„Chaos inspiriert mich total“

Vorarlberg / 16.01.2020 • 18:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Anna Neuschmid nimmt auch privat die meisten Situationen mit Humor. BI
Anna Neuschmid nimmt auch privat die meisten Situationen mit Humor. BI

Anna Neuschmid steht mit Überzeugung auf der Bühne.

Nenzing Anna Neuschmid ist in Sachen Kabarett familiär mehrfach vorbelastet, seit fünf Jahren ist die quirlige Schauspielerin auch selber auf der Bühne zu sehen. Gemeinsam mit Manfred Kräutler bot sie letztes Jahr das Programm „All inklusive“, aktuell touren die beiden Schauspieler mit dem Stück „Gits jo net“ durch Vorarlberg. Heute Abend wird das Kabarettstück im ausverkauften Kellertheater Lampenfieber in Bludesch aufgeführt.

 

Wann standen Sie erstmals auf der Bühne?

Neuschmid Das war im Jahr 2015, der Anlass war das 30-jährige Bühnenjubiläum meiner Mutter Maria. Es war ihr Vorschlag, dass ich gemeinsam mit ihr eine Interviewszene nachspiele. Der Auftritt hat mir dann sehr viel Spaß gemacht. So ist mir das Spielen dann einfach passiert, es hat sich ergeben und ist eine Herzensgeschichte von mir geworden.

 

Spielte der familiäre Einfluss bei der Entscheidung, Kabarettistin zu werden, eine große Rolle?

Neuschmid Meine Mutter hat das nie forciert. Es war ihr Beruf, ich war bei Premieren dabei und durfte die Blumen überreichen. Das war mir eher peinlich, denn ich wollte nicht im Mittelpunkt stehen. Meine vier Geschwister und ich waren jedoch immer stolz auf die Arbeit unserer Mutter. Mein Vater Claudius Freyer ist ebenfalls Berufsschauspieler, und zwar in Berlin und Kassel. Und auch mein Onkel Stefan Vögel ist als Regisseur und Dramaturg mittlerweile sehr bekannt. Die Liebe zum Schauspiel liegt mir insofern schon irgendwie in den Genen.

 

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Manfred Kräutler?

Neuschmid Ich lernte ihn im Zusammenhang mit einem gemeinsamen Auftritt bei dem Stück „Körig, mol, passt“ von Stefan Vögel kennen. Manfred ist ruhig, wirkt gelassen und bedacht. Ich gebe als Kontrast das nervige, quirlige Pendant auf der Bühne.

 

Sie schreiben Ihre Texte selber, wie kommen Ihnen die Ideen?

Neuschmid Das ist bei mir völlig untypisch, denn ich schreibe am liebsten mitten im größten Lärm, also wenn meine drei Jungen Besuch haben, meine 92-jährige Oma, die bei mir wohnt, mich immer wieder etwas fragt und unsere beiden Hunde rammeln. Das brauche ich! Ich kann mich völlig konzentrieren, auch wenn es reihum eskaliert. Chaos inspiriert mich.

 Was bedeutet für Sie Kabarett?

Neuschmid Das ist für mich eine sehr persönliche Sache. Es ist mir ein Anliegen, die Schwächen, die wir ja alle haben, humorvoll darzustellen. Ich will damit kein Statement setzen, sondern einen Spiegel für Alltagssituationen schaffen. So mache ich auch kein politisches Kabarett, sondern ich interessiere mich vielmehr für das soziale Gefüge, wie die Beziehung zwischen Mann und Frau oder der Eltern zum Kind. In allem ist mir aber auch wichtig, dass dies humorvoll geschieht und auch gelacht werden kann.

 

Spielen im derzeitigen Programm die menschlichen Beziehungen ebenfalls eine tragende Rolle?

Neuschmid Ja, auch hier geht es um das Alltagsgeschehen. Wie sind wir Menschen? Wie wirken wir? Was passiert, wenn unterschiedliche Menschen in bestimmten Situationen aufeinandertreffen? Welcher Zeitgeist herrscht in der heutigen Gesellschaft? Dies sind alles Fragen, die ich sehr spannend finde und die thematisiert werden. BI

Zur Person

Anna Neuschmid

Geboren 14. August 1981

Familie in wilder Ehe, drei Söhne

Beruflicher Werdegang Matura, zwei Jahre Au Pair in Schottland, Fachhochschule für Soziale Arbeit, Mutter, Licht- und Tonarbeit auf der Bühne, Kabarettistin

Hobbys Zumba, Aerobic, Lesen (am liebsten gruselige Nord Noirs)