Mehr Geld und höhere Zulagen für private Sozialberufe

Vorarlberg / 17.01.2020 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit bunten Regenschirmen traten die Kundgebungsteilnehmer in Rankweil auf. VN/PAULITSCH

Kollektivvertragsverhandlungen im vierten Anlauf erfolgreich.

Bregenz Im vierten Anlauf ist es gelungen, die Kollektivvertragsverhandlungen für die privaten Pflege- und Sozialberufe unter Dach und Fach zu bringen. Die rund 7700 Beschäftigten erhalten ab dem kommenden Monat 1,8 Prozent plus 14 Euro mehr, macht gesamt rund 2,3 Prozent an Gehaltserhöhung. Das entspricht dem Gehaltsabschluss der Landes- und Gemeindebediensteten. Statt der von der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) geforderten 100 Euro gibt es damit nur etwa 85 Euro. GPA-Landesgeschäftsführer Bernhard Heinzle spricht dennoch von einem guten Abschluss. Seine Begründung: „Wir konnten ein Gesamtpaket verhandeln.“ Die Arbeitgeberseite zeigt sich ebenfalls zufrieden. „Gehalts- und Personengruppen werden entsprechend gefördert“, meinte Manfred Ganahl, Geschäftsführer der Stiftung Jupident, auf VN-Nachfrage.

Gegen Gießkannenprinzip

Das von Bernhard Heinzle betonte Gesamtpaket beinhaltet eine Erhöhung der Nachtdienstzulagen um 43 Prozent. Die Sonn- und Feiertagsdienste werden um 3,9 Prozent höher abgegolten. Für die Berufsgruppe der Fachsozialbetreuer und Pflegefachassistenten konnte eine monatliche Zulage von 153 Euro herausgeschlagen werden. Sie haben damit 210 Euro monatlich mehr auf dem Lohnkonto. Das Zugeständnis ist laut Bernhard Heinzle dem Umstand geschuldet, dass es in diesen Bereichen besonders schwierig ist, Personal zu bekommen. Auch Manfred Ganahl steht dazu. Er hätte nichts davon gehalten, 100 Euro nach dem Gießkannenprinzip auszuschütten. Was die Notwendigkeit der von der Gewerkschaft am Mittwoch organisierten Kundgebung betrifft, an der 1300 Personen teilnahmen, sind die Meinungen geteilt. Heinzle ist überzeugt: „Die Kundgebung hat schon gewirkt.“ Ganahl meint: „Den Trommelwirbel hätte es nicht gebraucht, denn eigentlich sind wir in den Gehaltsverhandlungen nie dramatisch weit auseinandergelegen.“ 

Neuer Personalschlüssel

Im Vorfeld der letzten Verhandlungsrunde gab es ein Treffen mit Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker. Dabei wurde vereinbart, für den Pflegebereich noch in diesem Jahr einen neuen Personalschlüssel festzulegen. Weiters sollen die Nacht- und Wochenenddienste attraktiver gestaltet werden. „Dazu wird von Landesseite ein Modell erarbeitet“, erklärt Bernhard Heinzle. Ein Ergebnis wird bis November erwartet. Es sei mittlerweile in beinahe allen sozialen Einrichtungen schwierig, Personal für Nacht- und Wochenenddienste zu gewinnen. „Die Arbeitgeber begrüßen diese Initiative ebenfalls“, sagt Ganahl.  So könne ohne Druck eine gute Lösung entstehen.