Zum Wohle der Wildtiere im Land

Vorarlberg / 16.01.2020 • 18:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg gründet Stiftung zur Erforschung der Wildtiere in Vorarlberg.

Dornbirn Der adelige Herr aus dem Norden Bayerns ist Grundbesitzer in Vorarlberg. Er nennt unter anderem Jagden im Großwalsertal und im Montafon sein eigen. „Ich jage, seit ich ein Kind bin. Mir liegen die Wildtiere am Herzen“, erklärt Gemmingen-Hornberg (62) sein Motiv, sich für Reh, Hirsch, Gams, Vögel und andere in freier Wildbahn lebende Geschöpfe einzusetzen.

Er wolle nicht nur für bejagbare Tiere etwas tun, sondern auch für andere. Den Stiftungsnamen „Gamsfreiheit“ habe er in Anlehnung an den gleichnamigen Berg nahe Bludenz gewählt.

Zu viele Böcke erlegt

Die erste Aktivität im Rahmen der Stiftung ist ein Forschungsprojekt, das sich dem Gamswild widmet. Ein junger österreichischer Student kurz vor seinem Abschluss hat sich des Projekts angenommen. Bereits im März soll er das Ergebnis seiner Forschung präsentieren. „Wir wollen wissen, wie das Gamswild in Vorarlberg artgerecht leben kann.“ Bekannt sei laut Gemmingen-Hornberg bisher nur, dass Gamswild zahlenmäßig nicht bedroht ist. „Jedoch strukturell“, bemerkt der Stiftungsgründer. „Es werden viel mehr Böcke als Geißen erlegt, und es fehlen die alten Tiere“, ergänzt der Bayer. 2018 wurden laut Gemmingen-Hornberg 1100 Gämse erlegt, 30 Prozent mehr als die Abschussplanung vorsieht. Grund dafür sei die steigende Attraktivität der Berge als Erholungsraum für Menschen.

Freizeitsportler auf den Berggipfeln würden die Gämse von den sicheren Hochlagen in Richtung der Täler vertreiben. Sobald sich das Gamswild in den tiefer gelegenen Wäldern aufhält, müsse es im Auftrag der Behörde zum Schutz der Wälder sofort und ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht oder Zustand erlegt werden. Grundsätzlich vertritt der Freiherr die Meinung, dass „glücklich lebende Tiere auch für den Menschen gut sind. Wir wollen herausfinden, wo Wildtiere leben können und wo es ihnen gut geht.“

Die Gams der Anfang

Nach der Präsentation des Gamsprojekts soll es den nächsten Forschungsauftrag der Privatstiftung über eine andere Tierart geben. „Welche das sein wird, weiß ich noch nicht“, betont Eberhard von Gemmingen-Hornberg. Der Stiftungsgründer möchte weitere Partner für die „Gamsfreiheit“ gewinnen. Der Jägerschaft hat Gemmingen-Hornberg sein Projekt bereits vorgestellt, andere Interessensvertreter sollen folgen. Verpflichtet sieht sich der deutsche Adelige aber keiner bestimmten Gruppe, sondern allein der wissenschaftlichen Forschung, die wichtige Erkenntnisse für alle liefern soll.

Partner willkommen

Dotiert ist die Stiftung derzeit mit 60.000 Euro. „Ich lade gerne dazu ein, sich auch finanziell an diesem Projekt zu beteiligen“, sagt Eberhard von Gemmingen-Hornberg. Gegründet wurde die Stiftung im Herbst des vergangenen Jahres. VN-HK

„Wir wollen herausfinden, wo Wildtiere leben können und wo es ihnen gut geht.“