Dornbirner Markthändlerin mit bewegter Geschichte

Vorarlberg / 16.01.2020 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ramiza Mujkic vor ihrem Stand am Wochenmarkt. ERH

Ramiza Mujkic verarbeitet Gartenprodukte und verkauft diese auf dem Markt.

dornbirn Ramiza strahlt, wenn sie an Fontanella denkt, wo sie, in Österreich angekommen, während acht Jahren gelebt hat. Die inzwischen 49-Jährige erzählt, dass das Dorf im Großen Walsertal zu ihrer zweiten Heimat wurde. Ein großes Glück war das, denn in Bosnien, wo sie geboren und aufgewachsen war, herrschte Krieg. Man schrieb das Jahr 1992. Es war Ramizas Mutter, die ihre Kinder dazu bewegte, aus der Heimat zu flüchten, um anderswo in Sicherheit zu leben. Die zwei jüngeren Zwillingsbrüder sollten nicht zum Militär und in den Krieg ziehen müssen, und so brachen die drei Geschwister gemeinsam mit dem älteren Bruder mithilfe eines Konvois des Roten Kreuzes nach Österreich auf. Ramiza hatte den Wunsch, nach Bludenz zu kommen, eine Cousine lebte da. Noch heute ist die gebürtige Bosnierin und jetzige Harderin dankbar für die Hilfe, die sie damals bekam. Durch die Betreuung und anfängliche Unterstützung der Caritas fand Ramiza Mujkic mit 22 Jahren ihr neues Zuhause in Fontanella, wo sie von zwei Frauen herzlich aufgenommen wurde. An ihrem Arbeitsplatz in Damüls lernte sie später ihren Mann kennen.

Kirschen aus Nachbars Garten

Auf dem Dornbirner Wochenmarkt verkauft Ramiza Mujkic seit einem Jahr jeden Samstag Gemüse im Glas und selbst eingekochte Marmeladen. „Damit will ich nicht reich werden“, sagt die Harderin, die halbtägig im Sparmarkt arbeitet, lachend. Vielmehr folgt sie dem aktuellen Trend, Gemüse und Obst, das zur Reifezeit nicht nur im eigenen Garten in großen Mengen verfügbar ist, zu verarbeiten und haltbar zu machen. „Ich bin eine Schafferin“, bekennt sie schmunzelnd, „und die Leute wissen das. Eine Frau hat mich gebeten, ihre Johannisbeeren zu pflücken, Kirschen bekomme ich aus Hard, Quitten bringt man mir aus Höchst und Zwetschken aus Fußach.“ Teilweise sind es Mitglieder der Großfamilie von Ramizas Partner Andreas, aber auch Bekannte wissen, „dass ich aus allem etwas Gutes mache“. Was Ramiza auf diese Weise produziert, kann ihre Familie gar nicht alles essen, zumal der Sohn jetzt, mit achtzehneinhalb Jahren – da nimmt sie es genau – nicht mehr im Elternhaus wohnt. Also geht sie auf den Markt, wo eine Frau gerade nach dem Schwarzen Holunder fragt. Die Marmelade mit den ganzen Beeren soll es sein, wie letztes Mal. Holunder wächst übrigens im Garten des Schwiegervaters.

Noch einmal erinnert sie sich an die Zeit in Fontanella. „Sogar der Pfarrer hat in der Kirche für meine Mama gebetet, obwohl ich Muslima bin.“ Ramizas Mutter starb im Jahr 1994, getroffen von einer Granate. „Eine Woche davor habe ich mit ihr per Militärfunk gesprochen. Sie sagte, dass sie genug zu essen hätten, die Kuh würde sie ernähren.“ Das sei auch früher so gewesen im kleinen Dorf in Bosnien. „Wir waren Selbstversorger, kaufen musste man nur Salz und Zucker.“ Diese Lebensweise hat Ramiza geprägt. erh