„Drohungen steigen tendenziell an“

Vorarlberg / 17.01.2020 • 19:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Die Erinnerung ist immer noch sehr präsent und spürbar.“ VN/Stiplovsek
„Die Erinnerung ist immer noch sehr präsent und spürbar.“ VN/Stiplovsek

Bezirkshauptmann erzählt, wie sich die Stimmung in der BH verändert hat.

Dornbirn Helgar Wurzer hat als Bezirkshauptmann von Dornbirn am 6. Februar einen Mitarbeiter und Kollegen verloren. Seitdem hat sich in der BH einiges verändert. Den VN hat er vor dem Prozessbeginn Fragen beantwortet.

 

Wie hat sich die Arbeit in der BH Dornbirn durch den 6. Februar 2019 verändert?

Wurzer Die Aufgaben sind die gleichen geblieben und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühen sich weiterhin, gute Arbeit zu leisten. In den meisten Abteilungen ist wieder Alltagsroutine eingekehrt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reagieren aber sensibler und stärker auf aggressive Parteien, weil die Möglichkeit eines tätlichen Angriffs jetzt mehr im Bewusstsein ist. Ein neuer Schwerpunkt in der Leitungsarbeit der Bezirkshauptmannschaften war im vergangenen Jahr das Thema „Sicherheit für Mitarbeitende und Kunden“, dieses Thema hat die Verantwortlichen im vergangenen Jahr sehr beschäftigt. Am meisten Veränderung spüren unsere Parteien: Der Parteienverkehr konzentriert sich jetzt auf den Vormittag, am Nachmittag ist es nur noch ausnahmsweise möglich, in die BH zu kommen. Neu für den Bürger sind die Personen- und Gepäckskontrollen am Eingang und teilweise eine Barriere zu einzelnen Sekretariaten. Für diese Maßnahmen zeigen unsere Besucher aber weitgehend Verständnis.

 

Wie ist die Stimmung in der Belegschaft? Hat sie sich verändert?

Wurzer Das Betriebsklima in unserer Bezirkshauptmannschaft ist seit vielen Jahren sehr gut. Aber das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist durch dieses Ereignis noch mehr gewachsen. Die Erinnerung an die schreckliche Tat ist immer noch sehr präsent und spürbar. Die Stimmung in der BH ist inzwischen aber wieder sehr gut. Man spürt allerdings den bevorstehenden Prozess und den Jahrtag, was wieder viele Emotionen hochkommen lässt.

 

Haben Sie es oft mit aggressiven Kunden zu tun?

Wurzer Wir haben täglich circa 400 Kunden, die zu uns kommen. Der weit überwiegende Teil dieser Menschen ist sehr freundlich und verständnisvoll. Es sind nur wenige, die auf unsere Entscheidungen aggressiv reagieren, solche Situationen sind für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann aber belastend und bleiben im Gedächtnis.

 

Hat sich die Zahl der Vorfälle und die Art der Aggression in den letzten Jahren verändert?

Wurzer Da muss man vorsichtig sein. Aber wir spüren in den letzten Jahren doch eine stärkere Ungeduld und Uneinsichtigkeit, auch mehr Überforderung, die zu aggressivem Verhalten führt. Was tendenziell steigt, sind offene oder versteckte Drohungen gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vorfälle in der Art, dass wir die Polizei um Hilfe bitten müssen, gibt es sehr wenige, das hat sich in den vergangenen Jahren auch nicht verändert.

 

Wie kann die Landespolitik den Spagat zwischen allgemeiner Sicherheit und offener Verwaltung überhaupt schaffen?

Wurzer Die Haltung unserer Landespolitiker ist klar: Der Schutz jener, die in der öffentlichen Verwaltung arbeiten, ist wichtig, aber auch eine bürgernahe Verwaltung soll weiterhin gewährleistet werden. Mit den jetzt getroffenen Sicherheitsmaßnahmen hat die Landesregierung vernünftige Maßnahmen gesetzt, ohne über zu reagieren. Es wird – wenn sinnvoll – auch laufend nachgeschärft. Die offene Verwaltung muss vor allem über den Umgang mit den Menschen, die den Kontakt zu einer Behörde suchen, gelebt werden. Darum müssen und können sich vor allem jene, die in den Dienststellen arbeiten, bemühen. VN-mip