.2020 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ulrike Wurzenberger nimmt das Angebot gerne an. Sie kommt täglich, um eine Jause für die Kollegen und auch Brot für sich persönlich zu kaufen. VN/PAULITSCH

Verantwortungsbewusster Umgang mit Brot und Mehlspeisen in neuer Mangold-Filiale.

Dornbirn Das Wegwerfen von Lebensmitteln wird ein immer größeres Thema. In Vorarlberg landen durchschnittlich jedes Jahr pro Person etwa elf Kilogramm genießbare Lebensmittel im Abfall. Dabei führen Brot, Süß- und Backwaren die Liste der Lebensmittel im Rest- und Bioabfall an. Damit weniger Brot auf dem Abfall landet und verantwortungsvoller damit umgegangen wird, gibt es in Dornbirn ein neues Geschäftskonzept im Sinne der Nachhaltigkeit.

Restbrot ist eine gute Sache

Vor knapp einer Woche hat die Bäckerei Mangold eine Filiale unter dem Motto „Gutes von gestern“ eröffnet, in der nur Brot und Mehlspeisen vom Vortag zum halben Preis verkauft werden. „Das finde ich eine gute Idee. Ich komme ab jetzt öfters, da Brot vom Vortag genauso gut schmeckt wie frisches“, verspricht eine Kundin, während sie bezahlt. Glücklich über das neue Angebot ist auch Ulrike Wurzenberger. Die Feldkircherin arbeitet gleich nebenan im „Kauf dir was“, dem Geschäftslokal des Ausbildungszentrums Vorarlberg. „Wir sind froh, wieder eine Bäckerei in unmittelbarer Nachbarschaft zu haben.“ Dass es in dieser Filiale nur Restbrot gibt, findet sie eine gute Sache. „Wir holen hier täglich unsere Jause. Außerdem nutze ich die Möglichkeit und kaufe auch gleich für den Privatgebrauch ein. Brot und Süßes vom Vortag schmeckt meiner Familie ebenfalls“, erklärt Wurzenberger.

Egon Haag, Mangold-Geschäftsführer: "Für die neue Filiale konnten wir auf eine vorhandene Infrastruktur zurückgreifen."
Egon Haag, Mangold-Geschäftsführer: "Für die neue Filiale konnten wir auf eine vorhandene Infrastruktur zurückgreifen."

Die Idee, Brot vom Vortag zu verkaufen, ist nicht neu. „Der Bäcker Auer in Graz macht es und auch in Deutschland gibt es einige Bäckereien, die solche Geschäftskonzepte haben“, schildert Mangold-Geschäftsführerin Monika Haag. Die Idee dahinter ist einfach. Man möchte dem Brot vom Vortag eine zweite Chance geben. So ist ein wertschätzender Umgang mit Lebensmitteln möglich, so Haag. „Bei uns gab es früher nicht immer frisches Brot“, erinnert sich die Mangold-Geschäftsführerin zurück.

Voll ausgestattete Filiale

Umgesetzt haben Egon und Monika Haag ihre Idee in der ehemaligen Mangold-Filiale im Wallenmahd, direkt an der L 190. „Wir konnten die schon vorhandene Infrastruktur verwenden. Wir mussten keine neuen Ressourcen verschwenden. So ist es uns möglich, das Brot vom Vortag appetitlich zu präsentieren“, erklärt Geschäftsführer Egon Haag. In den Regalen und in der Verkaufstheke findet sich täglich ein variierendes Sortiment. Es komme darauf an, was am Vortag übrig geblieben sei, so die Haags. Von Kleinbroten wie Schweizer Pärle oder Kürbiskernweckerl über große Brotlaibe wie Schwarz- oder Kartoffelbrot bis zu Süßem wie Krapfen, Rosinenbrötle oder Nussgipfel reichte am Dienstag das Angebot. Die Ware stammt aus elf der insgesamt 35 Mangold-Filialen. Am Abend sortieren die Verkäuferinnen in ihren Filialen das Brot und die Mehlspeisen vor. Frühmorgens erfolgt dann die Anlieferung in das neueste Geschäftslokal, das von Dienstag bis Samstag geöffnet hat. Ziel sei es, die Filiale wirtschaftlich zu betreiben. „Zehn Prozent des Umsatzes werden gespendet. Im Jänner und Februar bekommt das HoKi, die Hospizbegleitung für Kinder und Jugendliche das Geld“, erzählt das spendenfreudige Unternehmerpaar. Mit der neuen Filiale wollten sie auch eine klare Linie zu den anderen Filialen ziehen. „Wir wollten keine Geschäftslokale, in denen es beides – frisches und Brot vom Vortag – gibt.“

Bisher wurde die Idee positiv angenommen. Sollte das Konzept bei den Kunden weiter ankommen, wäre eine zweite „Gutes von gestern“-Filiale denkbar. Bisher wurde die Idee positiv angenommen. „Wir haben schon eine Anfrage für einen Pop-up-Store in Feldkirch bekommen“, so Monika Haag abschließend.