Ein Vorarlberger schlürft sich zur WM

Vorarlberg / 16.01.2020 • 18:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bojan Pasic ist Barista in der Kaffeefabrik in Wien. In fernerer Zukunft würde ihm eine kleine Rösterei in Dornbirn gut gefallen. Pasic
Bojan Pasic ist Barista in der Kaffeefabrik in Wien. In fernerer Zukunft würde ihm eine kleine Rösterei in Dornbirn gut gefallen. Pasic

Bojan Pasic ist österreichischer Staatsmeister im „Cup Tasting“.

Wien Im Vorjahr schlürfte er sich auf den vierten Platz, heuer landete er bei den „Austrian Coffee Championships“ ganz oben am Podest: Der Kleinwalsertaler Bojan Pasic ist neuer Staatsmeister im „Cup Tasting“. Im Juni geht es für den 28-Jährigen zur Weltmeisterschaft nach Warschau.

Beim „Cup Tasting“ ist vor allem Know-how und Sensorik gefragt. Bei den österreichischen Meisterschaften auf dem Vienna Coffee Festival bekommen die Teilnehmer acht Mal je drei Tassen mit frisch aufgebrühtem Kaffee serviert. Bewaffnet mit einem Cupping-Löffel und einem Spuckbecher werden die Kaffees geschlürft. Das Besondere daran: In zwei Tassen ist derselbe Kaffee, in der dritten ein anderer. Letzteren müssen die Teilnehmer erkennten. Wer die meisten „falschen“ Tassen in kürzester Zeit aussortiert, gewinnt. Maximal hat man dafür acht Minuten Zeit.

Raumplanung und Kaffee

Auf die Bohne gekommen ist Bojan Pasic in Innsbruck, wo er neben seinem Studium in der Gastronomie jobbte. Erst im Service, später hinter der Kaffeemaschine. „Vor drei Jahren habe ich dann in Wien meinen Master in Raumplanung und Raumordnung begonnen und bin noch viel tiefer in die Kaffeeszene eingetaucht“, erzählt der Sohn einer Gastronomiefamilie. Mittlerweile ist der Kaffee sein Hauptberuf. Bojan Pasic ist Barista in der Kaffeefabrik im vierten Wiener Gemeindebezirk. Demnächst übernimmt er die Geschäftsleitung der Filiale, die im Sechsten eröffnet wird. „Die Masterarbeit steht halt grade auf dem Abstellgleis“, merkt er mit einem Augenzwinkern an.

Bei den „Austrian Coffee Championships“ hatte es der Kleinwalsertaler eigentlich auf den Pokal in der Kategorie „Latte Art“ abgesehen. „Dafür habe ich extrem viel trainiert. Aber wie es durch die Nervosität so ist, bringt man es nicht ganz auf den Punkt“, analysiert der 28-Jährige seinen Zeicheneinsatz mit Espresso und Milchschaum. Dafür lief es beim „Cup Tasting“ umso besser. Wirklich vorbereitet hat er sich dafür nicht. „Das Cupping ist Teil des Jobs. Wir machen in der Kaffeefabrik ständig Qualitätskontrollen und schauen, ob unsere Röstungen so sind, wie wir sie haben wollen“, erläutert der Fachmann.

Über 800 Aromen

Am Kaffee fasziniert den Barista, dass es so viele Möglichkeiten und Geschmäcker gibt. „Wenn man die gleiche Bohne auf unterschiedliche Art zubereitet, dann ist das auch ein Unterschied im Geschmack. Da kann sich jeder verwirklichen und jeder findet etwas, das ihm schmeckt.“

Forscher haben in der Kaffeebohne bislang über 800 Aromen entdeckt. Was man bei der Zubereitung unbedingt beachten sollte? Die richtige Wassertemperatur (zwischen 90 und 95 Grad) und das richtige Kaffee-Wasser-Verhältnis, eh klar. Am allerwichtigsten sei allerdings, „dass man qualitativ hochwertige Bohnen kauft und dass man darauf Wert legt, wo sie herkommen und wer sie geröstet hat. Bei billigen Bohnen unterstütze ich keine nachhaltigen Strukturen. Da hat der Farmer vom Kaffeeanbau überhaupt nichts“, unterstreicht der Kaffeeprofi.  

In knapp fünf Monaten geht es für den Wahlwiener nach Warschau zur WM. Bis dahin heißt es viel Kaffee trinken und verkosten. „Diesmal werde ich sicher mehr trainieren“, versichert Bojan Pasic. „Im Idealfall hole ich wieder einen Pokal. Ich hoffe, dass ich bei uns in der Kaffeefarik eine Euphorie auslösen kann und die Leute mit mir mittrainieren.“ vn-ger

„Diesmal werde ich sicher mehr trainieren. Im Idealfall hole ich wieder einen Pokal.“