Soner Ö. ab Montag vor Gericht

Vorarlberg / 17.01.2020 • 19:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fast ein Jahr nach der Bluttat in Dornbirn muss sich der Täter vor dem Feldkircher Landesgericht verantworten. VOL.at/Pletsch
Fast ein Jahr nach der Bluttat in Dornbirn muss sich der Täter vor dem Feldkircher Landesgericht verantworten. VOL.at/Pletsch

Verteidiger fordern, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vom Prozess auszuschließen.

Feldkirch Ein Jahr ist bald vergangen, seit seine Tat das Land erschütterte. Es ist der 6. Februar 2019 als Soner Ö. den Leiter der Sozialabteilung der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn ersticht. Jenen Mann, der ihn zehn Jahre zuvor abschieben hat lassen. Eine Tat, die nicht nur für menschliches Leid sorgt: Land und Innenminister schieben sich danach gegenseitig die Verantwortung zu. Und wer heute eine Behörde betritt, muss durch Sicherheitsschleusen wie am Flughafen.

Großer Rummel

Einer, der sich gut an den Februar erinnert, ist Daniel Wolff. Der Bregenzer Anwalt machte sich am 1. Februar selbstständig. Schon zwei Wochen nach Kanzleieröffnung trudelt die Akte von Soner Ö. auf den Tisch, Wolff ist Pflichtverteidiger. „Der Rummel war enorm, fast jedes Medium in Österreich hat angerufen. Das Telefon hat zwei Wochen lang durchgeläutet“, erinnert er sich. Am 1. April übernimmt die Kanzlei von Ludwig Weh den Fall.

Den VN erläutert Weh den Fokus der Verteidigung: „Wir halten es für wichtig, dass im Prozess vorkommt, was zu der Explosion geführt hat, wie sich die Verzweiflung unseres Mandanten angestaut hat. Unser Mandant bereut seine Tat zutiefst. Er hat, bereits lange bevor er uns bevollmächtigt hat, vor der Polizei erklärt, dass er den Beamten nicht töten wollte.“ In der Verteidigungsschrift heißt es dazu: Soner Ö. und das spätere Opfer hätten bereits früh zum ersten Mal Kontakt gehabt. Der damalige Polizeibeamte hätte Soner Ö. schon als Kind mit der Abschiebung gedroht. Dies habe bis heute Spuren hinterlassen.

Da Soner Ö. erst am 3. Jänner von Innsbruck nach Vorarlberg überstellt wurde, sei es nicht möglich gewesen, sich auf den Prozess vorzubereiten. Deshalb fordert die Verteidigung, dass alle Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bei der Verhandlung nicht zugelassen werden (außer ein paar Ausnahmen). Zudem müsse der psychiatrische Gutachter Reinhard Haller den gesamten Prozess anwesend sein. Gesundheitlich gehe es Soner Ö. ebenalls nicht gut. Er habe kürzlich einen Blinddarmdurchbruch erlitten, wolle aber den Prozess nicht verschieben.

Appell des Opferanwalts

Außerdem habe sich Soner Ö. nie des Mordes für schuldig bekannt, sondern der absichtlichen Körperverletzung mit Todesfolge. Der Angeklagte habe sich zum Zeitpunkt nach der Tat in einem Ausnahmezustand befunden, weshalb die Vernehmungen ungültig seien.

Auch Stefan Denifl, Anwalt der Angehörigen, hat sich an die Öffentlichkeit gewandt. Er fordert die Öffentlichkeit und Medien auf, den Opferschutz zu waren. „Schon mehrfach sind in der Berichterstattung Persönlichkeitsrechte verletzt worden.“ Denifl verweist auf ein Urteil des Presserats gegen eine österreichweite Zeitung.

Am Montag um 10 Uhr startet der Prozess unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen. Am Mittwoch soll ein Urteil feststehen.

„Wir wollen aufzeigen, wie sich die Verzweiflung unseres Mandanten angestaut hat.“