85 Euro und Zulagen

Vorarlberg / 17.01.2020 • 19:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Neuer Kollektivvertrag für private Pflege- und Sozialberufe.

Bregenz Im vierten Anlauf ist es gelungen, die Kollektivvertragsverhandlungen für die privaten Pflege- und Sozialberufe abzuschließen. Die rund 7700 Beschäftigten erhalten ab dem kommenden Monat 1,8 Prozent plus 14 Euro mehr, macht rund 2,3 Prozent an Gehaltserhöhung. Das entspricht jener der Landes- und Gemeindebediensteten. Statt der von der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) geforderten 100 Euro gibt es damit nur etwa 85 Euro. GPA-Landesgeschäftsführer Bernhard Heinzle spricht dennoch von einem guten Abschluss: „Wir konnten ein Gesamtpaket verhandeln.“ Die Arbeitgeberseite zeigt sich ebenfalls zufrieden. „Gehalts- und Personengruppen werden entsprechend gefördert“, meinte Manfred Ganahl, Geschäftsführer der Stiftung Jupident, auf VN-Nachfrage.

Gegen Gießkannenprinzip

Das von Bernhard Heinzle betonte Gesamtpaket beinhaltet eine Erhöhung der Nachtdienstzulagen um 4,3 Prozent. Die Sonn- und Feiertagsdienste werden um 3,9 Prozent höher abgegolten. Für die Berufsgruppe der Fachsozialbetreuer und Pflegefachassistenten konnte eine monatliche Zulage von 153 Euro herausgeschlagen werden. Sie haben damit 210 Euro monatlich mehr auf dem Lohnkonto. Das Zugeständnis ist laut Bernhard Heinzle dem Umstand geschuldet, dass es in diesen Bereichen besonders schwierig ist, Personal zu bekommen. Auch Manfred Ganahl steht dazu. Er hätte nichts davon gehalten, 100 Euro nach dem Gießkannenprinzip auszuschütten. Was die Notwendigkeit der von der Gewerkschaft am Mittwoch organisierten Kundgebung betrifft, an der 1300 Personen teilnahmen, sind die Meinungen geteilt. Heinzle ist überzeugt: „Die Kundgebung hat schon gewirkt.“ Ganahl meint: „Den Trommelwirbel hätte es nicht gebraucht, denn eigentlich sind wir in den Gehaltsverhandlungen nie dramatisch weit auseinandergelegen.“

Neuer Personalschlüssel

Im Vorfeld gab es ein Treffen mit Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker. Dabei wurde eine Neufestlegung des Pflegepersonalschlüssels vereinbart. Weiters sollen die Nacht- und Wochenenddienste attraktiver gestaltet werden. „Dazu wird von Landesseite ein Modell erarbeitet“, erklärt Bernhard Heinzle. Es sei in fast allen sozialen Einrichtungen schwierig, Personal für solche Zeiten zu gewinnen. Die Arbeitgeber begrüßen die Initiative ebenfalls. So könne ohne Druck eine Lösung entstehen. VN-MM

„100 Euro nach dem Gießkannenprinzip auszuschütten, wäre nicht gut gewesen.“