Ein offener Ort, der Begegnung und Wissen vereint

Vorarlberg / 17.01.2020 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ulrike Unterhurner fühlt sich in der neuen Dornbirner Stadtbibliothek wohl und sieht der Eröffnung Ende Jänner schon aufgeregt entgegen. VN/LERCH

Ulrike Unterthurner leitet seit 29 Jahren die Geschicke der Stadtbibliothek Dornbirn, deren Neubau Ende Jänner offiziell eröffnet wird.

Dornbirn Wenn die Begriffe Bibliothek und Bücher fallen, dann strahlt Ulrike Unterthurners Gesicht. Von Büchern ist sie seit ihrer Kindheit fasziniert. „Ich hatte immer Bücher um mich. Sie bedeuten für mich Hochgenuss“, erklärt Unterthurner. Diese Leidenschaft kann sie auch beruflich ausleben. Immerhin ist sie seit 29 Jahren die Leiterin der Stadtbibliothek Dornbirn. Ihren Job hält sie für die beste Stelle in der ganzen Stadt. „Für mich ist es eine Wonne, meine Leidenschaft zu teilen“, schwärmt sie. Deshalb ist der Jänner für die Bücherliebhaberin und ihr Team ein wichtiger Monat, denn die neue Stadtbibliothek Dornbirn öffnet Ende Jänner offiziell ihre Pforten. Anfang des Monats gab es rund eineinhalb Jahre nach dem Spatenstich eine inoffizielle Eröffnung. „Wir haben bisher viele positive Rückmeldungen erhalten. Neukunden haben wir auch schon gewonnen“, fasst sie die Eindrücke der ersten Tage zusammen. Trotzdem sieht sie der offiziellen Eröffnung aufgeregt und mit freudiger Erwartung entgegen.

Kein Heimweh

An die alte Bibliothek in der benachbarten Stiegervilla denkt sie gerne zurück. Sie habe sich dort all die Jahre sehr wohl gefühlt und viele schöne Erinnerungen daran. Immerhin war die Stadtbibliothek von 1991 bis zum 10. Dezember 2019 in der Villa beheimatet. „Jetzt hat eine neue Ära begonnen. Ich habe lange Zeit gehabt, um mich zu verabschieden“, erklärt Unterthurner. Heimweh verspüre sie keines.

Neue Zeit, neue Bibliothek

Was den Umzug in das 6,4 Millionen Euro teure Haus erleichtert hat, war der Strategieprozess, der schlussendlich in die neue Bibliothek mündete. Dieser Prozess erlaubte es, die geänderten Bedürfnisse zu eruieren, die Anforderungen an die Bibliothek auszuarbeiten und das Reflektierte in einer Gruppe, die aus dem Bibliotheken-Team, Experten aus der Verwaltung und politischen Vertretern bestand, zu besprechen. „Ich habe sehr viele Bibliotheken angeschaut und ganz viel von den Besichtigungen gelernt. Die Kommentare unserer Kunden haben wir ebenfalls sehr ernst genommen“, erklärt die 60-Jährige.

Schließlich wolle man für die Dornbirner Bevölkerung da sein. Die neue Bibliothek solle ein offener Ort der Begegnung sein und jeden Besucher willkommen heißen. „Nicht umsonst ist im Eingangsbereich der Satz ,Ich bin ich‘ in 150 Sprachen zu lesen. Dieser Satz hat für die sportliche Bibliothekarin, die ihre Freizeit gerne am Bodensee verbringt, eine symbolische Bedeutung. Es gehe ums Lernen. Jeder brauche auf eigene Art und Weise Unterstützung. Die Bibliothek solle ein Lern- und Bildungsort sein und den Selbstwert stärken. „Jeder soll dazu stehen, wie er ist.“ Für die Lern- und Lesezonen wurde sogar auf Bücherregale verzichtet.

Die zunehmende Digitalisierung ist eine Entwicklung, die auch vor Bibliotheken nicht haltmacht. Die Rosenliebhaberin ist digitalen Medien gegenüber offen eingestellt. „Es geht um Lesekompetenz und sinnerfassendes Lesen von Informationen. Mit welchem Medium das passiert, ist egal. Jedes Medium bietet geistige Nahrung“, so Unterthurner. In der neuen Bibliothek habe zwar viel Technik Einzug gehalten, so gibt es Recherchecomputer direkt am Regal, man habe aber darauf geachtet, dass die Stadtbibliothek kein PC-Parkplatz wird. „Wie gesagt: Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, so Unterthurner.

Zur Person

Dr. Ulrike Unterthurner

leitet seit 29 Jahren die Stadtbibliothek Dornbirn

Alter: 60

Wohnort: Lochau

Ausbildung: Geschichte- und Germanistik-Studium in Innsbruck und Leipzig; im Fach Geschichte promoviert

Hobbys: im Bodensee schwimmen, Skifahren, Joggen, Garten, Konzerte